PRESSE 2004
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      letzte Aktualisierung vom 19.08.09

                              
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 Richtigstellungen: - pro Sud werden eingebraut: 4000 l = 40 hl, die Lagerkapazität im Keller beträgt: 40.000 l = 400 hl
                                - Braumeister Thomas Köhler stammt aus Potsdam und Braumeister Jörg Kirchhoff stammt aus Kleinmachnow



12/2004        Kleinmachnower Zeitung                     Braumanufaktur Braut für sich und andere

04.10.2004  Potsdamer Neuste Nachrichten         Da braut sich was zusammen

02.10.2004  Berliner Zeitung                                    Deftiges rund ums selbst gebraute Bier

02.10.2004  Berliner Morgenpost                            Wo Einstein dem Alltag davonsegelte

30.09.2004  Potsdamer Neuste Nachrichten         Hier braut ein jeder sein eigenes Bier

11.09.2004  Märkische Allgemeine Zeitung          Jetzt auch Bier mit Sanddorn

11.09.2004  Potsdamer Neuste Nachrichten        Energiespender von außen und von innen

04.09.2004  Die Welt                                               selbst gebraut, frisch gezapft

01.09.2004  Berliner Morgenpost                           selbst gebraut, frisch gezapft

9/2004          Brauerei Forum                                    Potsdamer Stangenbier

9/04               Deutsches-Handwerksblatt                Potsdamer Stange

Juli     2004  Brauwelt Nr. 35 (2004)                        Mit dem Dampfer zum Forsthaus Templin

28.07.2004  Der Potsdamer                                    Stangenbier ist wieder da

25.07.2004  Potsdam am Sonntag                         Traditionsbier wird im Forsthaus gebraut; Die "Stange" kehrt zurück

24.07.2004  Potsdamer Neuste Nachrichten         Potsdamer Traditionsbier wird ab heute im Forsthaus Templin ausgeschenkt

24.07.2004  Märkische Allgemeine Zeitung           Neuauflage für den Flüssigsold; Braumanufaktur stellt Stangenbier her

Juni    2004  Werderscher Inselblick                        Hoch lebe das Werdersch Bier

Juni    2004  Potsdam en détail 2.Ausgabe 04      Bier von der Stange

19.05.2004  Berliner Morgenpost                           Himmel-Fahrt ins Grüne

26.04.2004  Märkische Allgemeine Zeitung          Aus allem wird Wein

26.04.2004  Märkische Allgemeine Zeitung          Feucht-fröhliche Stimmung in Werders Obstgärten

26.04.2004  Potsdamer Neuste Nachrichten         Längster Festumzug mit Jubiläum

26.04.2004  Potsdamer Neuste Nachrichten         Zur Baumblüte wird wieder Werdersches Bier gebraut

23.04.2004  Märkische Allgemeine Zeitung           Potsdamer Meister brauen neuen Werderschen Gerstensaft

23.04.2004  Berliner Zeitung                                    In Werder startet die große Sause: mit Obstwein, Puhdys und Rummelbuden

16.04.2004  Märkische Allgemeine Zeitung           125. Baumblütenfest mit großem Umzug

Frühjahr 04   leben und genießen in Potsdam        Unterm Forsthaus reift das Bier

12.03.2004   Märkische Allgemeine Zeitung          Hoch lebe das "Werdersch Bier"

12.03.2004   Märkische Allgemeine Zeitung          Mit Hopfen und Malz

12.03.2004   Potsdamer Neuste Nachrichten        Theodor Fontane und "die Werdersche"

12.03.2004   Potsdamer Neuste Nachrichten        Malzbetont und mild gehopft

11.03.2004   Generalanzeiger Werder                   "Werdersches wird gebraut"

10.03.2004   Potsdamer Neuste Nachrichten        Nach über 80 Jahren gibt es wieder Werdersches Bier

28.02.2004   Wochenmagazin MAZ                        Köstliches aus dem Zapfhahn

19.01.2004   Märkische Allgemeine Zeitung          Namen & Nachrichten

18.01.2004   Berliner Morgenpost                           Süffige Reise durch das Bierland Brandenburg

 

 

 

Kleinmachnower Zeitung 12/2004

Frisch gezapftes im „Forsthaus Templin“
Braumanufaktur braut für sich und andere

Selbstgebrautes in kleinen Gasthäusern ist im Kommen. Dieser Trend erobert auch Potsdam. Die jüngste Gasthausbrauerei der Stadt ist die "Braumanufaktur Forsthaus Templin", und sie erfreut sich wachsender Beliebtheit. Nachdem das Gebäude gut sieben Jahre verwaist war, polierten die beiden Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler das 1834 eingeweihte und unter Denkmalsschutz stehende Ausflugslokal wieder auf und eröffneten dort im Winter 2003 ihre Braumanufaktur. "Unsere Unternehmensphilosophie beruht auf der Kenntnis alter handwerklicher Brautraditionen und deren Umsetzung", sagen Kirchhoffund Köhler.

Vier selbst gebraute Biersorten werden im "Forsthaus" gezapft. Neben Pils, Weizen- und Lagerbier ist es vor allem die "Potsdamer Stange". Dieses leicht süßliche Bier soll schon zu Zeiten Friedrich Wilhelms I. und Friedrich des Großen durch Soldatenkehlen gelaufen sein. Eine weitere Spezialität, der dunkle Weihnachtsbock, wird am 6. Dezember angestochen. Vor drei Monaten eingebraut, wird er entsprechend dem Datum "Nikolator" heißen. Im Brauhaus sind im Außerhausverkauf Flaschenbier (1 u. 2 Liter), Fassbier (10, 20, 30 und 50 Liter), Bierlikör und Bierbrand erhältlich. Auch andere Gaststätten werden von der Braumanufaktur mit selbstgebrautem Bier versorgt. Gern erläutern die beiden Brau- meister ihren Gästen bei einer Brauereiführung (möglichst vorher anmelden!) die Braukunst der historischen Brauanlage. Jeden Mittwoch finden um 19 Uhr auch ohne Voranmeldung kostenlose Führungen statt. Außerdem veranstalten die Bierexperten Brauseminare. Im rustikalen urgemütlichen Gastraum wird Deftiges, das zum Bier passt, serviert. Und das zu volkstümlichen Preisen - alle Gerichte sind unter 10 Euro zu haben. Der Gastraum bietet bis zu 100 Personen Platz. Für Rollstuhlfahrer gibt es einen geeigneten Eingang und eine Toilette. Für Gruppen und Familienfeiern werden auf Wunsch Tafeln zusammengestellt und Büfetts kreiert.

Im Sommer ist der von Kastanien. überschattete Biergarten ein Anziehungspunkt für viele Ausflügler, Wanderer und Radler. Im Januar ist die Braumanufaktur mit einem Stand auf der Grünen Woche vertreten und zeigt dort einen historischen Flaschenfüller. La.

Öffnungszeiten: täglich 11-23 Uhr; Fr. -Sa. 11-1 Uhr Braumanufaktur Forsthaus Templin, 14473 Potsdam, Templiner Straße 102, Telefon: (033209) 217979; FAX: (033209) 217980; E-Mail/Intemet thomas@ braumanufaktur.de, joerg@braumanufaktur.de, www.braumanufaktur.de

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PNN 4.10.04
Da braut sich was zusammen
Die Braumanufaktur Forsthaus Templin lud am Wochenende unter fachmännischer Anleitung zum ersten Brauseminar ein

Ehe es ans Molle stemmen gehen konnte, war an diesem Wochenende erst einmal geradezu abstinenter Fleiß gefragt. Die beiden Braumeister Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff hatten zum ersten Potsdamer Brauseminar ins Forsthaus Templin eingeladen und vier „Lehrlinge“ waren gekommen. „Im Februar startet ein neues Seminar und dafür gibt es auch schon wieder Anmeldungen. Die Höchstzahl sind zehn Teilnehmer, sonst wird es zu eng“, meint Kirchhoff.

Wer aber nimmt an einem solchen Seminar teil? Es geht tatsächlich ums Bierbrauen für den Hausgebrauch. Der Geschäftsführer von Biomalz Teltow Hartwig Striemer wollte allerdings auch gleich noch testen, welche Zusammenarbeit es zwischen den Bierbrauern und seinem Malzprodukt geben kann. Wer z.B. für das Heimgebräu die ganzen Vorbereitungen vom Schroten bis zum Läutern scheut, könnte im Prinzip auch einen vorbereiteten Malz- und Hopfensud einsetzen.

Die Brauseminarteilnehmer wollten allerdings von der Pike auf lernen. Und selbst gemacht ist selbst gemacht, das gilt nicht nur für Mutters Kuchen und Marmeladen, sondern auch für Papas Bier, fanden jedenfalls Seminarteilnehmer Falk Moepert aus Zühlsdorf und Dirk Kotte aus Teltow. Vierter im Bunde war Azubi Thomas Krüger, der ein Biotechnologiestudium anvisiert.

Am Freitagnachmittag begann das Brauseminar im Forsthaus Templin mit Rohstoffkunde und der Theorie des Bierbrauens. Man konnte sich auch anschauen, wie es die Profis machen und die legen ein paar Literchen mehr vor als ihre Lehrlinge, die an großen für Brauzwecke umgebauten Kochtopf übten. 4000 Liter pro Sud können in der Braumanufaktur Forsthaus Templin angesetzt werden. Während in Zeiten städtischer Events, die auf Nachfrage beliefert werden, sogar zweimal in der Woche ein Sud angesetzt wurde, ist man jetzt beim 14-tägigen Rhythmus. „Wir müssen uns erst einmal überall bekannt machen“, sagt Kirchhoff und weist auf allerlei Neues hin. Am 6. Dezember soll der dunkle Weihnachtsbock angestochen werden, der dem Datum entsprechend „Nikolator“ heißen soll. Auch ein Sanddornbier ist in Arbeit. Auf diese Idee ist man zusammen mit Christine Berger gekommen, die die organgenen Früchte in allerlei Form vertreibt. Nun wird noch an der erweiterten Flaschenabfüllung des Eigenbräus gebastelt. Dafür haben die beiden Braumeister alte Abfüllanlagen auf Vordermann gebracht, so dass sie hier ebenfalls auf Eigenbetrieb setzen. Die Potsdamer Stange hat sich schon gut eingeführt und auch das nach alten Rezepten und mit Werderaner Wasser gebraute Bier zur Baumblüte war ein Renner.

Sozusagen mit allen Wassern gewaschen und nicht nur mit dem fürs Bierbrauen, sind die beiden Braumeister also gute Lehrmeister in allen praktischen Fragen, als da sind Schroten des Getreides, ansetzen der Maische mit vorgewärmtem Wasser, Läutern der „Pampe“ - also Trennen der festen und flüssigen Bestandteile des Suds und schließlich das Würzekochen mit dem Hopfen. Nach dem Abkühlen des Suds über Nacht kommt dann die Hefe dazu. Nach der Arbeit durfte dann erst einmal Bier getrunken werden so lange der Magen wollte. Auch wenn das Eigengebräu erst in vier Wochen fertig ist, Bier gab es im Forsthaus natürlich genug, nicht nur für die Braulehrlinge, sondern auch für die anderen Gäste, die per Bus kamen. Im Sommer will die Weisse Flotte wieder den Anleger am Freibad anfahren und zusätzlich Schiffsladungen von Biertrinkern ins Grüne entlassen. Obwohl im Forsthaus offenbar gern gefeiert wird, am Sonnabend war der obere Raum zum Beispiel für einen 70. Geburtstag reserviert, kann sich die Braumanufaktur von den eigenen Gästen allein nicht über Wasser oder sollte man sagen, übers Bier halten. Die beiden Forsthausbesitzer leben auch vom Verkauf des Eigenbräus an andere Gaststätten. Vier Biersorten sind im Angebot, darunter die Potsdamer Stange, ein liebliches Bier, für das es noch alte Rezepte gibt, das aber zu DDR-Zeiten so gut wie nicht mehr gebraut wurde.

Den Sonntag gingen die Lehrgangsteilnehmer dann ruhig an. Es durften verschiedene Biersorten verkostet werden, dazu auch ein Bierlikör und ein Bierbrandy - vorausgesetzt man war nicht mit dem Auto da. Danach gab es noch einen Vortrag über den Eigenbau von Sud, Gär- und Lagergefäßen, denn es muss ja nicht immer alles superneu und teuer sein. Wie das am Wochenende selbstgebraute Bier schmeckt wird nach vier Wochen probiert. Man trifft sich. Wo? Im Forsthaus Templin natürlich.

Geöffnet ist So bis Do von 11 bis 23 Uhr, Fr + Sa von 11 bis 1 Uhr

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Berliner Zeitung 02.10.2004
Ressort: Lokales , Autor: Heiner Hein, Seite: 24
Schmackhafter Ausflug
Deftiges rund ums selbst gebraute Bier

Gut sieben Jahre war das "Forsthaus Templin" in Potsdam verwaist. Die Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler haben dem 1834 eingeweihten Ausflugslokal zu neuem Glanz verholfen und als Braumanufaktur eröffnet. Aus vier Hähnen wird hier selbst gebrautes Potsdamer Stangenbier, Pils, Weizen- und Lagerbier gezapft. Kürzlich wurde der Weihnachtsbock eingebraut, der nun drei Monate bis zum Anstich am Nikolaustag lagert.

Serviert werden deftige Gerichte, die zum Bier passen. Für den kleinen Hunger gibt es Wildknacker mit Braunbiersauerkraut oder Treberbrot und Biersenf (je 4,20 Euro). Bierkutschersteak mit Bratkartoffeln, in Bier eingelegten Zwiebelringen und Salat kostet 8,60 Euro, das Wildgulasch 9,60 Euro. Nicht fehlen dürfen das Berliner Eisbein mit Sauerkraut sowie die Grillhaxe (je 8,90 Euro). In verschiedenen Portionen gibt es Bauernfrühstück mit Schinken, Zwiebeln und Gewürzgurke (5,50 oder 6,50 Euro) sowie die Salate mit ofenfrischem Treberbrot (3,10 oder 5,50 Euro). Für Brokkoliauflauf mit Mandelsplittern und Käsekruste zahlt man 6,50 Euro.

