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Richtigstellungen: - pro Sud werden eingebraut: 4000
l = 40 hl, die Lagerkapazität im Keller beträgt: 40.000 l = 400 hl
- Braumeister Thomas Köhler stammt aus Potsdam und Braumeister Jörg Kirchhoff
stammt aus Kleinmachnow
12/2004
Kleinmachnower Zeitung
Braumanufaktur Braut für sich und andere
04.10.2004 Potsdamer Neuste
Nachrichten Da braut sich was
zusammen
02.10.2004 Berliner
Zeitung
Deftiges rund ums selbst gebraute Bier
02.10.2004 Berliner
Morgenpost
Wo Einstein dem Alltag davonsegelte
30.09.2004 Potsdamer
Neuste Nachrichten Hier braut
ein jeder sein eigenes Bier
11.09.2004 Märkische Allgemeine
Zeitung Jetzt auch Bier
mit Sanddorn
11.09.2004 Potsdamer
Neuste Nachrichten Energiespender von
außen und von innen
04.09.2004 Die Welt
selbst gebraut, frisch gezapft
01.09.2004 Berliner Morgenpost
selbst gebraut, frisch gezapft
9/2004
Brauerei Forum
Potsdamer Stangenbier
9/04
Deutsches-Handwerksblatt
Potsdamer Stange
Juli
2004 Brauwelt Nr. 35 (2004)
Mit dem Dampfer zum Forsthaus Templin
28.07.2004 Der Potsdamer
Stangenbier ist wieder da
25.07.2004
Potsdam am Sonntag
Traditionsbier wird im Forsthaus gebraut; Die "Stange" kehrt zurück
24.07.2004 Potsdamer Neuste Nachrichten
Potsdamer Traditionsbier wird ab heute im Forsthaus Templin ausgeschenkt
24.07.2004 Märkische
Allgemeine Zeitung
Neuauflage für den Flüssigsold; Braumanufaktur stellt Stangenbier her
Juni 2004
Werderscher Inselblick
Hoch lebe das Werdersch Bier
Juni 2004 Potsdam
en détail 2.Ausgabe 04 Bier von der Stange
19.05.2004 Berliner Morgenpost
Himmel-Fahrt ins Grüne
26.04.2004 Märkische Allgemeine Zeitung
Aus allem wird Wein
26.04.2004
Märkische Allgemeine Zeitung
Feucht-fröhliche Stimmung in Werders Obstgärten
26.04.2004 Potsdamer Neuste
Nachrichten Längster Festumzug
mit Jubiläum
26.04.2004
Potsdamer Neuste Nachrichten Zur
Baumblüte wird wieder Werdersches Bier gebraut
23.04.2004
Märkische Allgemeine Zeitung
Potsdamer Meister brauen neuen Werderschen Gerstensaft
23.04.2004 Berliner Zeitung
In Werder startet die große Sause: mit Obstwein, Puhdys und Rummelbuden
16.04.2004 Märkische
Allgemeine Zeitung
125. Baumblütenfest mit großem Umzug
Frühjahr 04 leben und
genießen in Potsdam Unterm Forsthaus
reift das Bier
12.03.2004 Märkische
Allgemeine Zeitung Hoch
lebe das "Werdersch Bier"
12.03.2004 Märkische Allgemeine
Zeitung Mit Hopfen und
Malz
12.03.2004
Potsdamer Neuste Nachrichten Theodor
Fontane und "die Werdersche"
12.03.2004 Potsdamer
Neuste Nachrichten Malzbetont und mild
gehopft
11.03.2004 Generalanzeiger
Werder
"Werdersches wird gebraut"
10.03.2004
Potsdamer Neuste Nachrichten Nach über
80 Jahren gibt es wieder Werdersches Bier
28.02.2004 Wochenmagazin
MAZ
Köstliches aus dem Zapfhahn
19.01.2004
Märkische Allgemeine Zeitung
Namen & Nachrichten
18.01.2004
Berliner
Morgenpost
Süffige Reise durch das Bierland Brandenburg
Kleinmachnower Zeitung 12/2004
Frisch gezapftes im „Forsthaus Templin“
Braumanufaktur
braut für sich und andere
Selbstgebrautes in kleinen Gasthäusern ist im Kommen.