Fisch-Liebhaber finden in der Karte Zanderfilet in feiner Dillsauce (9,80 Euro) und Matjesfilet mit Zwiebelringen, Kräuterremoulade und Bratkartoffeln (7,90 Euro). Eine herzhafte Brotzeit mit Bauernschinken, Blut- oder Leberwurst oder mit Käse kostet 3,60 Euro.

Empfohlen sei auch das etwas andere Dessert: Eisbecher mit Bierlikör (4,80 Euro). Wer den Braumeistern als erster Gast diesen Beitrag in die Hand drückt, bekommt als Geschenk eine Bügelflasche Potsdamer Stange und eine Flasche 15-prozentigen Bierlikör.

Am 3. Oktober gibt es von elf bis 14 Uhr eine Führung durch die Brauerei. Man kann aber auch spazieren gehen. In 15 Minuten ist man in Caputh mit der im italienischen Stil erbauten Dorfkirche und dem einstigen Lustschloss des Großen Kurfürsten von 1662.

Die Braumanufaktur in Potsdam, Templiner Straße 102, ist täglich ab 11 Uhr geöffnet. Telefon: 033209/21 79 79.

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Berliner Morgenpost 2.10.04
Wo Einstein dem Alltag davonsegelte
Fahrradtour einmal rund um den Schwielowsee - durch malerische Natur und geschichtsträchtige Dörfer

Von Dieter Weirauch

Auf der Suche nach dem Indian Summer im Havelland. Es soll ihn geben! Begeben wir uns also einmal auf die Suche. Ausgangspunkt der Radtour ist der Potsdamer Hauptbahnhof.
Vor dem Bahnhof, auf der rechten Seite bleiben die Freundschaftsinsel und das hohe Hotel Mercure liegen, überqueren wir die Straße und folgen der Leipziger Straße Richtung Hermannswerder. Wir fahren aber nicht durch das backsteinerne Tor auf die Insel, sondern halten uns auf dem Radweg entlang der Templiner Straße.
Rechts der freie Blick auf den Templiner See, links die von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. 1855 nach dem Vorbild des Heiligen Grabes in Jerusalem angelegte Marienquelle, geht die Fahrt bis zum Forsthaus Templin mit Potsdams neuester Gasthausbrauerei.

Dort warten die Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler auf Gäste. Wer will, lässt sich durchs Brauhaus führen. Die Braumanufaktur befindet sich in einem historischen Ort, in dem schon der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck als Student einkehrte. Treberbrot mit Wurst, Gurke und Butter kostet 3,60 Euro, Pils 1,80 Euro (tgl. 11-23 Uhr, www.braumanufaktur.de).

Kaum 500 Meter weiter sind wir schon in Caputh. Links hinter dem Ortseingang führt ein Weg zum Einsteinhaus, in dem Albert Einstein zwischen 1929 und 1932 den größten Teil des Jahres verbrachte. Von dort aus segelte er zu seinen Lieblingsplätzen am Schwielowsee. Seinen Sohn Eduard lud er mit den Worten ein: "Komm nach Caputh und pfeif' auf die Welt." Das braun gebeizte Haus mit den weißen französischen Fenstern, das der Bauhaus-Architekt Konrad Wachsmann baute, wird gerade restauriert und soll 2005 wiedereröffnet werden.
Wir fahren rechter Hand weiter zum 1662 erbauten Schloss Caputh, gehen durch den kleinen Park mit dem Kavalierhaus und bestaunen vom Steg aus den Schwielowsee. Fontane geriet auf seinen berühmten Wanderungen durch die Mark beim Anblick des Sees, ins Schwärmen. "Der Schwielow ist breit, behaglich, sonnig und hat die Gutmütigkeit aller breit angelegten Naturen", schrieb der Dichter und schilderte "vier Gebilde aus Menschenhand, die sich in seine Ufer kuscheln" - die Dörfer Caputh, Ferch, Petzow und Geltow. Und wir sehen erste Spuren von Herbstfärbung.
Vorbei an der 1852 von Friedrich August Stüler erbauten Kirche, in der es an den Wochenenden Konzerte gibt, fahren wir nach rechts an einer Umleitung vorbei weiter zur Fähre, die Caputh mit Geltow verbindet. Den schönsten Blick bieten Bänke an der Promenade oder ein Veranda-Platz des Restaurants "Fährhaus Caputh" (Tel.: 033209/70203, geöffnet an den Wochenenden).
Dem See folgen wir entlang der Promenade, kommen am Bahnhof Caputh/Schwielowsee vorbei und sind nach etwa drei Kilometern im idyllischen Dorf Ferch.
Rechts sieht man den sechs Kilometer breiten und zweieinhalb Kilometer langen Schwielowsee. Eine Besonderheit: Im Landhaus Ferch (www.landhaus-ferch.de) kann man Fotografien der Inhaberin Diana von Bohlen bewundern und kaufen. Zu essen gibt's im Landhaus-Restaurant Fisch, u.a. Zanderfilet (12,80 Euro).
Immer am Wasser entlang kommen wir in den Ortskern des alten Fischerdorfes und sehen von weitem den Turm der Dorfkirche. Der schlichte Fachwerkbau wird auf der westlichen Seite von einem quadratischen Turm überragt. Eine mit Wolken bemalte Holztonnendecke, die Hufenempore, der Kanzelaltar und ein Taufengel prägen das Innere der Fischerkirche.
Am Wasser entlang geht es dann zurück in den Ort zum Bonsaigarten von Tilo Graggert in der Fercher Straße 6. Neben Bonsais aller Art werden auch Accessoires für einen asiatischen Garten und Tees angeboten (geöffnet bis 30. Okt. Di-So 10-18 Uhr, Tel.: 03 32 09/7 21 61).
Entlang des teilweise fertig gestellten Europaradweges, der von Belzig nach Potsdam führt, geht es nach Petzow. Im Schloss machen wir Pause. Die Familie von Kähne, die auch mehrere Ziegeleien betrieb, ließ das Schloss 1825 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel bauen. Peter Joseph Lenné entwarf die 15 Hektar große Parkanlage mit dem Hausteich in der Mitte. Zurzeit ist das Restaurant unter der Woche wegen Fernseh-Dreharbeiten geschlossen, am Wochenende bietet es z. B. Apfelstrudel für 2,50 Euro, an (www.schlosspetzow.de). Schinkel entwarf auch die Petzower Kirche. Einen schönen Blick auf die umliegenden Orte hat man vom Turm (geöffnet am Wochenende von 11 bis 17 Uhr).
Nach wenigen Metern auf der Fercher Straße erreichen wir den Frucht-Erlebnisgarten von Christine Berger. Der Hofladen bietet vor allem Sanddornprodukte, Marmelade, Käse, Obst und Gemüse an (tgl. 10-18 Uhr, Tel.: 0 33 27/4 69 10. www.sandokan.de).
Vorbei an der riesigen Baustelle des künftigen Ferienresorts Schwielowsee und dem Hafenrestaurant "Ernest" (tgl. 12-24 Uhr, Tel.: 0 33 27/73 27 08, Brandenburger Erdapfelsuppe für fünf Euro) und vorbei an der bunten Laubfärbung auf dem Geltower Franzesberg radeln wir zurück in Richtung Potsdam.
Über die Baumgartenbrücke geht's durch Geltow und auf dem Radweg entlang der Bundesstraße 1 (Zeppelinstraße) bis zur Breiten Straße. Dort rechts abbiegen und über die Lange Brücke zurück zum Potsdamer Stadtbahnhof.

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PNN 30.09.2004
Hier braut ein jeder sein eigenes Bier
Im Forsthaus Templin bietet die Braumanufaktur neue Seminare an

"Unsere Unternehmensphilosophie beruht auf der Kenntnis alter handwerklicher Brautraditionen und deren Umsetzung.", sagt Jörg Kirchhoff, Inhaber vom Forsthaus Templin. Der Braumeister ist bereit diese Kenntnisse weiter zu geben - gegen ein entsprechendes Entgelt, versteht sich. Für einen Preis von 150 Euro pro Person bietet Kirchhoff vom 1. bis zum 3. Oktober ein Brauseminar an, nachdem jeder aufmerksame Teilnehmer in der Lage sein soll, "zu Hause selber Bier zu brauen". Dieser ungewöhnliche Workshop beginnt mit einer Besichtigung der historisch nachempfundenen Brauanlage. Danach folgt eine theoretische Einweisung. Ganz konkret wird es dann schon bei der Einteilung der Sudgruppen. Am Samstag geht es früh um 9 Uhr mit Vorbereitungsarbeiten los: Maischen und Läutern sind danach keine Fremdbegriffe mehr. Nach getaner Arbeit spielt die Coverband "The West" auf. Am Sonntag wird dann verkostet. Während des Seminars soll jeder Teilnehmer sein eigenes Bier brauen.
Foto: Braumanufaktur

 -Braumanufaktur Forsthaus Templin, Templiner Straße 102,14473 Potsdam. Um telefonische Vorbestellung unter 033209/217979 wird gebeten. Weitere Infos unter www.braumanufaktur.de

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MAZ 11./12.September, Potsdamer Landkurier

Jetzt auch Bier mit Sanddorn
"Zitrone des Nordens" wird auf 25 Hektar geerntet / Hoffest in Petzow

ANDREAS KAATZ

PETZOW Sie leuchten schon von weitem - die orangen Beeren an den Sanddornsträuchern. Erntezeit auf den Plantagen der Christine Berger GmbH & Co. KG in Elisabethhöhe in Glindow. Die zweijährigen Äste werden geschnitten, in die Tiefkühlzelle gebracht und anschließend von den Beeren befreit, die dann bis zur Verarbeitung ihren Schlaf bei tiefen Minusgraden fortsetzen. Später werden aus ihnen beispielsweise Sanddornsäfte, -liköre, -marmeladen, -tee und - seit gestern erstmals erhältlich - Bier.

Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff von der Braumanufaktur in Potsdam haben 100 Liter des überaus gesunden Getränks aus Saft und naturtrübem Bier angesetzt. Zur Grünen Woche wollen sie es der breiten Öffentlichkeit vorstellen, dann bereits haltbar gemacht und in Flaschen abgefüllt.

Den diesjährigen Erntebeginn hatte auch Ministerpräsident Matthias Platzeck in seinen Wahlkampftourkalender aufgenommen - "wegen einer außergewöhnlichen Frucht und einer außergewöhnlichen Frau". Lob für Christine Berger. Die Petzowerin hatte sich vor über zehn Jahren dem Sanddorn gewidmet, der mittlerweile auf 25 Hektar angebaut wird - Tendenz steigend. 18 feste Arbeitsplätze gibt es in ihrem Betrieb, davon 16 von Frauen besetzt. Platzeck spricht von einer Erfolgsgeschichte, werde doch die "Zitrone des Nordens" hier nicht nur angebaut, sondern auch verarbeitet und verkauft. Eine Werbung für das Land Brandenburg, das - ebenso wie die EU - die Firma mit Fördermitteln unterstützt hat. Wie Christine Berger sagte, verkaufe sie ihre Produkte, 50 unterschiedliche Artikel sind es mittlerweile, deutschlandweit, insbesondere an der Ostseeküste. Darüber hinaus gibt's erste Lieferungen nach Finnland, Österreich und Frankreich. Und sie will demnächst auch auf Messen in Polen und Ungarn präsent sein.

Ein Highlight auf dem Petzower Gelände ist seit einiger Zeit der Frucht-Erlebnis-Garten und neuerdings auch die Orangerie, aus der die Besucher einen herrlichen Blick auf den Glindowsee genießen können. Wer will, schon heute und morgen während des Sanddornerntefestes. Ab 11 Uhr wird nach Petzow eingeladen zu Sanddornbrunch, Führungen durch den Frucht-Erlebnis-Garten und Fahrt zu den Plantagen (13-15 Uhr), Weinverkostung (14 Uhr), Lesungen für Groß und Klein (16 Uhr) und zu Naturmalerei für die jungen Gäste (11 Uhr).

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11.09.04 PNN

Energiespender von außen und von innen
Zur Eröffnung der Sanddornernte verriet Matthias Platzeck, warum er auf die kleinen Früchte schwört

Werder · Petzow - Als ein großer Sanddorn-Fan gab sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gestern im Petzower Fruchterlebnisgarten von Christine Berger zu erkennen. Ob Sanddorn im Duschmittel oder als Energiespender im Saftglas – das helfe auch beim Wahlkampf, verriet er schmunzelnd. Gekommen war er, um offiziell mit einem gekonnten Astabschnitt die brandenburgische Sanddornernte zu eröffnen. „Eine außergewöhnliche Frucht, genauso wie Frau Berger eine außergewöhnliche Frau ist“, betonte Platzeck mit Blick auf die mutige Unternehmerin. 1998 übernahm sie das alte Gewächshausareal unterhalb der Petzower Kirche und eröffnete dort einen kleinen Hofladen. Hinzu kamen eigene Produktionsstätten, ein Spezialitätenmarkt und nun auch eine Orangerie mit Terrasse und Blick auf den Glindower See, in der allerhand Gaumenfreuden angeboten werden. Im Mittelpunkt immer der sehr vitaminreiche Sanddorn, der in den vielfältigsten Formen erscheint.
Gestern testete der Ministerpräsident gemeinsam mit Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) erstmals das im Templiner Forsthaus frisch gebraute Sanddornbier: ein völlig neues Geschmackserlebnis.
Leckereien wie Tranchen von pochierter Sanddorn-Poulardenbrustroulade oder in Wiesenheu und Sanddornwein gesottene Schweinemedaillons lockten auf dem speziellen Brunchbüfett. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wovon sich auch die Gäste des Sanddorn-Erntefestes am Wochenende überzeugen können.
Was Platzeck besonders freute: Seit Firmengründung wurden im Fruchterlebnisgarten 18 feste Arbeitsplätze geschaffen. Zudem funktioniere die Kette von der Produktion über die Verarbeitung bis zur Vermarktung vorbildlich. So bleibt die Region Werder wohl auch künftig die Sanddornhochburg Brandenburgs. Gegenwärtig wird der Vitaminspender im gesamten Land auf etwa 300 Hektar angebaut, der „Löwenanteil“ davon wächst bei Glindow. Hagen Ludwig

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Berliner Morgenpost 01.09.04
Die Welt 04.09.04
selbst gebraut, frisch gezapft
Brauereien in Gasthäusern werden immer beliebter. Eine „Potsdamer Stange“ genießen und Roggenbier aus Finsterwalde kosten.

VON DIETER WEIRAUCH

Selbstgebrautes in kleinen Gasthäuern ist im Kommen. "Die Leute wollen wissen, wie Bier hergestellt wird", begründet Braumeister Jürgen SoIkowski von der Meierei im Potsdamer Neuen Garten das große Interesse an seinen Führungen. Auch in den anderen 16 öffentlich zugänglichen Brauereien im Land Brandenburg gehören Rundgänge zum Angebot. Zehn sind so genannte Gasthausbrauereien.

Die jüngste, die Braumanufaktur Forsthaus Templin, zwischen Potsdam und Caputh gelegen, eröffnete im vergangenen Winter und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Auch dank der "Potsdamer Stange", die die beiden Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler nach Jahrzehnten wieder aufleben ließen. Leicht süßlich schmeckt das Bier, es ist trübe, prickelt und erinnert ein bisschen an Hefeweizen- Schon zu Zeiten Friedrich WilheIms I. und Friedrich des Großen soll es durch Soldatenkehlen gelaufen sein, das Potsdamer Stangenbier, als "flüssiger Sold" sozusagen.
Fünf Wochen dauert der Brauprozess, bei dem die so genannte kalte Gärung zur Anwendung kommt.
Hergestellt wird das sehr kohlensäurehaltige Bier streng nach dem deutschen Reinheitsgebot: Die Zutaten bestehen nur aus Wasser, Malz und Naturdoldenhopfen aus Baden- Württemberg. Ausgeschenkt wird in traditionellen stangenförmigen Gläsern, die dem Getränk ihren Namen gaben. Im nächsten Jahr soll die "Potsdamer Stange" auch in der Bügelflasche im Handel erhältlich sein.

Eine andere Bierspezialität gibt es im Süden Brandenburgs. In Radicks Brauhaus in Finsterwalde steht Roggenbier auf der Getränkekarte. Dunkel ist es und sämig, mit einem eigenen, malzigen Geschmack. Bereits in fünfter Generation betreiben die Radicks die Gastwirtschaft, die Brauerei kam 1997 dazu. Jeden Mittwoch gibt es Schaubrauen und nach Anmeldung eine Führung.
Marke Eigenbräu entsteht auch im Krongut Bornstedt, wo, wenn's geschmeckt hat, der "Bornstedter Büffel" in Siphons mit nach Hause genommen werden kann. Gebraut nach dem Reinheitsgebot und dem Motto "Hopfen und Malz, Gott erhalt's", erfreut sich das Bier, welches Torsten Römer im Landgasthaus "Zum Grünen Strand der Spree" in Schlepzig - (Spreewald) braut. Das Haus ist auch auf Übernachtungsgäste vorbereitet. Gastlich geht es auch in der Brauerei von Andreas und Thomas Kircher in Drebkau (Lausitz) zu. Die Brauhaus Küche präsentiert ihren Gästen ein Angebot an deftigen Speisen.
Führungen bieten auch einige der "Großen" im Lande, die Klosterbrauerei Neuzelle oder die seit 1867 existierende Brauerei Dessow bei Kyritz (hier kann auch eine Dampfmaschine aus dem Jahr 1917 besichtigt werden) an. Das Brauhaus Preußen in Pritzwalk lädt in der brauereieigenen Gaststätte „Alte Mälzerei“ ein. Im Lagerkeller wurde ein sehenswertes Stadt- und Brauereimuseum eingerichtet.

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Brauerei Forum 9/2004
Potsdamer Stangenbier

Zylindrische Spezialgläser
27 cm hoch, Inhalt 0,6 bzw. 0, 7l. Gemäß "Preußischer Maaß- und Gewichtsordnung“ des Norddeutschen Bundes von 1868 betrug der neu eingeführte "Preußen-Liter" 690 cm³, damit weniger als die seinerzeit vertraute bayerische Maß mit 1069 cm³.

Potsdamer Stangenbier
Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Königsbrauerei Potsdam den Betrieb eingestellt. 1829 bekam das Brauwesen in der Teltower Vorstadt neue Impulse durch die Errichtung der Brauerei Adelung & Hoffmann. Die Brauer Wilhelm Adelung und Albrecht Hoffmann hatten ab 1826 in München studiert, wo sie von Gabriel Sedlmayr ein lobendes Zeugnis bekamen. Die neue Brauerei hatte die Aufgabe "bairisches Lagerbier“ in Norddeutschland zu brauen. Das Potsdamer Stangenbier war eine Erstentwicklung der Brauerei: Man füllte eine Mischung aus fertig gereiftem Lagerbier und unfiltriertem Jungbier in Flaschen. Damit erhielt man ein alkoholreiches in der Flasche vergorenes stark schäumendes "bairisches Bitterbier".
Ab ca. 1850 kam das Bier in den Vertrieb und wurde auch in der 1851 errichteten Terrassengaststätte" Wackermannshöhe" aus. geschenkt. Dazu wurden die o.g. Stangengläser verwendet. Bis nach 1930 wurde das Potsdamer Stangenbier noch produziert, ehe es in Vergessenheit geriet.
Es gab danach noch zwei Versuche zur Stangenbierherstellung:

1968 wurde im Rahmen einer Arbeitsgruppe des damaligen Braukombinates Potsdam ein Wirtschaftspatent „Verfahren zur Herstellung eines Vollbieres Deutsches Pilsner mit erhöhtem Kohlensäuregehalt" erarbeitet. Es sollte zur Eröffnung des Interhotels Potsdam an der Langen Brücke in den Handel kommen. Probleme bei der Bügelflaschenbefüllung sowie geringe Absatzmengen zur baldigen Einstellung der Produktion.

Die Kindl-Brauerei Neukölln stellte in den 70er Jahren ein Stangenbier her, welches nach einiger Zeit wieder vom Markt genommen wurde. Es war ein leichtes, obergäriges Schankbier und wurde in 18 cm hohen Stangengläsern mit 0,3 l Inhalt ausgeschenkt. 

So bleibt zu hoffen, dass die Potsdamer Gasthausbrauereeien „Meierei im neuen Garten“ und „Braumanufaktur Forsthaus Templin“ die Tradition des Potsdamer Stangenbieres weiterführen.
Michael Weidner
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Deutsches Handwerksblatt-Magazin 9/04
Potsdamer Stange

Thomas Köhler (r.) und Jörg Kirchhoff wandelten das historische "Forsthaus Templin" am Rande der Landeshauptstadt in eine Braumanufaktur um und bieten hier neuerdings die "Potsdamer Stange" an, ein untergäriges Bier, wie es schon zu alten Zeiten in Potsdam ausgeschenkt wurde.
Die beiden Braumeister, die aus der Region stammen, lernten ihren Beruf einst im Potsdamer Getränkekombinat. Auch wenn sie sich zwischenzeitlich fernab der Heimat den Wind um die Nase wehen ließen, zog es sie nach Potsdam zurück. Jeden Mittwoch bieten die engagierten Jungunternehmer kostenlose Brauereiführungen anund auf ihren Internetseiten (www.braumanufaktur.de) zeigen sie auch, wie intensiv sie sich mit der Geschichte der historischen Ausflugsgaststätte beschäftigt haben.
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Brauwelt Nr. 35 (2004) S.1068
Deutscher Brau- und Malzmeisterbund LG Berlin-Brandenburg

Mit dem Dampfer zum Forsthaus Templin
Sommerausflug am 10.07.2003

Trotz vorherigen unbeständigem Wetter trafen sich 104 Mitglieder nebst Partner(innen) der Landesgruppe Berlin-Brandenburg am Samstag, den 10.07.2004 zum traditionellen Sommerausflug am Schiffsanleger in Wannsee. Unentwegte enterten sofort das Oberdeck und genossen Wind, Sturm, Sonne und natürlich die schöne Sicht auf die Pfaueninsel, Schloss Glienicke, die Durchfahrt der Glienicker Brücke und Potsdam mit der Freundschaftsinsel und der alten Stadtmauer. Vom Schiff aus boten sich völlig neue Perspektiven. Für die flüssige Bordverpflegung hatte die Kindl-Brauerei gesorgt. Vorbei an Hermannswerder ging es durch den Templiner See bis nach Caputh. Hier begann nun die geführte Wanderung mit fachkundigen Erklärungen durch unser Mitglied Friedrich-Wilhelm Reinhardt. Nach Besichtigung des Schlosses Caputh und der Dorfkirche ging es vorbei an dem zur Zeit in Renovierung befindlichem Einsteinhaus, weiter zur Marienquelle schnurstracks durch den Wald zum Forsthaus Templin.

Hier wurden wir sehr herzlich durch unser Mitglied Jörg Kirchhoff begrüßt, der zusammen mit seinem Partner Thomas Köhler aus dem heruntergekommenen Ausflugslokal eine schmucke Gastwirtschaft mit integrierter Hausbrauerei geschaffen hat. Erwähnenswert ist der Mut, das Engagement und die liebevolle Einbringung traditioneller Gerätschaften in einen hochmodernen Betrieb. Neben gegrillten Spezialitäten war der Genuss des spritzigen Weizenbieres und dem süffigen Lager im Garten überzeugend und bot viel Anlass zu Gesprächsstoff. Nach Erfüllung der Regularien konnte auch der Mitinhaber Thomas Köhler als neues Mitglied in die Landesgruppe aufgenommen werden. Nach ausgiebigem Essen und Trinken blies " Fritze Reinhardt" zum Aufbruch und wanderte mit einer großen Schar durch die Potsdamer Heide mit wunderschönen Blicken auf Potsdam zum Bahnhof.. Manche genossen noch die Gastfreundschaft und das kühle Bier und fuhren der Wandergruppe mit dem Linienbus hinterher. Für viele wird die "Braumanufaktur Forsthaus Templin" sicherlich bald mal wieder ein lohnendes Ausflugziel sein. Ein herzliches Dankeschön an die rührigen Gastgeber Kirchhoff und Köhler für diesen wunderschönen Tag.

Jörg-Peter Jeroch

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Der Potsdamer
28.7.2004 Nr. 31

Stangenbier ist wieder da

Potsdam. In der Braumanufaktur im Forsthaus Templin wird historisches Potsdamer Bier seit dem vergangenen Samstag wieder ausgeschenkt. Die beiden Geschäftsführer Thomas Köhler (Foto) und Jörg Kirchhoff, Braumeister von Beruf, entdeckten die Originalrezepte der „Potsdamer Stange“ wieder. Sie übernahmen dieses spezielle Bier als dritte Biersorte in ihre Produktion. Die Geschäftsmänner und Braumeister beschäftigten sich intensiv mit der Geschichte des Bieres, welche bis zur Zeit des Soldatenkönigs zurück reicht. In Potsdam wurde diese Biersorte zuletzt vor über 30 Jahren kurzzeitig gebraut und ausgeschenkt. Auf Grund der starken Schaumbildung beim Ausschank benutzte man ein hohes stangenähnliches Glas, worauf letztlich die Bezeichnung zurück zuführen ist. Diese Biersorte wird nun zum Preis von 2,90 Euro für ein halbes Liter in der Braumanufaktur verkauft. Wer ein Stangenglas erwerben möchte, kann es für 3,00 Euro erhalten.
Das Potsdamer Stangenbier soll nicht nur in der Braumanufaktur im Forsthaus Templin verkauft, sondern auch in der regionalen Gastronomie als Potsdamer Spezialität angeboten werden. Eine Flaschenabfüllung in Bügelflaschen ist für die nähere Zukunft geplant.

 

 

 

 

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25.07.2004
Potsdam am Sonntag
Traditionsbier wird im Forsthaus Templin gebraut
Die „Stange“ kehrt zurück

Potsdam (PamS/Hoh.). Die beiden Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler, die das Forsthaus Templin betreiben, wollen ein Traditionsbier wieder in der Stadt heimisch machen: Die "Potsdamer Stange". Seit dem gestrigen Samstag wird es wieder im Ausflugslokal gebraut. Es war schon seit dem 18. Jahrhundert in der vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. eingerichteten Königsbrauerei am Brauhausberg hergestellt worden. 1829 ging diese in den Besitz von Adelung und Hoffmann über, dann wurde sie Teil der Berliner Kindl Brauerei. Hier wurde die "Stange" noch bis in die 30er Jahre produziert.
Das stark kohlendioxidhaltige, perlende Bier, indem ein hineingeworfenes Reiskorn "tanzen" muss, wird von den beiden Braumeistern in einer Variation hergestellt, die spritziger und weniger bitter ist als die Vorgängersorten. Die üppige Schaumbildung des leicht trüben Kräusen(Jung)bieres verlangt hohe Gläser, so genannte Stangen, denen das Getränk den Namen verdankt. Der halbe Liter kostet 2,90 Euro - ebenso viel wie das Pilsner und Lager, das im Forsthaus gebraut wird. Die Braumeister streben an, die "Stange" an andere Gastronomen zu liefern. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Auch können die Gäste das Getränk in Edelstahlfässchen mitnehmen.
Die Weiße Flotte will den Potsdamern den Weg zur "Stange" erleichtern. Ihre Chefs Jan Lehmann und Jörg Winkler kündigten an, dass sie den Steg nahe dem Forsthaus Templin in der nächsten Saison wieder in den Linienverkehreinbeziehen wollen.

 

 

 

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PNN 24.7.04
Bier von hier;   Die „Stange“ kehrt zurück
Potsdamer Traditionsbier wird ab heute im Forsthaus Templin ausgeschenkt

Von Sabine Schicketanz

Heute Abend um 19 Uhr sticht am Hafenbecken der Weissen Flotte die „Charlottenhof“ in See. Sie nimmt kostenlos alle Interessenten mit, die im Forsthaus Templin den Anstich der „Potsdamer Stange“ miterleben wollen. Michael Weidner, Vorsitzender des Berliner Vereins für Brauereigeschichte, will den ersten Hahn ins Fass schlagen. Dazu spielt die Band „Whisky und Soda“.