Dieser Trend erobert auch Potsdam. Die jüngste Gasthausbrauerei der Stadt ist
die "Braumanufaktur Forsthaus Templin", und sie erfreut sich wachsender
Beliebtheit. Nachdem das Gebäude gut sieben Jahre verwaist war, polierten die
beiden Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler das 1834 eingeweihte und
unter Denkmalsschutz stehende Ausflugslokal wieder auf und eröffneten dort im
Winter 2003 ihre Braumanufaktur. "Unsere Unternehmensphilosophie beruht auf der
Kenntnis alter handwerklicher Brautraditionen und deren Umsetzung", sagen
Kirchhoffund Köhler.
Vier selbst gebraute Biersorten werden im "Forsthaus"
gezapft. Neben Pils, Weizen- und Lagerbier ist es vor allem die "Potsdamer
Stange". Dieses leicht süßliche Bier soll schon zu Zeiten Friedrich Wilhelms I.
und Friedrich des Großen durch Soldatenkehlen gelaufen sein. Eine weitere
Spezialität, der dunkle Weihnachtsbock, wird am 6. Dezember angestochen. Vor
drei Monaten eingebraut, wird er entsprechend dem Datum "Nikolator" heißen. Im
Brauhaus sind im Außerhausverkauf Flaschenbier (1 u. 2 Liter), Fassbier (10, 20,
30 und 50 Liter), Bierlikör und Bierbrand erhältlich. Auch andere Gaststätten
werden von der Braumanufaktur mit selbstgebrautem Bier versorgt. Gern erläutern
die beiden Brau- meister ihren Gästen bei einer Brauereiführung (möglichst
vorher anmelden!) die Braukunst der historischen Brauanlage. Jeden Mittwoch
finden um 19 Uhr auch ohne Voranmeldung kostenlose Führungen statt. Außerdem
veranstalten die Bierexperten Brauseminare. Im rustikalen urgemütlichen Gastraum
wird Deftiges, das zum Bier passt, serviert. Und das zu volkstümlichen Preisen -
alle Gerichte sind unter 10 Euro zu haben. Der Gastraum bietet bis zu 100
Personen Platz. Für Rollstuhlfahrer gibt es einen geeigneten Eingang und eine
Toilette. Für Gruppen und Familienfeiern werden auf Wunsch Tafeln
zusammengestellt und Büfetts kreiert.
Im Sommer ist der von Kastanien. überschattete Biergarten
ein Anziehungspunkt für viele Ausflügler, Wanderer und Radler. Im Januar ist die
Braumanufaktur mit einem Stand auf der Grünen Woche vertreten und zeigt dort
einen historischen Flaschenfüller. La.
Öffnungszeiten: täglich 11-23 Uhr; Fr. -Sa. 11-1 Uhr
Braumanufaktur Forsthaus Templin, 14473 Potsdam, Templiner Straße 102, Telefon:
(033209) 217979; FAX: (033209) 217980; E-Mail/Intemet thomas@ braumanufaktur.de,
joerg@braumanufaktur.de,
www.braumanufaktur.de

PNN 4.10.04
Da braut sich was
zusammen
Die Braumanufaktur Forsthaus Templin lud am Wochenende unter fachmännischer
Anleitung zum ersten Brauseminar ein
Ehe es ans Molle stemmen gehen konnte, war an diesem Wochenende erst einmal
geradezu abstinenter Fleiß gefragt. Die beiden Braumeister Thomas Köhler und
Jörg Kirchhoff hatten zum ersten Potsdamer Brauseminar ins Forsthaus Templin
eingeladen und vier „Lehrlinge“ waren gekommen. „Im Februar startet ein neues
Seminar und dafür gibt es auch schon wieder Anmeldungen. Die Höchstzahl sind
zehn Teilnehmer, sonst wird es zu eng“, meint Kirchhoff.