Die beiden Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler, die das Ausflugslokal betreiben, wollen das Traditionsbier wieder in der Stadt heimisch machen. Es war schon seit dem 18. Jahrhundert in der vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. eingerichteten Königsbrauerei am Brauhausberg hergestellt worden. 1829 ging diese Brauerei in den Besitz von Adelung und Hoffmann über, dann wurde sie Teil der Berliner Kindl Brauerei. Hier wurde die „Stange“ noch bis in die 30er Jahre produziert, aber auch in den Potsdamer Brauereien Senst und Franz Lamm, in den Vereinigten Werderschen Brauereien und in der Löwen-Brauerei Berlin. In der DDR-Zeit schlug der Versuch fehl, 1969 bei der Eröffnung des Interhotels eine durch ein Neuererkollektiv des VEB Getränkekombinat Potsdam entwickelte „Stange“ wieder auf den Markt zu bringen. Dabei mag auch der relativ hohe Preis von 1,28 DDR-Mark eine Rolle gespielt haben.



Das stark kohlendioxidhaltige, perlende Bier, in dem ein hinein geworfenes Reiskorn „tanzen“ muss, wird von den beiden Braumeistern in einer Variation hergestellt, die spritziger und weniger bitter ist als die Vorgängersorten. Den Hopfen setzen sie nicht wie in Großbrauereien üblich als Extrakt zu, sondern beziehen ihn aus einem Anbaugebiet am Bodensee. Die Stange wird im traditionellen, mit fünf Wochen etwas länger dauernden „kalten“ Brauverfahren hergestellt, was dem Geschmack offensichtlich zugute kommt. Die üppige Schaumbildung des leicht trüben Kräusen(Jung)bieres, das die Verdauung anregt, verlangt hohe Gläser, so genannte Stangen, denen das Getränk den Namen verdankt. Kirchhoff und Köhler haben ein besonderes Glas mit der Aufschrift „Braumanufaktur Potsdamer Stange“ und der Abbildung der Abwurfstange eines Hirschgeweihes herausgebracht. Es wird zum Preis von drei Euro verkauft, der halbe Liter Bier kostet 2,90 Euro - ebenso viel wie das Pilsner und Lager, das im Forsthaus gebraut wird.

Die Braumeister streben an, die „Stange“ an andere Gaststätten und Hotels zu liefern. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Mit einer Kapazität von 4000 Litern je Sud, wie er zweimal wöchentlich angesetzt wird, reicht die Menge zur Außerhausbelieferung aus. Auch können die Gäste das Getränk in Edelstahlfässchen mit nach Hause nehmen. Kirchhoff und Köhler knobeln derzeit daran, die „Stange“ in die Flasche zu bringen. Das müsste aber, um dem starken Druck zu begegnen, eine Art Sektflasche sein. Aus alten Unterlagen wissen die Braumeister jedoch, dass es die Flaschenabfüllung für die „Potsdamer Stange“ schon einmal gab.

Die Weiße Flotte will den Potsdamern den Weg zur „Stange“ erleichtern. Ihre Chefs Jan Lehmann und Jörg Winkler kündigten gestern an, dass sie den Steg nahe dem Forsthaus Templin in der nächsten Saison wieder in den Linienverkehr einbeziehen wollen. E. Hohenstein

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Märkische Allgemeine 24/25 Juli 2004
Neuauflage für den „Flüssigsold“
Braumanufaktur stellt Stangenbier her


PEER STRAUBE

FORST POTSDAM .Leicht süßlich schmeckt sie, die trübe Flüssigkeit, prickelt im Mund und erinnert irgendwie ein bisschen an Hefeweizenbier. Schon zu Zeiten Friedrich Wilhelms I. und des Alten Fritzen soll es durch Soldatenkehlen gelaufen sein, das Potsdamer Stangenbier, als "Flüssigsold" sozusagen.
Zuletzt wurde das dunkle Gebräu vor 35 Jahren in Potsdam ausgeschenkt - damals erquickte es die Gäste der Eröffnungsfeier für das Interhotel am Havelufer. Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler haben diese Tradition jetzt wieder belebt. Die beiden Geschäftsführer der Braumanufaktur im Forsthaus Templin haben in alten Archiven gestöbert, mit ehemaligen Mitarbeitern des VEB Getränkekombinat Potsdam gesprochen und ihr Vorhaben nicht an die große Glocke gehängt.
"Dafür sind wir jetzt die ersten", freut sich Köhler. Ab heute kann man sich von der Qualität des Gerstensaftes mit der feinporigen Blume selbst Überzeugen. Um 19.30 Uhr wird das erste Fass der neuen alten Marke angestochen, die ersten . 30 Liter gibt's als Freibier. Der Weissen Flotte ist das sogar eine kostenlose Sonderfahrt wert. Um 19 Uhr können sich Durstige auf der MS "Charlottenburg" in Richtung Forsthaus einschiffen. Lange fünf Wochen dauert der Brauprozess, bei dem die so genannte kalte Gärung zur Anwendung kommt: Hergestellt wird das sehr kohlensäurehaltige Bier streng nach dem deutschen Reinheitsgebot: Die Zutaten bestehen nur aus Wasser, Malz und Naturdoldenhopfen aus Baden-Württemberg. Da der Hopfen sehr aromatisch ist, entsteht so ein "mild-gebittertes" Bier, wie die Fachleute sagen. In der Braumanufaktur soll die "Potsdamer Stange" neben dem Pils und dem Lager als dritte Hauptsorte etabliert werden, zum Preis von 2,90 Euro für den halben Liter. Ausgeschenkt wird in traditionellen stangenförmigen Gläsern, die dem Getränk auch ihren Namen gaben. Als Vorbild diente eine mundgeblasene Variante, die noch aus der Zeit um die Jahrhundertwende stammt. "Das Original hat über 100 Euro gekostet", sagt Köhler. Wer es als Souvenir mitnehmen will, muss nicht so tief in die Tasche greifen: Für drei Euro kann man eins erwerben. Rund 8000 Liter pro Woche wollen die beiden Gastwirte von ihrem neuen Produkt herstellen. Im nächsten Jahr soll die "Potsdamer Stange" auch in der Bügelflasche im Handel erhältlich sein.

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Werderscher Inselblick 2004
Hoch lebe das „Werdersch Bier“

In der Brauereiwirtschaft ist man sich einig: Durst wird durch Bier erst schön.

Zum 125. Baumblütenfest feierte das Werdersche Bier, dessen Geschmack vor allem Berliner Kehlen schätzten, seine Wiedergeburt. Der Einsatz der Stadtväter sowie das Können und der Idealismus der Braumeister vom „Forsthaus Templin“ machten es möglich. Gebraut wird in der Braumanufaktur von Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff in der Templiner Straße in Potsdam, wo Sudpfanne und Läuterbottich natürlich längst vorbereitet waren. So wird das Wasser in 5 Wochen zu einem Hopfengetränk von besonderer Güte veredelt. Köhler und Kirchhoff vertrauen auf ihr Können, die Wirkung der naturreinen Hopfenblüten, alter Aromasorten und dem ausdauernden Gärungsverfahren um ein qualitativ hochwertiges Bier herzustellen.
Mit dem neuen Bier und seinen Namen „Werdersches" knüpft die Stadt an eine uralte Tradition an, die auf das Jahr 1617 zurückgeht und ihre Ursprungsstätte am Markt 1 hatte.
170 Jahre später gab es in Werder bereits „21 Brauer und zwei Brauknechte. Aber auch 40 Branntweinbrenner", wie vom engagierten Heimatforscher Reimar Golz zu erfahren ist.
Auch Theodor Fontane räumte in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" dem „Bierkapitel" in Werder gebührenden Platz ein und schwärmte von unverwechselbaren, märkisch nationalen, prickelnden Wesen des „Nahrbiers". Das „Werdersch Bier" wurde überall auch als „Gesundheitsbier" angepriesen, wie Annoncen um 1900 belegen, und lange Zeit täglich mit einem Dampfer nach Berlin transportiert.
In der Chronik der Stadt findet sich auch eine Anzeige der Brauerei der G. Bauer die um 1885 für „Echt Werdersches Bier für Blutarme, Recanvalescenten, Wöchnerinnen etc. von vielen Ärzten" empfohlen warb. Das ist Geschichte. Aber der Traum kommt wieder, betont Bürgermeister Große voller Stolz und Freude. Werder lässt den Gerstensaft wieder Hoch leben, ohne seinem Obstwein den Reiz zu nehmen. Und all das dann noch unter'm Werderaner Blütenmeer.
In der Geschichte des Biers spielen zwar die Klosterbrauereien eine bedeutende Rolle, aber es gibt ja auch Nonnenklöster. Nicht etwa ein Abt hat sich als erster wissenschaftlich über die Brauereikunst ausgelassen. Es war eine Äbtissin: Hildegardes von Bingen.
Die war Benediktinerin und lebte von 1098 bis 1179. Sie lebte also 81 Jahre, und das war für die damalige Zeit ein schier unglaubliches Alter. Möglicherweise hatte das Bier, von dem sie viel verstand, etwas damit zu tun. Hildegard war unter anderem Ärztin und Naturforscherin. Und sie schrieb als erste darüber, was der Hopfen im Bier bewirkt in ihrem Buch „Vom Inneren der Naturen".
Aber sie war keineswegs die erste Frau, die sich ums Bier kümmerte. Bei den Germanen war das Brauen Frauensache; es gehörte in die hauswirtschaftliche Abteilung wie Kochen und Backen. In den Brauhäusern des frühen Mittelalters sah man nur Frauen. Und die Dichter der Kalevala (finnisches Nationalepos) kamen gar nicht auf die Idee, jemand anders als eine Frau könne sich ums Bier kümmern.
Im Mittelalter gehörte der Braukessel zur Mitgift. Und es war Sitte, dass eine Frau, die gebraut hatte, ihre Nachbarinnen zu einem „Bierkränzchen" einlud. Bei dem war es oft üblich Brot ins Bier zu brocken und so zu essen. (Also nix mit Kaffeekränzchen - richtig harter Stoff wurde gezwitschert ...)

Anmerkung:
Der Artikel enthält Passagen von http://www.bier-lexikon.lauftext.de/bier-brauen.htm
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Potsdam en détail, 2. Ausgabe 2004
Bier von der Stange

Die Braukunst in Potsdam hat eine lange Tradition. Bereits Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) etablierte den Gerstensaft bei Hofe. Sein bekanntes „Tabakskollegium", bei dem es munter bis leger zuging, war im Grunde nichts anderes als der erste Stammtisch in Brandenburg. Rechterhand stadtauswärts in der Leipziger Strasse befindet sich die Ruine des ehemaligen Kornmagazines. Dieses wurde 1716 zur königlichen Brauerei umgebaut.

links die Brauerei Adelung&HolImann rechts die königliche Brauerei

Niemand geringerer als der alte Fritz erlernte den „ordentlichen" Beruf des Bierbrauers.
Als immer mehr Leute begannen, das neue Modegetränk Kaffee zu trinken und die Biersteuer drastisch zurückging, verbot Friedrich kurzerhand den Kaffee mit der Begründung, seine Väter kannten nur Bier, er selbst sei schon mit Biersuppe erzogen worden und Bier passe halt am besten zum hiesigen Klima.
Später wurde die königliche Brauerei auf die gegenüberliegende Straßenseite verlegt. Hier wurde im Jahre 1829 die Brauerei „Adelung & Hoffmann" gegründet mit der Aufgabe, als Musterbrauerei ein "bairisches" Lagerbier zu brauen. Aus dieser Zeit stammt die noch vorhandene Fassadenfigur des Gambrinus, jenes sagenhaften flandrischen Königs aus der Zeit Karls des Grossen, welcher als Schutzpatron der Brauer gilt. Zur Lagerung des Bieres ließen

 


                                                                                                                                                                                        Fassadenfigur des Gambrinus

die Brauereibesitzer noch heute existierende Eiskeller in jenem Berg ausheben, der seither den Namen Brauhausberg trägt.

Straßenschild an der alten Kindl-Bauerei

Die Kellergewölbe werden heute als Luftschutzbunker genutzt oder sind teilweise verfallen.
Der Brauerei Adelung & Hoffmann hat Potsdam das legendäre Stangenbier zu verdanken, das seinen Namen von den hohen schmalen Gläsern erhielt, aus denen es getrunken wurde. Das Potsdamer Stangenbier ist ein schaum- und alkoholreiches bayrisches Bitterbier mit Flaschengärung. Es war bei den Potsdamern sehr beliebt und an heißen Sommertagen eine willkommene Erfrischung.

Ehemalige Eiskeller im Brauhausberg

Nicht weit entfernt vom heutigen Landtagsgebäude ließ Friedrich Wilhelm III. seiner Luise einen neugotischen Aussichtsturm errichten, der heute leider nicht mehr existiert. Am Fuße dieses Turmes befand sich das populäre Restaurant „Wackermannshöhe".
Der einladende Biergarten unter Kastanien mit einem prächtigen Rundblick bildete das Motiv zahlreicher Postkarten. Hier wurde das Stangenbier von etwa 1830 bis zum ersten Weltkrieg ausgeschenkt.

Der frühere Biergarten des Restaurants Wackermannshöhe

Die Brauerei Adelung & Hoffmann wurde 1887 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, weitere Produktionsanlagen und ein neues Werk in der Luckenwalder Strasse (der heutigen Albert- Einstein-Str.) kamen hinzu. 1896 übernahm die Berliner-Kindl Brauerei den gesamten Betrieb. Das Potsdamer Stangenbier wurde mit Unterbrechungen noch weiter bis in die siebziger Jahre gebraut, zuletzt vom Braukombinat Potsdam. Dann verlieren sich die Spuren.

Bierdeckel des Braukombinates Potsdam

Das einst so beliebte Bier ist selbst bei manchen Getränkehändlern heute nicht mehr bekannt.
Anfang der neunziger Jahre stellte die Berliner-Kindl Brauerei die Produktion am Standort Potsdam völlig ein. Im Jahre 2003 folgte die Potsdamer Rex-Pils Brauerei in Rehbrücke.
Im Laufe der Brauereigeschichte Potsdams gab es noch verschiedene kleinere Privatbrauereien, von denen hier nur noch die Brauerei Seibert in der Babelsberger Pasteurstrasse mit ihrem urigen Doppelkaramell-Bier erwähnt werden soll. Mit dem Wegfall der Massenproduktion von Kindl & Co. entstanden Marktnischen, die von kleinen, flexiblen Hausbrauereien besetzt werden konnten. Allen voran zu nennen sind die Braumanufaktur im Forsthaus Templin und die Meierei im Neuen Garten.

Sudkessel in der Braumanufaktur

Beide Brauereien eröffneten ihren Betrieb im Jahre 2003 mit Restaurant und Biergarten. Sie zeichnen sich aus durch eine breite Palette verschiedenster Biersorten: Pilsener, Lager, heller und dunkler Bock, Braunbier, Weizenbier, Rot- und Schwarzbier, Frauenbier, Märzen, Maibock, Herbstbock und Weihnachtsbier - hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Die Braumanufaktur wartet mit einer Premiere auf. Zum ersten Mal seit über dreißig Jahren wird hier zur Zeit wieder das Potsdamer Stangenbier gebraut. Ab Mitte Juli wird es hier wieder traditionsgemäß in den charakteristischen Gläsern serviert und kann im Biergarten genossen werden.

Wissenswertes über Bier
Bier ist eines der ältesten Getränke der Menschheit. Fast alle Völker der Erde haben seit frühester Zeit alkoholische Getränke durch Gärung aus stärkehaltigen Stoffen bereitet.
Der Kodex Harnmurabi sicherte jedem Bürger eine tägliche Bierration zu, die Ägypter hatten eine eigene Hieroglyphe für Brauer und im Gilgarnesch-Epos trank Urmensch Enkidu sieben Becher Bier und ward kultivierter Mensch.

Bier ist auch eines der reinsten Lebensmittel. Beim Kochen der Zutaten werden alle Keime abgetötet, der verwendete Hopfen besitzt eine antiseptische Wirkung, die Kohlensäure verhindert die Entstehung neuer Keime und der Alkohol wirkt desinfizierend. Bier wurde zum Kochen von Suppe und Backen von Brot verwendet. Die heilende Wirkung des Bieres war Hippokrates, Paracelsus und Hildegard von Bingen wohlbekannt. Es wird u.a. als Heilmittel gegen Rheuma, Fieber und Schlaflosigkeit beschrieben.

Arbeit wurde zeitweise mit Bier vergolten, als eine Art flüssiger Lohn.
In Klöstern etablierte sich die Braukunst, weil die Regel galt "Flüssiges bricht das Fasten nicht". Es entwickelte sich ein eigener Handwerkszweig mit Zünften, lukrative Biersteuern wurden erhoben.
Die Hanse transportierte deutsches Bier gar bis nach Indien.
Das deutsche Reinheitsgebot für Bier aus dem Jahre 1516 nur Wasser, Gerste und Hopfen zum Brauen von Bier zu verwenden, ist auch als ein frühes Betäubungsmittelgesetz zu verstehen. Bevor man Hopfen zum Brauen verwendete, wurde dem Bier zum Würzen eine Grut ge- nannte Kräutermischung beigefügt. Diese enthielt u.a. Stechapfel und Bilsenkraut, welche beim Kochen halluzinogene Alkaloide freisetzen.

Weitere Informationen unter:
www.bier.de
www.radix.de
www.braumanufaktur.de
www.meierei-potsdam.de
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Berliner Morgenpost Mittwoch, 19. Mai 2004
Himmel-Fahrt ins Grüne
In und um Potsdam laden neue Ausflugslokale, Biergärten und Gasthausbrauereien am Feiertag zum Besuch ein

Von Dieter Weirauch

Ob diese Herren auch in diesem Jahr einen Vatertagsausflug machen, ist unbekannt. Kurios gekleidete Männer sind dennoch zu Himmelfahrt im Berliner Umland Standard Foto: ddp

 

 

 

 

 

 

 

 

Potsdam - Raus ans Wasser und ins Grüne. Pünktlich zum Himmelfahrtstag laden sie wieder ein, die Ausflugsgaststätten rund um Potsdam. Die große Sause kann beginnen.

Seit 1875 gibt es den Bürgershof gegenüber Schloss und Park Babelsberg schon. Und die Besucher strömen auch heute noch gern in das Lokal an der Glienicker Lake. Jetzt wurde der legendäre Gasthof wiedereröffnet. 1,5 Millionen Euro investierte der Berliner Rechtsanwalt Gunnar Schnabel. 20 Köche und Kellner sorgen für das leibliche Wohl. 150 Innen- und 700 Außenplätze gibt es. Bei Bier und deftigem Leberkäse oder Krustenbraten kann man die Zeit vergessen und den vorbeifahrenden Schiffen nachsehen.

Nächste Station ist das Kleine Schloss im Babelsberger Park. Zwar steigt die offizielle Eröffnungsparty erst am 27. Mai, aber an Himmelfahrt erwarten Claudia und Arndt Gilka-Bötzow bereits viele Gäste. Im Gegensatz zu früher kann man jetzt auch draußen sitzen. Premiere hat der Himmelfahrts-Gottesdienst, der um 11 Uhr auf der Wiese vor dem Kleinen Schloss stattfindet. Gastgeber sind die Pastoren Stefan Flade (Kirchengemeinde Babelsberg) und Matthias Amme (Oberlinhaus).

Auf der anderen Seite der Glienicker Brücke, am Ufer des Jungfernsees, in der Brauereigaststätte Meierei in der Nähe von Schloss Cecilienhof, veranstaltet Braumeister Jürgen Solkowski ein "Großes Maßkrugtrinken". Die Maß Bier kostet Himmelfahrt 4,80 statt sonst 5,20 Euro. Im Angebot sind Maibock und Rotbier, ein herbes, rötliches Bier englischen Typs. Der neue Küchenchef Kai-Uwe Heermann verwöhnt mit dem "Potsdamer Rosenkranz", einer gedrehten Bratwurstschnecke mit Stampfkartoffeln, Rote Bete und Starkbiersauce.

Ebenfalls eine Spezialität präsentiert die neueste Gasthausbrauerei in Potsdams Gefilden. Im Forsthaus Templin kurz vor Caputh gibt es Treberbrot. Dieses dunkle, herbe Brauerbrot wird mit den Bierzutaten Hefe und Malz hergestellt. Auch hier kann man, wie in der Meierei und im Krongut Bornstedt, beim Brauen zuschauen. Und wer zu viel Gerstensaft genossen hat, der kann mit dem Bus die Heimfahrt antreten. Der Bus vom Potsdamer Hauptbahnhof hält direkt vor der Tür. Im Brauhaus des Krongutes Bornstedt, das mit dem Niederländer Cees Zonnefeld einen neuen Manager hat, wird der "Bornstedter Büffel", ein malzaromatisches Braunbier, vor Ort gebraut. Ihm wird nachgesagt, dass es auch den Damen gut munde.

Im benachbarten Mövenpick-Restaurant Zur Historischen Mühle öffnen Thomas Prange und sein Team den großen Biergarten nach Münchener Vorbild. In der Bornimer Feldflur will Ökobauer Gerhard Neumann von Neumanns Erntegarten zu Himmelfahrt den Grill anzünden: "Natürlich gibt es auch Bier, aber auch andere Getränke und jede Menge Obst." Nach einem kräftigen Fußmarsch durch den von Peter Joseph Lenné angelegten Schlosspark kann man den Durst auch im Alten Krug von Marquardt löschen. Gastwirt Hansi Czada, der auch Chef des Kulturvereins Wublitztal ist, kennt auch manche Episode aus der Geschichte des Dorfes.
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MAZ 26.04. Auf einen Blick
120 000 BESUCHER KAMEN ZUR BLÜTENFESTERÖFFNUNG
Aus allem wird Wein


MANDY MAMEDOW

WERDER Hoch hinaus wagte sich die frischgebackene Blütenkönigin Tanja Stage gleich zu Beginn des 125. Baumblütenfests, das sie am Samstag als erste Amtshandlung eröffnet hatte. Mit einem Motorrad der Traber-Show ging es gestern auf dem Hochseil über die Föhse. Doch das wird nicht der einzige spektakuläre Höhepunkt bleiben, den die Repräsentantin der Havelstadt in ihrer einjährigen Amtszeit erlebt. Bei Besuchen von Werders Partnerstädten wird sie ihr Weg bis nach Korea führen. Doch vorerst stehen noch allerhand Termine beim Baumblütenfest an.

Vor der herrlichen Kulisse der blühenden Obstbäume tummelten sich bereits am Eröffnungswochenende des Jubiläums rund 120 000 Besucher auf den Straßen und Plätzen. Dicht an dicht ging es mancherorts nur im Schneckentempo und per pedes voran. Doch das schreckte niemanden. Ein kleiner Fußmarsch vom Bahnhof bot schon erste Gelegenheit, sich hier und da am Straßenrand mit dem allgegenwärtigen Obstwein zu versorgen. Den gibt es in vielerlei Sorten, was auch Jeannine Zillmann aus Berlin fasziniert: "Mittlerweile glaube ich, die machen hier aus allem Wein." Genau das könnte man meinen, wenn man einen Blick auf die insgesamt sechs Kategorien wirft, in denen am Samstag die "Goldene Kruke" verliehen wurde. 103 Weinproben hatten drei Frauen von der Jury im Vorfeld verkostet, die ersten drei Plätze aus jeder Kategorie prämiert und die jeweiligen Sieger zur Wahl zum "Königinnenwein" gestellt. Aus diesen sechs Proben entschied sich Majestät Tanja Stage schließlich für den Sauerkirschwein von Hobbykelterer Kay Adamczewski aus Petzow, einem "kleinen Weinmucker, der sie alle ausstach", wie Moderator Attila Weidemann in Manier des Rasenden Reporters heraus posaunte.

Viele Überraschungen gabs zum diesjährigen Jubiläum, so zum Beispiel den größten Umzug den Werder je gesehen hat. Denn da sich die im Zuge der Gemeindestrukturreform hinzu gekommenen Ortsteile mit einbrachten, präsentierten sich statt der sonst etwa 35 Vereine diesmal rund 55 Gruppen beim Festumzug. Für einen kleinen Rückblick in die Majestätengeschichte hatte sich sogar eine Riege von ehemaligen Blütenköniginnen zusammengefunden, die auf der Bühne noch einmal im einzelnen vorgestellt wurden.

Auch die besondere Spezialität, das Werdersche Bier, war extra zum 125. Baumblütenfest nach über 80 Jahren erstmals wieder gebraut worden. Von den insgesamt 4000 Litern gingen allein am Freitagabend schon 400 Liter an Lokale weg. Zum offiziellen Anstich auf der Bismarckhöhe herrschte dann, trotz Regenschauer, immer noch Riesengedränge, das Bürgermeister Werner Große wie folgt kommentierte: "Wir feiern bei jedem Wetter. Wir sind harte Leute." Den ersten Schluck bekam er dafür trotzdem nicht. Der blieb ihrer Majestät Tanja Stage vorbehalten. Danach machte sie auch weiterhin eine gute Figur. "Der Pegel ist zwar etwas gestiegen, doch mir gehts gut", meinte sie nur und auf gings zum nächsten Termin.

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MAZ 26.04.2004 VOM TAGE : LANDESPOLITIK

125. BAUMBLÜTENFEST AM SAMSTAG ERÖFFNET / 120 000 BESUCHER SCHON AM ERSTEN WOCHENENDE
Feucht-fröhliche Stimmung in Werders Obstgärten


MANDY MAMEDOW

WERDER Unter rosa-roten und weißen Blüten schlängeln sich unzählige Menschen durch die von Ständen gesäumten Straßen der Werderaner Innenstadt. Aus allen Ecken dröhnt Musik, mal rockig und poppig, mal zum Mitschunkeln, dazwischen immer wieder Ansagen neuer Programmhöhepunkte und reichlich Obstwein in allen erdenklichen Sorten.

Das Eröffnungswochenende des 125. Baumblütenfestes lockte rund 120 000 Besucher aus nah und fern in das sonst so beschauliche Havelstädtchen. Für eine Woche tanzt dort wieder im wahrsten Sinne des Wortes der Bär bei täglich wechselnden Veranstaltungen, die teilweise schon am Vormittag beginnen. Bis in die Abendstunden erwartet die Gäste ein bunter Mix aus Ständebetrieb, Disco, Live-Acts, Bungeejumping, Schaustellern und Wettbewerben. Auch die Obstgärten im Hohen Weg und in den Ortsteilen haben wieder ihre Pforten geöffnet. Die lauschigen Plätze unter blühenden Bäumen erfreuten sich bereits am Samstag trotz durchwachsenen Wetters großer Beliebtheit. Doch Kaffee und Kuchen rangierten selbst dort nach den prozenthaltigen Wässerchen nur an zweiter Stelle.

An der einen Hand die Freundin, in der anderen eine Flasche Wein - wohin das Auge blickte, die begehrteste Spezialität, der Obstwein, war immer mit dabei. Für manch einen, der schon am Nachmittag zu tief ins Glas geschaut hatte und nun unter besorgten Blicken der Ehefrau von den Sanitätern wieder ins Lot gebracht werden musste, endete der Besuch frühzeitig mit einer Zwangspause. Wer dem Trubel in den Straßen etwas entfliehen wollte, der fand auf dem Werderaner Wachtelberg und der dortigen Wachtelburg eine gute Alternative. Gleich nebenan in der Weintiene ließ sich bei herrlichem Blick über die Stadt mal was anderes als Obstwein genießen, so etwa ein Müller Thurgau oder ein Chardonnay.

Zum Auftakt des Jubiläumsfestes gab es jede Menge Spektakuläres zu erleben. Die am Freitag beim Blütenball gekürte neue Majestät Tanja Stage schwang das Tanzbein nicht nur mit Werders Bürgermeister Werner Große. Auch mit Ministerpräsident Matthias Platzeck und Innenminister Jörg Schönbohm fegte sie übers Parkett. Nach dem traditionellen Festumzug am Samstag eröffnete das "Kind der Insel", wie Große die Blütenmajestät nannte, dann offiziell das Fest. Unter den vielen Vehiklen des Umzuges, den "der rasende RBB-Reporter" Attila Weidemann zwischen Menschenmassen kommentierte, war auch "ein Wagen voller Blüten" mit den Königinnen der vergangenen Jahre. Die sind in einigen Fällen inzwischen sogar recht berühmt geworden, wie zu erfahren war. Doreen Jacobi, Kronenträgerin aus dem Jahr 1990, ist mittlerweile Schauspielerin und war unter anderem im "Tatort" zu sehen.