Wer
aber nimmt an einem solchen Seminar teil? Es geht tatsächlich ums Bierbrauen für
den Hausgebrauch. Der Geschäftsführer von Biomalz Teltow Hartwig Striemer wollte
allerdings auch gleich noch testen, welche Zusammenarbeit es zwischen den
Bierbrauern und seinem Malzprodukt geben kann. Wer z.B. für das Heimgebräu die
ganzen Vorbereitungen vom Schroten bis zum Läutern scheut, könnte im Prinzip
auch einen vorbereiteten Malz- und Hopfensud einsetzen.
Die Brauseminarteilnehmer wollten allerdings von der Pike auf lernen. Und
selbst gemacht ist selbst gemacht, das gilt nicht nur für Mutters Kuchen und
Marmeladen, sondern auch für Papas Bier, fanden jedenfalls Seminarteilnehmer
Falk Moepert aus Zühlsdorf und Dirk Kotte aus Teltow. Vierter im Bunde war Azubi
Thomas Krüger, der ein Biotechnologiestudium anvisiert.
Am Freitagnachmittag begann das Brauseminar im Forsthaus Templin mit
Rohstoffkunde und der Theorie des Bierbrauens. Man konnte sich auch anschauen,
wie es die Profis machen und die legen ein paar Literchen mehr vor als ihre
Lehrlinge, die an großen für Brauzwecke umgebauten Kochtopf übten. 4000 Liter
pro Sud können in der Braumanufaktur Forsthaus Templin angesetzt werden. Während
in Zeiten städtischer Events, die auf Nachfrage beliefert werden, sogar zweimal
in der Woche ein Sud angesetzt wurde, ist man jetzt beim 14-tägigen Rhythmus.
„Wir müssen uns erst einmal überall bekannt machen“, sagt Kirchhoff und weist
auf allerlei Neues hin. Am 6. Dezember soll der dunkle Weihnachtsbock
angestochen werden, der dem Datum entsprechend „Nikolator“ heißen soll. Auch ein
Sanddornbier ist in Arbeit. Auf diese Idee ist man zusammen mit Christine Berger
gekommen, die die organgenen Früchte in allerlei Form vertreibt. Nun wird noch
an der erweiterten Flaschenabfüllung des Eigenbräus gebastelt. Dafür haben die
beiden Braumeister alte Abfüllanlagen auf Vordermann gebracht, so dass sie hier
ebenfalls auf Eigenbetrieb setzen. Die Potsdamer Stange hat sich schon gut
eingeführt und auch das nach alten Rezepten und mit Werderaner Wasser gebraute
Bier zur Baumblüte war ein Renner.
Sozusagen mit allen Wassern gewaschen und nicht nur mit dem fürs Bierbrauen,
sind die beiden Braumeister also gute Lehrmeister in allen praktischen Fragen,
als da sind Schroten des Getreides, ansetzen der Maische mit vorgewärmtem
Wasser, Läutern der „Pampe“ - also Trennen der festen und flüssigen Bestandteile
des Suds und schließlich das Würzekochen mit dem Hopfen. Nach dem Abkühlen des
Suds über Nacht kommt dann die Hefe dazu. Nach der Arbeit durfte dann erst
einmal Bier getrunken werden so lange der Magen wollte. Auch wenn das
Eigengebräu erst in vier Wochen fertig ist, Bier gab es im Forsthaus natürlich
genug, nicht nur für die Braulehrlinge, sondern auch für die anderen Gäste, die
per Bus kamen. Im Sommer will die Weisse Flotte wieder den Anleger am Freibad
anfahren und zusätzlich Schiffsladungen von Biertrinkern ins Grüne entlassen.
Obwohl im Forsthaus offenbar gern gefeiert wird, am Sonnabend war der obere Raum
zum Beispiel für einen 70. Geburtstag reserviert, kann sich die Braumanufaktur
von den eigenen Gästen allein nicht über Wasser oder sollte man sagen, übers
Bier halten. Die beiden Forsthausbesitzer leben auch vom Verkauf des Eigenbräus
an andere Gaststätten. Vier Biersorten sind im Angebot, darunter die Potsdamer
Stange, ein liebliches Bier, für das es noch alte Rezepte gibt, das aber zu
DDR-Zeiten so gut wie nicht mehr gebraut wurde.