Dichter Andrang herrschte auch beim Anstich des Werderschen Biers. Jeder wollte probieren. Selbst ein kräftiger Schauer konnte der guten Stimmung keinen Abbruch tun. Ein Korb auf dem Kopf schützte da zwar nicht wirklich vor Nässe, aber das spielte schon keine Rolle mehr.

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PNN 26.4.04
Längster Festumzug zum Jubiläum


Werder ist bestens gerüstet für das 125. Baumblütenfest vom 24. April bis zum 2. Mai

Werder (PNN/ldg/dpa). Werder zeigt sich bestens gerüstet für das 125. Jubiläum des Baumblütenfestes vom 24. April bis zum 2. Mai. „Wir werden zum Auftakt den längsten Umzug in der Geschichte des Festes mit rund 2000 Mitwirkenden in 54 Gruppen haben“, kündigte der Marketingchef der Stadt, Walter Kassin, gestern vor der Presse an. Eine weitere Besonderheit: Erstmals können die Besucher neben dem klassischen Obstwein auch wieder echtes Werdersches Bier genießen. Rund eine halbe Million Besucher werden zum 125. Baumblütenfest in Werder erwartet. Die Deutsche Bahn hat sich auf den Ansturm vorbereitet, und setzt an den Wochenenden stündlich drei Doppelstockzüge von Potsdam nach Werder und zurück ein. Die kreiseigene Busgesellschaft bietet spezielle Blütenrundfahrten in die Plantagen der Region an.

Das Festprogramm auf insgesamt 8 Bühnen ist gespickt mit interessanten Veranstaltungen. So werden am Mittwoch, dem 28. April, die legendären Puhdys ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Rockkonzert in Werder feiern. Zuvor sind die Trabers aus Süddeutschland mit einer atemberaubenden Hochseilshow über der Havel zu sehen. Am Donnerstag gibt es erstmals einen speziellen Werder-Tag, der vor allem von Vereinen und Gruppen aus der Blütenstadt und ihren Ortsteilen gestaltet wird.

Besonders zu empfehlen sei in diesem Jahr ein Besuch auf der Bismarckhöhe, sagte Bürgermeister Werner Große auf der gestrigen Pressekonferenz. Die einstige legendäre Ausflugsgaststätte wurde von der Stadt übernommen und soll nun zu altem Ruhm geführt werden. Nach dem Abriss eines Flachbaus aus DDR-Zeiten ist von der Bismarckhöhe erstmals wieder der ursprüngliche und viel gepriesene Blick auf die Havellandschaft möglich. Hier soll während des Blütenfestes auch das Werdersche Bier ausgeschenkt werden – hergestellt nach alten Rezepturen und Beschreibungen Theodor Fontanes in der Forsthausbrauerei Templin bei Potsdam. Sportlicher Höhepunkt ist der Baumblütenlauf am 25. April.

Traditionell wird am Vorabend der Eröffnung der Baumblütenball mit der Wahl der Blütenkönigin gefeiert. „Zum Jubiläum haben wir auch zahlreiche ehemalige Königinnen eingeladen“, sagte Kassin. Am Samstag startet der bunte Festumzug, zu dem sich 2000 Mitwirkende aus Vereinen und Schulen angesagt haben. Dabei werden sich auch alle neuen Werderaner Ortsteile präsentieren. Nach dem Umzug können sich die Besucher tagelang ins Getümmel stürzen und dabei die blühenden Obstbäume ebenso wie die verschiedensten Obstweinsorten genießen. Viele Werderaner öffnen ihre Gärten und Höfe, um die Besucher mit selbst gebackenem Kuchen und Obstwein zu bewirten. Die Tradition des Baumblütenfestes reicht in das Jahr 1879 zurück. Damals hatte der Vorstand des Obstbauvereins Werder beschlossen, alljährlich ein Blütenfest zu feiern.

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PNN, 24.04.2004
Süffig und malzbetont
Zur Baumblüte wird wieder Werdersches Bier gebraut


Das Werdersche Bier, über dass der "Wanderer durch die Mark", Theodor Fontane, einst so ins Schwärmen geraten war, wird wieder gebraut. Nicht in Werder, aber nach alter Rezeptur in der Braumanufaktur "Forsthaus Templin" bei Potsdam. Und mit Wasser aus der Blütenstadt -genauer vom Wasserwerk am Plessower See.

Noch vor hundert Jahren fand das Heimatbier auch in Berlin hervorragenden Absatz. Es war, neben Obst und Ziegeln, einer der „ExportschIager" der Stadt. Zum Blütenfest wird der nach altem Brauverfahren hergestellte Hopfensaft wieder verkauft. Um den Original-Geschmack zu treffen, wurden Fontanes dreiseitige Beschreibungen bemüht. Die Brauer Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler sind zudem auf alte Analysen zur Zusammensetzung gestoßen. "Ein sehr süffiges, malzbetontes und mild gehopftes Bier", beschreibt Kirchhoff den Geschmack. Bernsteinfarben, 12 Prozent Stammwürze, 4,8 Prozent Alkohol -genau so soll es mit alten Aromen und Naturdoldenhopfen wieder werden.

Wenn es „läuft", könnte das Werdersche bald zum festen Inventar der regionalen Gastronomie gehören, meinen die Brauer. Das Potenzial ist im Forsthaus vorhanden: In den Kellern am Templiner See können 40000 Liter Bier gelagert werden. Für den Eigenbedarf wird nur ein Viertel der Kapazität benötigt.

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MAZ, 23.04.2004
Molle fließt in der "Nolle"
Potsdamer Meister brauen neuen Werderschen Gerstensaft


Mutti freut sich auf den Werderaner Kirschwein, der auf dem Blütenfest nun mal besonders gut schmeckt. Sohnemann ist gespannt auf Bungee und das Pokalturnier im Volleyball in der Hagemeisterschule. Und der Vater will endlich wissen, wie das neue Werdersche Bier schmeckt, gelesen hat er darüber genug.

Morgen um 16 Uhr nach dem Bieranstich von Bürgermeister Werner Große auf der Bismarckhöhe kann er sein Urteil abgeben, ob die malzbetonte Molle mild gehopft auch seinem Geschmack entspricht. Nach 80 Jahren Unterbrechung eigener Herstellung hat die Stadt zum Jubiläumsfest 4000 Liter Bier von den Meistern ihres Faches im Forsthaus Templin brauen lassen. "Das Werdersche" wird in den nächsten Tagen auf der Bismarckhöhe, dem Markt der Inselstadt und in der "Nolle" am Dümichenplatz ausgeschenkt.

Man darf gespannt sein, wie lange der Vorrat reicht. Sollten die Fässer schneller leer sein, als man glaubt, könnte neben dem aromatischen Obst, dem trockenen Müller- Thurgau vom Wachtelberg auch das Werderaner Bier über die Stadtgrenze hinaus von sich reden machen. Werders Bürgermeister Werner Große und mit ihm viele andere hätten nichts gegen einen solchen Erfolg, der seinen Ursprung bereits um 1617 am Markt 1 in Werder hatte. 170 Jahre später soll es unter den Blütenstädtern schon 21 Brauer gegeben haben.

Heute erinnert nur noch der Name „Altes Brauhaus" des sanierten Gebäudes vor der Inselbrücke an die Tradition vor der Fruchtweinherstellung. Doch muss am Werderschen aus dem Fass schon etwas Besonderes gewesen sein, sonst hätte nicht der Dichter Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" so vom unverwechselbaren, prickelnden Wesen des Durstlöschers und "Nahrbiers" geschwärmt. R. Cr.

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BZ 23.04.2004
In Werder startet die große Sause: mit Obstwein, Puhdys und Rummelbuden
Willkommen zum Baumblütenfest!

Ein kräftiger Schluck aus dem Glas. Das Werdersche Bier ist obergärig und mild, Foto: Spikermann
 

 

 

 


Werder - Prost - und herzlich Willkommen zum 125. Baumblütenfest. In Werder an der Havel wird am Samstag (14:30 Uhr) wieder die längste Obstwein-Theke der Welt eröffnet - von der neu gekrönten Blütenkönigin.

 



 

Romantische Stimmung in Werder - nicht nur wegen dem Obstwein, Foto: Thomas Spikermann


Bis zum 2. Mai bietet Werder seinen Gästen dann eine riesige Gaudi: Mit Konzerten (Puhdys, Bell Book & Candle, Extraleicht), Karussells und Rummelbuden - und natürlich ganz viel "Werderaner Bretterknaller", den Obstwein aus der Region. "Wie jedes Jahr schenken wir die traditionellen Sorten, wie Erdbeere, Kirsche oder schwarze Johannisbeere aus", so der Bürgermeister Werner Große. "Aber die neuen
Sorten, zum Beispiel Birne - sind ebenfalls sehr lecker!"

Und obwohl das Blütenfest eigentlich ein Weinfest ist, gibt es in diesmal ein ganz besonderes Highlight: Werdersches Bier! "Zum ersten Mal seit fast 90 Jahren haben wir wieder nach traditionellem Rezept gebraut", erzählt Werner Große. Der 0,4 Liter-Becher kostet 2,50 Euro. "Die Preise für das Glas Wein sind geblieben - durchschnittlich 1,50 Euro", sagt der Marketingleiter des Baumblütenfestes, Walter Kassin.

Einen Tipp hat Bürgermeister Werner Große für die erwarteten 500 000 Besucher: "Lassen Sie Ihr Auto stehen! Schließlich gibt es genug andere Möglichkeiten zu uns zu kommen."

Der BZ-Service:
So kommen Sie hin: Von Berlin Zoo fährt die Regionalbahn 1jede halbe Stunde (von 6 bis 23 Uhr) direkt nach Werder. Von Werder Hbf. fährt dann ständig ein Shuttle-Bus (50 Cent).

Die Deutsche Bahn setzt auch in diesem Jahr wieder Sonderzüge ab 10 Uhr bis 24 Uhr alle 20 Minuten von Potsdam nach Werder ein.

Die S-Bahn fährt planmäßig von Berlin nach Potsdam Hbf. Dann geht's weiter mit dem 631 Bus bis Werder (im 30 Minuten Takt).

Und auch per Schiff geht's nach Werder: Mit der "Weißen Flotte" von Potsdam Lange Brücke (Lange Brücke 6), fast alle halbe Stunde ab 9.45 Uhr bis 18.45 Uhr zur Insel Werder (einfache Fahrt 6 Euro, Hin- und Rückfahrt 9 Euro).

Oder mit der "Stern- und Kreisschifffahrt" um 11 Uhr ab S-Bahnhof-Wannsee zur Insel (Hin- und Rückfahrt 14 Euro).

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MAZ, 16.04.2004
125. BAUMBLÜTENFEST MIT GROßEM UMZUG
Partyzeit in Werder

WERDER Die Obstbäume leuchten weiß und rosé - und Werder ist startklar für sein 125. Blütenfest. Zehn hübsche Damen wollen als Baumblütenkönigin auf dem Ball am 23. April gekürt werden, doch nur eine wird bis zum nächsten Fest die Krone tragen. Zum Jubiläumsfest vom 24. April bis 2. Mai erleben die Werderaner und die mehr als 500 000 Gäste am Eröffnungstag den bisher größten Umzug, denn auch die neuen Ortsteile wollen sich dabei präsentieren.

300 Transparente sollen für das 125. Baumblütenfest werben. Foto: MAZ/ Gartenschläger

Neben dem Obstwein fließt diesmal nach vielen Jahren Abstinenz auch wieder Werdersches Bier, gebraut in der Potsdamer Manufaktur am Templiner See. Auf acht Bühnen und in unzähligen Obstgärten sowie auf der Bismarckhöhe ist Partyzeit und für die richtige Stimmung sorgen unter anderem die Puhdys. Der Obstbauverein wird außerdem aus fast 100 Proben den köstlichsten Werderaner Obstwein prämieren.

Erstmals findet ein Werder-Tag statt, der für den 29. April vorgesehen ist und von den Bürgern der Stadt und ihrer Ortsteile gestaltet wird. Wer die Farbenpracht sucht, ist bei einer der vielen angebotenen Blütenfahrten in die Plantagen genau richtig. R. Gr

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leben und genießen in Potsdam
Das Magazin Ihrer Gastgeber Frühjahr 2004
Oasen des Wolbehagens

Unterm Forsthaus reift das Bier

Selbst gebrauter Gerstensaft ist ein Schlager des wiedergewonnenen Ausflugslokales

Das gab es im Forsthaus Templin noch nie: In zehn Edelstahltanks reifen in den Kellerräumen je Sud etwa 3.000 Hektoliter Bier heran. Die neuen Eigentümer, Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff, sind mit dem Konzept einer »Braumanufaktur« angetreten, um das traditionsreiche Ausflugslokal wieder zu beleben. Beide haben in Potsdam das Brauerhandwerk erlernt, an der TU Berlin ein Studium angehängt und sich in Schleswig und im Erosland erste berufliche Sporen als Braumeister verdient.

Als das Tandem die drei Jahre lang geschlossene Gaststätte nach umfassender und denkmalgerechter Sanierung Ende 2003 neu eröffnete, verband es mit der Brauerei die Hoffnung, über die eigenen Gäste hinaus auch andere Abnehmer mit dem hauseigenen Gerstensaft zu versorgen. Diese Hoffnung erfüllte sich schnell: Beim Baumblütenfest vom 24. April bis 2. Mai 2004 in Werder wird nicht nur Obstwein angeboten, sondern erstmals seit mehr als 80 Jahren auch Werdersches Bier.
Theodor Fontane war von dem Getränk seinerzeit so beeindruckt, dass er ihm eine Ode widmete:

»_und ehe dich,
o Bayrische, wir hatten,
Erschien ankündigend
In braunem Schaum
Die Werdersche.
Ihr Leben war ein Traum.«

Genau so soll es nun aus den Kellern des Forsthauses kommen, bernsteinfarben, süffig malzbetont und mit 4,8 Prozent Alkohol. Daneben werden wie bisher im Wechsel Pilsner, Lager, heller und dunkler Bock, Braun- und Weizenbier gebraut.

Sie können im 90 Plätze bietenden Gastraum getrunken werden, dem zwei alte kupfergetriebene Sudkessel aus den 20er Jahren und von der einstigen Malzbierbrauerei Seibert in Babelsberg übernommene Eichenfässer, Gärbottiche und Bierflaschen einen nostalgischen Touch verleihen. Im Sommer gesellt sich ein 100 Personen fassender Biergarten mit Kinderspielplatz hinzu. Das Bier wird in Siphons und Zehn-Liter-Fässchen auch außer Haus verkauft. Die Küche bietet solide deutsche Gerichte.

Der Potsdamer Kirchhoff und der Kleinmachnower Köhler hatten das 6.490 qm Grundstück, von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) erworben, dessen denkmalgeschütztes Gebäude auf eine lange Geschichte zurückblickt. Es ist als »Kavalier- und Gesellschaftshaus« für die Unterbringung von Gästen auf dem 1819 durch den pensionierten General Friedrich von Bismarck erworbenen Gutsgelände entstanden. Hier verbrachte dessen Neffe, der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck, mehrfach die Schulferien. 1834 richtete dann der Kaufmann Eduard Reinhardt in dem Haus eine »Tabagie« ein und nannte sie »Forsthaus Templin«, obwohl dort nie ein Förster wohnte. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Gaststätte zu einem auch von Prominenten viel besuchten Ausflugslokal. In die Gästebücher trugen sich u.a. der Schauspieler Gustav Fröhlich, der Astronom Bruno H. BürgeI und der Komponist Gustav Büchsenschütz ein. In neuem Gewand nach aufwändiger Sanierung lädt das Forsthaus Templin nun wieder Gäste ein.
E. Hoh

Adresse: Braumanufaktur Forsthaus Templin, Templiner Straße 102 , 14473 Potsdam, Tel.: 033209/217979 Fax: 033209/217980
E-Mail: thomas@braumanufaktur.de, joerg@braumanufaktur.de

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MAZ, 12.03.2004
Potsdamer Landkurier
Hoch lebe das „Werdersch Bier“

Wiedergeburt zum 125. Blütenfest / Morgen wird im Forsthaus Templin zünftig angebraut

 

REGINE GREINER

WERDER In der Brauereiwirtschaft ist man sich einig: Durst wird durch Bier erst schön. Zum 125. Blütenfest in Werder soll es nicht anders sein, denn zum Jubiläum ab dem 24. April 2004 erlebt das einst bis Berlin so beliebte Werdersche Bier seine Wiedergeburt. Der Einsatz der Stadtväter sowie das Können und der Idealismus der Braumeister vom Forsthaus Templin machen es möglich.

Gestern hat die Feuerwehr Werder auf der Inselstadt unmittelbar vor dem Rathaus unter den Augen vieler Werderaner und Gäste ein Löschtankfahrzeug mit 4000 Liter Wasser für den künftigen Gerstensaft "aufgetankt". Den Grundstoff sponserte der Wasser- und Abwasserzweckverband Werder. Nach dem Abfüllen brachten die Kameraden ihr Fahrzeug samt Ladung zur Braumanufaktur von Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff in die Templiner Straße von Potsdam vor den Toren Capuths. Im Forsthaus sind Sudpfanne und Läuterbottich natürlich längst vorbereitet. Denn in der im Dezember vergangenen Jahres eröffneten Braumanufaktur wird das Wasser in den nächsten Wochen zu einem Hopfengetränk von besonderer Güte veredelt.

Schon morgen laden die beiden Meister von 11 bis 19 Uhr in ihr rustikales Haus zum Schaubrauen ein. Genießen kann man das Werderaner Bier aber erst nach fünf Wochen zum Baumblütenfest, wenn es vom Fass frisch gezapft wird. Dabei entscheidet auch die Zusammensetzung des Werderaner Wasser über den Geschmack des künftigen Biers mit. Köhler und Kirchhoff vertrauen auf ihr Können, die Wirkung der naturreinen Hopfenblüten, alter Aromasorten und dem ausdauernden Gärungsverfahren und wollen Werder zum 125. erste Qualität präsentieren. Mit der selben Hingabe sorgen sie in den nächsten Wochen auch dafür, dass die Potsdamer und ihre Gäste ab Juni wieder das Potsdamer Stangenbier genießen können, serviert in zünftigen Gläsern im Hause Köhler und Kirchhoff. Dort wurde seit der Eröffnung im Dezember bereits insgesamt 24 000 Liter in sieben Sorten von Pils bis Maibock gebraut.

Dass zum diesjährigen Werderaner Blütentraum wieder heimisches Bier fließen kann, dafür haben Werders 1. Beigeordneter Hartmut Schröder und die Braumeister auf der diesjährigen Grünen Woche in Berlin den Grundstein gelegt. Dort waren die jetzigen Partner sozusagen Standnachbarn und die Verbindungen schnell geknüpft. Werders Bürgermeister Werner Große hatte schon mehr als einmal auf eine gute Zusammenarbeit mit kleinen, aber feinen Brauereien gehofft - zum diesjährigen Jubiläumsfest hat es geklappt. Die Freude darüber war ihm und den anderen Werderanern gestern beim Füllen der Tanks deutlich anzusehen. Große verkündete dann gestern auch, wo das Bier von der Farbe wie dunkler Bernstein zur Baumblüte vom Fass ausgeschenkt wird. Es soll sowohl an Ständen auf der Bismarckhöhe wie auf dem Marktplatz und in der Gaststätte "Nolle" zu haben sein. "Wenn es den Gästen schmeckt, dann wird bestimmt auch künftig in unserer Stadt heimisches Bier ausgeschenkt", sagt Große. So mancher Gastronom hätte nach seinen Worten schon Interesse bekundet. Der Bürgermeister weiß auch, dass sich die Hopfenpflanzen im relativ milden Klima Werders wohl fühlen. "Warum sollen wir da nicht wie einst wieder selbst Hopfen in unserer Stadt anbauen."

Mit dem neuen Bier und seinem Namen "Werdersches" knüpft die Stadt an eine uralte Tradition an, die auf das Jahr 1617 zurück geht und ihre Ursprungsstätte am Markt 1 hatte. 170 Jahre später gab es in Werder bereits "21 Brauer und zwei Brauknechte. Aber auch 40 Brandweinbrenner", wie vom bis heute überaus engagierten Heimatforscher Reimar Golz zu erfahren ist.

Auch Theodor Fontane räumte in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" dem "Bierkapitel" in Werder gebührenden Platz ein und schwärmte vom unverwechselbaren, märkisch nationalen, prickelnden Wesen des "Nahrbiers". Das "Werdersch Bier" wurde überall auch als "Gesundheitsbier" angepriesen, wie Annoncen um 1900 belegen, und lange Zeit täglich mit einem Dampfer nach Berlin transportiert. In der Chronik der Stadt findet sich auch eine Anzeige der Brauerei G. Bauer die um 1895 für "Echt Werdersches Bier für Blutarme, Reconvalescenten, Wöchnerinnen etc. von vielen Ärzten" empfohlen warb.

Aber dem Erfolg folgte ab 1910 durch die nationale Konkurenz der Niedergang. Daran konnten auch die Worte Fontanes in seinen "Wanderungen" nichts ändern: "All Großes, wie bekannt, wirft seinen Schatten; Und ehe dich, o Bayrische, wir hatten / Erschien, ankündigend, in braunem Schaum / Die Werdersche. Ihr Leben war ein Traum." Die letzte Anzeige der Brauereigenossenschaft Potsdam-Werder erschien 1913.

Doch das ist Geschichte. Aber der Traum kommt wieder, betonte Bürgermeister Große gestern voller Hoffnung und Freude. Werder lässt den Gerstensaft wieder Hoch leben, ohne seinem Obstwein den Reiz zu nehmen. Denn der Durst wird durch Bier erst schön, behaupten Brauer. Und all das dann noch unterm Werderaner Blütenmeer.

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MAZ, 12.03.2004
Potsdamer Landkurier
Mit Hopfen und Malz

REGINE GREINER


Bier auf Wein, das lass' sein! Wein auf Bier, das rat' ich Dir! Die Gäste des 125. Blütenfestes ab 24. April in Werder sind gut beraten, den Volksmund ernst zu nehmen. Ansonsten könnte die gemütliche Party im Mega-Obstgarten für so manchen mit einem Brummschädel enden, wenn reichlich und durcheinander geprostet wird.

Aber wer will jetzt schon an den Kater nach dem Fest denken ? Werders Stadtväter beschäftigt viel mehr, wie das Jubiläumsfest ein ganz Besonderes wird und sich trotz reichlich Bier- und Weingenuss die Gäste sicher fühlen können. Man scheut keine Mühen, um sich einzigartig zu zeigen, lockt mit unverwechselbarem Obstwein und nun auch noch mit dem Werderschen aus Hopfen mit besonderem Geschmack.

Der Stadt ist es zu wünschen, dass die Premiere klappt, das Bier seine Anhänger findet und Werder um ein regionales Produkt reicher ist. Ob Werder-Ketschup, Wein vom heimischen Wachtelberg oder selbst gemacht aus den Früchten des Obstgartens, die Erzeugnisse haben in den vergangenen Jahren die Region auf ihre Art beliebt und bekannt gemacht. Klappern gehört zum Geschäft, damit Hopfen und Malz nicht verloren sind.

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PNN, 12.03.2004
Potsdam-Mittelmark

Theodor Fontane und "die Werdersche"
Auszüge aus „Wanderungen durch die Mark“:


…märkisch national, ein Ding für sich, so erschien die Werdersche. Sie war dem Landesgeschmack geschickt adaptiert, sie stellt sich einerseits in Gegensatz gegen die Weiße und hatte doch wiederum so viel von ihr an sich, dass sie wie zwei Schwestern waren, dasselbe Temperament, dasselbe prickelnde Wesen, im übrigen reine Geschmackssache: blond oder braun. In Kruken auftretend und über dreimal gebrauchten Korken eine blasse, längst ausgelaugte Strippe zu leichtem Knoten schürzend, war sie, die Werdersche … der … glückliche Konkurrent der älteren Schwester, und die bekannten Kellerschilder … bequemten sich mehr und mehr, neben der blonden Weißen, die braune Werdersche ebenbürtig einzurangieren. … sie wurde Nahrbier in des Wortes verwegenster Bedeutung, und das gegenwärtige Geschlecht, wenn auch aus zweiter Hand erst, hat Kraft und Leben gesogen aus der Werderschen.

 

 

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PNN, 12.03.2004
Potsdam-Mittelmark
Malzbetont und mild gehopft

Fontane hat einst davon geschwärmt und es war ein Exportschlager der Blütenstadt: Zur Baumblüte wird wieder Werdersches Bier gebraut

Von Henry Klix

„All Großes, wie bekannt,
wirft seinen Schatten;
und ehe dich,
o Bayrische, wir hatten,
Erschien ankündigend,
in braunem Schaum
Die Werdersche.
Ihr Leben war ein Traum.“

„Und wird es jetzt auch wieder“, setzte Bürgermeister Werner Große den Versen Theodor Fontanes gestern hinzu. Großes Botschaft war spektakulär: Das Werdersche Bier, über dass der „Wanderer durch die Mark“ einst so ins Schwärmen geraten war, wird wieder gebraut. Nicht in Werder, aber nach alter Rezeptur. Und mit Wasser aus der Blütenstadt – genauer vom Wasserwerk am Plessower See. So sprudelte es zur Wiederbelebung einer Jahrhunderte langen Brautradition nicht aus einem Bierfass, sondern aus einem Feuerwehrhydranten vor dem Alten Rathaus auf der Inselstadt. Die Freiwillige Feuerwehr hatte mit einem TLF 46 den Transport von 4600 Liter Wasser in die Braumanufaktur „Forsthaus Templin“ übernommen.

Noch vor hundert Jahren fand das Heimatbier auch in Potsdam und Berlin hervorragenden Absatz. Es war, neben Obst und Ziegeln, einer der „Exportschlager“ der Stadt an der Havel. Zum diesjährigen Baumblütenfest (24. April bis bis 2. Mai) soll der nach altem Brauverfahren hergestellte Hopfensaft nun wieder verkauft werden. Um den Original-Geschmack zu treffen, wurden Fontanes dreiseitige Beschreibungen bemüht. Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler, Inhaber der Braumanufaktur, sind zudem auf alte Analysen zur Zusammensetzung gestoßen. „Ein sehr süffiges, malzbetontes und mild gehopftes Bier“, beschreibt Kirchhoff den Geschmack. Bernsteinfarben, 12 Prozent Stammwürze, 4,8 Prozent Alkohol – genau so soll es mit alten Aromen und Naturdoldenhopfen wieder werden.

Wenn es „läuft“, könnte das Werdersche bald zum festen Inventar des Baumblütenfestes und sogar der regionalen Gastronomie gehören, meinen die Brauer. Das Potenzial ist im Forsthaus vorhanden: In den Kellern am Templiner See können 40000 Liter Bier gelagert werden. Für den Eigenbedarf wird nur ein Viertel der Kapazität beansprucht. Mitte Mai soll eine Flaschenabfüllanlage hinzu kommen. So ist es auch denkbar, dass die alten, rot-weiß-blauen Bieretiketten der „Vereinigten Werderschen Brauereien“ wieder zum Einsatz kommen.

Wieso die Geschichte des Werderschen vor 90 Jahren endete, war eine Frage, die sich nach dem Genuss einer kleinen Probeabfüllung mit ähnlichen Geschmacksqualitäten zwingend stellte. Die Werder-Historiker Balthasar D. Otto und Reimar Golz haben sich um das Thema bereits verdient gemacht. Gerade in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts muss das Bier aus den vier Werderaner Brauereien in Strömen geflossen sein. Sechs bis sieben Millionen Liter Bier wurden seinerzeit ausgeführt. Vier große Brauereibesitzer stellten es her, mit dem 1887 erbauten Brauhaus in der Lindenstraße 1 ist die Tradition auch heute im Stadtbild präsent.