Den Sonntag gingen die Lehrgangsteilnehmer dann ruhig an. Es durften
verschiedene Biersorten verkostet werden, dazu auch ein Bierlikör und ein
Bierbrandy - vorausgesetzt man war nicht mit dem Auto da. Danach gab es noch
einen Vortrag über den Eigenbau von Sud, Gär- und Lagergefäßen, denn es muss ja
nicht immer alles superneu und teuer sein. Wie das am Wochenende selbstgebraute
Bier schmeckt wird nach vier Wochen probiert. Man trifft sich. Wo? Im Forsthaus
Templin natürlich.
Geöffnet ist So bis Do von 11 bis 23 Uhr, Fr + Sa von 11 bis 1 Uhr

Berliner Zeitung 02.10.2004
Ressort: Lokales , Autor: Heiner Hein, Seite: 24
Schmackhafter Ausflug
Deftiges rund
ums selbst gebraute Bier
Gut
sieben Jahre war das "Forsthaus Templin" in Potsdam verwaist. Die Braumeister
Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler haben dem 1834 eingeweihten Ausflugslokal zu
neuem Glanz verholfen und als Braumanufaktur eröffnet. Aus vier Hähnen wird hier
selbst gebrautes Potsdamer Stangenbier, Pils, Weizen- und Lagerbier gezapft.
Kürzlich wurde der Weihnachtsbock eingebraut, der nun drei Monate bis zum
Anstich am Nikolaustag lagert.
Serviert werden deftige Gerichte, die zum Bier passen. Für den kleinen Hunger
gibt es Wildknacker mit Braunbiersauerkraut oder Treberbrot und Biersenf (je
4,20 Euro). Bierkutschersteak mit Bratkartoffeln, in Bier eingelegten
Zwiebelringen und Salat kostet 8,60 Euro, das Wildgulasch 9,60 Euro. Nicht
fehlen dürfen das Berliner Eisbein mit Sauerkraut sowie die Grillhaxe (je 8,90
Euro). In verschiedenen Portionen gibt es Bauernfrühstück mit Schinken, Zwiebeln
und Gewürzgurke (5,50 oder 6,50 Euro) sowie die Salate mit ofenfrischem
Treberbrot (3,10 oder 5,50 Euro). Für Brokkoliauflauf mit Mandelsplittern und
Käsekruste zahlt man 6,50 Euro.
Fisch-Liebhaber finden in der Karte Zanderfilet in feiner Dillsauce (9,80
Euro) und Matjesfilet mit Zwiebelringen, Kräuterremoulade und Bratkartoffeln
(7,90 Euro). Eine herzhafte Brotzeit mit Bauernschinken, Blut- oder Leberwurst
oder mit Käse kostet 3,60 Euro.
Empfohlen sei auch das etwas andere Dessert: Eisbecher mit Bierlikör (4,80
Euro). Wer den Braumeistern als erster Gast diesen Beitrag in die Hand drückt,
bekommt als Geschenk eine Bügelflasche Potsdamer Stange und eine Flasche
15-prozentigen Bierlikör.
Am 3. Oktober gibt es von elf bis 14 Uhr eine Führung durch die Brauerei. Man
kann aber auch spazieren gehen. In 15 Minuten ist man in Caputh mit der im
italienischen Stil erbauten Dorfkirche und dem einstigen Lustschloss des Großen
Kurfürsten von 1662.
Die Braumanufaktur in Potsdam, Templiner Straße 102, ist täglich ab 11 Uhr
geöffnet. Telefon: 033209/21 79 79.

Berliner Morgenpost 2.10.04
Wo Einstein dem
Alltag davonsegelte
Fahrradtour einmal rund um den Schwielowsee - durch malerische Natur und
geschichtsträchtige Dörfer
Von Dieter Weirauch
Auf der Suche nach dem Indian Summer im Havelland. Es soll ihn geben! Begeben
wir uns also einmal auf die Suche. Ausgangspunkt der Radtour ist der Potsdamer
Hauptbahnhof.
Vor dem Bahnhof, auf der rechten Seite bleiben die Freundschaftsinsel und das
hohe Hotel Mercure liegen, überqueren wir die Straße und folgen der Leipziger
Straße Richtung Hermannswerder. Wir fahren aber nicht durch das backsteinerne
Tor auf die Insel, sondern halten uns auf dem Radweg entlang der Templiner
Straße.