Doch seit der Jahrhundertwende, als die bayrische Brauart nach Preußen überschwappte, ging’s bergab. Sie brachte eine neue Geschmacksnote und machte das Bier haltbarer. Gegen Schultheiß und Kindl, die die Zeichen der Zeit erkannt hatten, versuchten sich die Werderschen Brauer 1896 noch mit einer Fusion zur „Werderschen Brauerei AG“ zu wappnen. Zwanzig Jahre hielt man so die Stellung, dann folgte der Konkurs.

„Unser Bier wurde durch die Bayern kaputt gemacht, aber jetzt schlagen wir zurück“, brachte Bürgermeister Große die Auferstehung auf den Punkt. Auf der Grünen Woche wurde die Idee geboren, die Nachbarschaft des Werder-Stands mit dem des Forsthauses war schicksalhaft. Nun gibt es neben Obstwein zur Baumblüte also auch Frischgezapftes von hier. Auf der Bismarckhöhe, dem Markt und vor der Inselbrücke wird der Gerstensaft verkauft. Und wer weiß, vielleicht ja bald auch wieder in Berlin und Potsdam?

Am Samstag, 13. März, wird das „Werdersche“ im Forsthaus Templin eingebraut. Von 11 bis 19 Uhr kann beim Brauprozess zugeschaut werden.

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Generalanzeiger Werder, 11.03.2004
"Werdersches" wird gebraut

Nach über 80 Jahren Unterbrechung wird wieder "Werdersches Bier" gebraut.
Das ehemals berühmte Werdersche Bier, dem Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark" ein ganzes Kapitel widmete, wird in der Braumanufaktur Forsthaus Templin, Templiner Str. 102 in Potsdam eingebraut.
Am Donnerstag, den 11. März 2004 wird um 11.00 Uhr vor dem Alten Rathaus Inselstadt ein Tanklöschfahrzeug der Werderaner Feuerwehr mit 4.000 Liter Wasser gefüllt, das anschließend in die Braumanufaktur Templin gebracht wird. Die ersten 4.000 Liter sollen dann anlässlich des 125. Baumblütenfestes ausgeschenkt werden.

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PNN, 10.03.2004
Potsdam-Mittelmark
Nach über 80 Jahren gibt es wieder Werdersches Bier

Werder. Nach mehr als 80 Jahren Unterbrechung soll anlässlich des 125. Baumblütenfestes nun wieder echtes „Werdersches Bier“ gebraut werden. Das kündigte Bürgermeister Werner Große gestern öffentlich an. Das ehemals berühmte Schwarzbier, dem Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark ein ganzes Kapitel widmete, wird in der Potsdamer Braumanufaktur „Forsthaus Templin“ eingebraut. Das Brauwasser soll direkt aus dem Herzen der Werderschen Inselstadt sprudeln. Zu diesem Zweck wird am kommenden Donnerstag um 11 Uhr vor dem Alten Rathaus auf der Insel ein Tanklöschfahrzeug der Werderaner Feuerwehr mit 4000 Litern Wasser gefüllt und dann Richtung Forsthaus Templin gesteuert. Die ersten 4000 Liter Bier sollen dann zum Blütenfest ab 24. April ausgeschenkt werden.

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MAZ 28/29.02.2004
 Wochenmagazin der Märkischen Allgemeinen, "Feierabend"

Köstliches aus dem Zapfhahn
Im „Forsthaus Templin“ bei Potsdam wird die alte Tradition der Gasthausbrauerei neu belebt

ILDIKO RÖD

So richtig einsam muss man sich im „Forsthaus Templin" nie fühlen, selbst wenn keine anderen Gäste unterm Gebälk der Gaststätte speisen. Wird man doch unablässig von Blicken aus dunklen Plastikaugen von der Wand herunter begleitet. Ein paar Mufflonköpfe hängen da, sogar ein Uhu lugt von luftiger Balkenhöh' herab, und auch ein Hirschkopf an imposant langem Hals findet sich dort.

Die forschenden Hirschaugen zur breiten Fensterfront hin geben gleich die lohnendste Aussichtsrichtung vor: zur Havel hinunter, die hinter der Verbindungsstraße zwischen Potsdam und Caputh durchs Ufergehölz glitzert und im kommenden Sommer wahrscheinlich viele Radler und Ausflügler in den Gastgarten des „Forsthauses" ziehen wird, das im vergangenen Dezember seine Pforten öffnete und vorzugsweise auf gutbürgerliche Küche setzt.

Schon den Altvorderen hatte es das lauschige Waldambiente am Wasser angetan. Zunächst als Bleichplatz genutzt, lockte das Areal bereits ab dem 18. Jahrhundert die besser gestellten Erholungssuchenden. 1797 ließ der Potsdamer Kanonikus Tamm einen Herrensitz bauen, der 1819 in den Besitz des Generalleutnants Friedrich von Bismarck überging. Der junge Otto, nachmaliger Reichskanzler und Neffe des Templiner Gutsbesitzers, soll dort mit ausgedehnten Ritten und Weinverkostungen denkwürdige Urlaube verlebt haben. Doch schon in den 1830er Jahren setzte mit der Einrichtung einer Ausflugsgaststätte für die Potsdamer Bürgerschaft die Demokratisierung des Naturparadieses ein. Eine Prise Glamour kam in den 1930er Jahren hinzu, als sogar die Ufa-Prominenz gern im Lokal einkehrte. In der Nachkriegszeit gab es ein paar halbherzige Versuche zur Wiederbelebung des Gastbetriebes, denen jedoch nie viel Glück beschieden war .Bis jüngst die Idee einer zweifachen Renaissance aufkam: Nicht nur die Gastronomie und der Ausschank sollten neu eröffnet werden. Auch die uralte, mittlerweile aus der Mode gekommene Tradition der Gasthausbrauerei wollen Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler auferstehen lassen. Nach Wanderjahren im Emsland und in Schleswig-Holstein hat es die beiden Braumeister aus dem Brandenburgischen wieder in die Heimat gezogen - mitsamt zukunftsträchtigem Gastronomiekonzept: Köstliches von Lager bis Pils wird nun im Hause hergestellt. "Hier braut der Cherf“ - so könnte ein möglicher Werbespruch fürs "Forsthaus" lauten, wo eine kupferne Braupfanne und ein Läuterbottich ein ganzes Eck der Wirtsstube einnehmen. Hübsch fangen sich die herein fallenden Sonnenstrahlen im hochglanzpolierten Metall der Pfanne, die noch aus den 1920er Jahren stammt.

Doch nicht nur für die Optik macht sich das alte Kupfer bestens - auch dem Biergeschmack kommt' s zugute: Ganz anders würde das munden als ein in modernen Edelstahlbehältern entstandenes Bier, erklärt Jörg Kirchhoff, der ebenso bei den Zutaten auf Bewährtes setzt: nicht auf Hopfenextrakt, wie ihn die Großbrauer heutzutage verwenden, sondern auf die guten alten Hopfenblüten. Und im "Forsthaus" darf sich das Bier obendrein Zeit mit dem Reifen lassen: nicht zwei Wochen, wie in den Industriebetrieben, sondern fünf. Wo derart auf Überkommenes gesetzt wird, will man auch aufs lokale Erbe nicht verzichten. Deshalb soll ab Juni das "Potsdamer Stangenbier" wiederbelebt werden. Eine Sorte, bei dem Lager- mit jungem Bier versetzt und ein zweites Mal vergoren wird. Ergebnis ist ein Gebräu mit höherem Kohlensäure-Gehalt, das in eigenen "Stangengläsern" kredenzt wird und sicher nicht nur Potsdamern schmecken wird, die den Namen spendeten.

Info
"Forsthaus Templin", Templiner Straße 102, 14473 Potsdam,  033209/21 7979,
Öffnungszeiten: So - Do 11 bis 23 Uhr, Fr - Sa 11 bis 1 Uhr

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MAZ 19.01.2004
VOR ORT : POTSDAM : AUF EINEN BLICK

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Im Frühjahr wollen Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler, Inhaber der jüngst eröffneten Braumanufaktur Forsthaus Templin, mit ihren Bierkreationen auf den Markt gehen. Deswegen präsentieren sie ihr "Lager" als Newcomer derzeit auf der Grünen Woche in Berlin. Es werde gut angenommen, aber große Geschäfte könnten sie damit nicht machen - die Standmiete sei zu hoch. "Aber wir haben auch noch Bierlikör mitgenommen; ein Rezept, welches ich im Emsland entwickelt habe", so Köhler. "Unser Lagerbier wird mit Zucker aufgekocht und später noch mit Weinbrand versetzt." Zu Showzwecken wird mit der "melkenden Kuh" abgefüllt, einer der ersten Abfüllmaschinen für Bügelflaschen - über 100 Jahre alt. "Die haben wir von der Brauerei Seibert aus Babelsberg gekriegt, der letzten Privatbrauerei in Potsdam", so Köhler. Auch die Bügelflaschen sind nicht gerade leicht zu beschaffen: "Es gibt nur noch ein Glaswerk in Deutschland, das diese herstellt - in Lohr am Main im Spessart", so Köhler. Neben Lager und Pils und den verschiedenen saisonalen Sorten wie Maibock und Erntedankfest-Bier wollen Köhler und Kirchhoff auch bald wieder die "Potsdamer Stange" herauszubringen

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Süffige Reise durch das Bierland Brandenburg

Berliner Morgenpost  18.01.2004

In Halle 21a auf der Grünen Woche zeigt sich die Mark von ungewohnter Seite

von Peter Schelling


Wohl bekomm's: Hansi Killer und Martl Strobl aus Bad Tölz versuchen sich am "Spreewälder Zwickel". Ein Bier, das scheinbar auch Bayern
überzeugt   Foto: Jäzosch

Berlin - Auf der Grünen Woche kann es für die Brandenburger Lebensmittelproduzenten nur ein Ziel geben: auffallen. Radigks Brauhaus aus Finsterwalde versucht es mit Roggenbier. Dunkel ist es und sämig, mit einem ganz eigenen, malzigen Geschmack. Dem etwa 60-jährigen Berliner mit Kapitänsmütze schmeckt es sichtlich. Das erste Glas ist geleert, er will eigentlich weggehen, wendet aber auf dem Absatz und aus dem schon leicht geröteten lächelnden Gesicht dringen die Worte: "Doch noch eins."

Dieses "Doch noch eins" könnte 2004 durchaus zum Motto der Brandenburghalle auf der Grünen Woche werden. Unter den Spezialitäten, die die märkischen Lebensmittelproduzenten in der Hauptstadt bekannt machen wollen, steht das Bier ganz weit oben. Oft ist es in kleinen, meist Gasthausbrauereien hergestellter Gerstensaft. Ganz neu ist die Produktion des Forsthauses Templin. Dort füllt Brauermeister Jörg Kirchhoff Bier mit einer etwa 100 Jahre alten Anlage ab. Die Flasche Lager mit Schnappverschluss kostet 2,50 Euro und will wegen geringer Haltbarkeit schnell getrunken werden. Aus dem Hahn rinnt es frisch gezapft. Und auch nach dem dritten Glas will es nicht schlechter schmecken.

Nebenher ist Kirchhoff hauptsächlich mit dem Vermeiden von Irrtümern beschäftigt. Auf die Frage, wo denn im uckermärkischen Templin ein Forsthaus stehe, muss er immer erklären, dass es Templin noch einmal gibt: zwischen Caputh und Potsdam. 3000 Euro kostet der kleine Stand das am 14. Dezember neu eröffnete Gasthaus an Miete. "Dieses Jahr machen wir das, um bekannt zu werden." Dass er wiederkommen wird, glaubt Kirchhoff zwar nicht, aber der Plan scheint aufzugehen: Für den Fotografen einer Nachrichtenagentur beißt der Mann mit dem urigen Bart in eine Gurke. Das Radio war schon da, der Termin fürs Fernsehen ist gebucht.

Und die Brauerliste ließe sich verlängern: Um Preußen-Pils aus Pritzwalk, Spreewälder Zwickel aus Schlepzig, oder das Frankfurter Pils zum Beispiel, das als Nachhut von Schultheiss dem Untergang gerade noch einmal entkommen ist. Wohl bekomms!

Wer zwischendurch Hunger bekommt, kann es ja mit einem "Brandenburger" versuchen. Der besteht aus einer Scheibe gehacktem Bio-Rindfleisch, eingeklemmt zwischen zwei Brötchenhälften, die unerwartet hart und überraschend gewürzt sind, begleitet von sauren Gurken und einem Salatblatt. Der Hackfleischklops hat Verwandte in den Vereinigten Staaten und stammt aus der Fleischerei Feindura in Reinickendorf. Das Fleisch immerhin kommt aus Zempow und so hat zumindest hier die Länderfusion bereits stattgefunden.

Fleisch, Wurst und zur Begleitung dienende Produkte wie Brot und Senf bilden einen zweiten Schwerpunkt der Brandenburghalle. Auch hier das Bemühen, besonders originell zu sein: "Straußenleberwurst, nur bei uns und in Südafrika. Sparnse Reisekosten", ruft der Verkäufer vom Stand des Kooperationsverbundes Elster-Röderland in der Niederlausitz. Gleich zwei Hersteller preisen Senf mit bemerkenswerten Geschmacksrichtungen wie Curry oder Pflaume an.

Bei etlichen ist das paradoxe Bemühen zu erkennen, ein traditionsreiches Brandenburger Produkt herzustellen, das es noch nicht gibt. Andere mühen sich, regionale Produkte, die auszusterben drohen, vor dem Untergang zu bewahren. So etwa das Teltower Rübchen, das im Kochstudio an der Bühne des RBB beworben wird, als wäre es der Erbonkel, der die ganze märkische Familie reich macht. Ein Stand widmet sich der uckermärkischen Tabakproduktion. Die überlebt auch nur durch Subventionen von der EU.

Gut, dass da noch ein paar Klassiker sind, auf die man sich verlassen kann: die Spreewälder Gurke etwa und Fruchtsäfte und Weine aus Werder, die Wildspezialitäten aus der Schorfheide und der Spargel aus Beelitz. Wobei nicht sofort einzusehen ist, was der eigentlich auf einer Pizza zu suchen hat. Aber auffallen tut es.

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