Rechts der freie Blick auf den Templiner See, links die von Preußenkönig
Friedrich Wilhelm IV. 1855 nach dem Vorbild des Heiligen Grabes in Jerusalem
angelegte Marienquelle, geht die Fahrt bis zum Forsthaus Templin mit Potsdams
neuester Gasthausbrauerei.

Dort warten die Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler auf Gäste. Wer
will, lässt sich durchs Brauhaus führen. Die Braumanufaktur befindet sich in
einem historischen Ort, in dem schon der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck
als Student einkehrte. Treberbrot mit Wurst, Gurke und Butter kostet 3,60 Euro,
Pils 1,80 Euro (tgl. 11-23 Uhr, www.braumanufaktur.de).
Kaum 500 Meter weiter sind wir schon in Caputh. Links hinter dem Ortseingang
führt ein Weg zum Einsteinhaus, in dem Albert Einstein zwischen 1929 und 1932
den größten Teil des Jahres verbrachte. Von dort aus segelte er zu seinen
Lieblingsplätzen am Schwielowsee. Seinen Sohn Eduard lud er mit den Worten ein:
"Komm nach Caputh und pfeif' auf die Welt." Das braun gebeizte Haus mit den
weißen französischen Fenstern, das der Bauhaus-Architekt Konrad Wachsmann baute,
wird gerade restauriert und soll 2005 wiedereröffnet werden.
Wir fahren rechter Hand weiter zum 1662 erbauten Schloss Caputh, gehen durch den
kleinen Park mit dem Kavalierhaus und bestaunen vom Steg aus den Schwielowsee.
Fontane geriet auf seinen berühmten Wanderungen durch die Mark beim Anblick des
Sees, ins Schwärmen. "Der Schwielow ist breit, behaglich, sonnig und hat die
Gutmütigkeit aller breit angelegten Naturen", schrieb der Dichter und schilderte
"vier Gebilde aus Menschenhand, die sich in seine Ufer kuscheln" - die Dörfer
Caputh, Ferch, Petzow und Geltow. Und wir sehen erste Spuren von Herbstfärbung.
Vorbei an der 1852 von Friedrich August Stüler erbauten Kirche, in der es an den
Wochenenden Konzerte gibt, fahren wir nach rechts an einer Umleitung vorbei
weiter zur Fähre, die Caputh mit Geltow verbindet. Den schönsten Blick bieten
Bänke an der Promenade oder ein Veranda-Platz des Restaurants "Fährhaus Caputh"
(Tel.: 033209/70203, geöffnet an den Wochenenden).
Dem See folgen wir entlang der Promenade, kommen am Bahnhof Caputh/Schwielowsee
vorbei und sind nach etwa drei Kilometern im idyllischen Dorf Ferch.
Rechts sieht man den sechs Kilometer breiten und zweieinhalb Kilometer langen
Schwielowsee. Eine Besonderheit: Im Landhaus Ferch (www.landhaus-ferch.de) kann
man Fotografien der Inhaberin Diana von Bohlen bewundern und kaufen. Zu essen
gibt's im Landhaus-Restaurant Fisch, u.a. Zanderfilet (12,80 Euro).
Immer am Wasser entlang kommen wir in den Ortskern des alten Fischerdorfes und
sehen von weitem den Turm der Dorfkirche. Der schlichte Fachwerkbau wird auf der
westlichen Seite von einem quadratischen Turm überragt. Eine mit Wolken bemalte
Holztonnendecke, die Hufenempore, der Kanzelaltar und ein Taufengel prägen das
Innere der Fischerkirche.
Am Wasser entlang geht es dann zurück in den Ort zum Bonsaigarten von Tilo
Graggert in der Fercher Straße 6. Neben Bonsais aller Art werden auch
Accessoires für einen asiatischen Garten und Tees angeboten (geöffnet bis 30.
Okt. Di-So 10-18 Uhr, Tel.: 03 32 09/7 21 61).
Entlang des teilweise fertig gestellten Europaradweges, der von Belzig nach
Potsdam führt, geht es nach Petzow. Im Schloss machen wir Pause. Die Familie von
Kähne, die auch mehrere Ziegeleien betrieb, ließ das Schloss 1825 nach Plänen
von Karl Friedrich Schinkel bauen. Peter Joseph Lenné entwarf die 15 Hektar
große Parkanlage mit dem Hausteich in der Mitte. Zurzeit ist das Restaurant
unter der Woche wegen Fernseh-Dreharbeiten geschlossen, am Wochenende bietet es
z. B. Apfelstrudel für 2,50 Euro, an (www.schlosspetzow.de). Schinkel entwarf
auch die Petzower Kirche. Einen schönen Blick auf die umliegenden Orte hat man
vom Turm (geöffnet am Wochenende von 11 bis 17 Uhr).
Nach wenigen Metern auf der Fercher Straße erreichen wir den
Frucht-Erlebnisgarten von Christine Berger. Der Hofladen bietet vor allem
Sanddornprodukte, Marmelade, Käse, Obst und Gemüse an (tgl. 10-18 Uhr, Tel.: 0
33 27/4 69 10. www.sandokan.de).
Vorbei an der riesigen Baustelle des künftigen Ferienresorts Schwielowsee und
dem Hafenrestaurant "Ernest" (tgl. 12-24 Uhr, Tel.: 0 33 27/73 27 08,
Brandenburger Erdapfelsuppe für fünf Euro) und vorbei an der bunten Laubfärbung
auf dem Geltower Franzesberg radeln wir zurück in Richtung Potsdam.
Über die Baumgartenbrücke geht's durch Geltow und auf dem Radweg entlang der
Bundesstraße 1 (Zeppelinstraße) bis zur Breiten Straße. Dort rechts abbiegen und
über die Lange Brücke zurück zum Potsdamer Stadtbahnhof.

PNN 30.09.2004
Hier braut
ein jeder sein eigenes Bier
Im Forsthaus Templin bietet die Braumanufaktur neue Seminare an
"Unsere
Unternehmensphilosophie beruht auf der Kenntnis alter handwerklicher
Brautraditionen und deren Umsetzung.", sagt Jörg Kirchhoff, Inhaber vom
Forsthaus Templin. Der Braumeister ist bereit diese Kenntnisse weiter zu geben -
gegen ein entsprechendes Entgelt, versteht sich. Für einen Preis von 150 Euro
pro Person bietet Kirchhoff vom 1. bis zum 3. Oktober ein Brauseminar an,
nachdem jeder aufmerksame Teilnehmer in der Lage sein soll, "zu Hause selber
Bier zu brauen". Dieser ungewöhnliche Workshop beginnt mit einer Besichtigung
der historisch nachempfundenen Brauanlage. Danach folgt eine theoretische
Einweisung. Ganz konkret wird es dann schon bei der Einteilung der Sudgruppen.
Am Samstag geht es früh um 9 Uhr mit Vorbereitungsarbeiten los: Maischen und
Läutern sind danach keine Fremdbegriffe mehr. Nach getaner Arbeit spielt die
Coverband "The West" auf. Am Sonntag wird dann verkostet. Während des Seminars
soll jeder Teilnehmer sein eigenes Bier brauen.
Foto: Braumanufaktur
-Braumanufaktur Forsthaus Templin, Templiner Straße 102,14473 Potsdam. Um
telefonische Vorbestellung unter 033209/217979 wird gebeten. Weitere Infos unter
www.braumanufaktur.de

MAZ 11./12.September,
Potsdamer Landkurier
Jetzt auch Bier mit Sanddorn
"Zitrone des
Nordens" wird auf 25 Hektar geerntet / Hoffest in Petzow
ANDREAS KAATZ
PETZOW Sie leuchten schon von weitem - die orangen Beeren an den
Sanddornsträuchern. Erntezeit auf den Plantagen der Christine Berger GmbH & Co.
KG in Elisabethhöhe in Glindow. Die zweijährigen Äste werden geschnitten, in die
Tiefkühlzelle gebracht und anschließend von den Beeren befreit, die dann bis zur
Verarbeitung ihren Schlaf bei tiefen Minusgraden fortsetzen. Später werden aus
ihnen beispielsweise Sanddornsäfte, -liköre, -marmeladen, -tee und - seit
gestern erstmals erhältlich - Bier.
Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff von der
Braumanufaktur in Potsdam haben 100 Liter des überaus gesunden Getränks aus Saft
und naturtrübem Bier angesetzt. Zur Grünen Woche wollen sie es der breiten
Öffentlichkeit vorstellen, dann bereits haltbar gemacht und in Flaschen
abgefüllt.
Den diesjährigen Erntebeginn hatte auch Ministerpräsident Matthias Platzeck in
seinen Wahlkampftourkalender aufgenommen - "wegen einer außergewöhnlichen Frucht
und einer außergewöhnlichen Frau". Lob für Christine Berger. Die Petzowerin
hatte sich vor über zehn Jahren dem Sanddorn gewidmet, der mittlerweile auf 25
Hektar angebaut wird - Tendenz steigend. 18 feste Arbeitsplätze gibt es in ihrem
Betrieb, davon 16 von Frauen besetzt. Platzeck spricht von einer
Erfolgsgeschichte, werde doch die "Zitrone des Nordens" hier nicht nur angebaut,
sondern auch verarbeitet und verkauft. Eine Werbung für das Land Brandenburg,
das - ebenso wie die EU - die Firma mit Fördermitteln unterstützt hat. Wie
Christine Berger sagte, verkaufe sie ihre Produkte, 50 unterschiedliche Artikel
sind es mittlerweile, deutschlandweit, insbesondere an der Ostseeküste. Darüber
hinaus gibt's erste Lieferungen nach Finnland, Österreich und Frankreich. Und
sie will demnächst auch auf Messen in Polen und Ungarn präsent sein.
Ein Highlight auf dem Petzower Gelände ist seit einiger Zeit der
Frucht-Erlebnis-Garten und neuerdings auch die Orangerie, aus der die Besucher
einen herrlichen Blick auf den Glindowsee genießen können. Wer will, schon heute
und morgen während des Sanddornerntefestes. Ab 11 Uhr wird nach Petzow
eingeladen zu Sanddornbrunch, Führungen durch den Frucht-Erlebnis-Garten und
Fahrt zu den Plantagen (13-15 Uhr), Weinverkostung (14 Uhr), Lesungen für Groß
und Klein (16 Uhr) und zu Naturmalerei für die jungen Gäste (11 Uhr).

11.09.04 PNN
Energiespender von außen und
von innen
Zur Eröffnung der
Sanddornernte verriet Matthias Platzeck, warum er auf die kleinen Früchte
schwört
Werder · Petzow - Als ein großer Sanddorn-Fan gab sich Ministerpräsident
Matthias Platzeck (SPD) gestern im Petzower Fruchterlebnisgarten von Christine
Berger zu erkennen. Ob Sanddorn im Duschmittel oder als Energiespender im
Saftglas – das helfe auch beim Wahlkampf, verriet er schmunzelnd. Gekommen war
er, um offiziell mit einem gekonnten Astabschnitt die brandenburgische
Sanddornernte zu eröffnen. „Eine außergewöhnliche Frucht, genauso wie Frau
Berger eine außergewöhnliche Frau ist“, betonte Platzeck mit Blick auf die
mutige Unternehmerin. 1998 übernahm sie das alte Gewächshausareal unterhalb der
Petzower Kirche und eröffnete dort einen kleinen Hofladen. Hinzu kamen eigene
Produktionsstätten, ein Spezialitätenmarkt und nun auch eine Orangerie mit
Terrasse und Blick auf den Glindower See, in der allerhand Gaumenfreuden
angeboten werden. Im Mittelpunkt immer der sehr vitaminreiche Sanddorn, der in
den vielfältigsten Formen erscheint.
Gestern testete der Ministerpräsident
gemeinsam mit Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) erstmals das im Templiner
Forsthaus frisch gebraute Sanddornbier: ein völlig neues Geschmackserlebnis.
Leckereien wie Tranchen von pochierter Sanddorn-Poulardenbrustroulade oder in
Wiesenheu und Sanddornwein gesottene Schweinemedaillons lockten auf dem
speziellen Brunchbüfett. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wovon sich
auch die Gäste des Sanddorn-Erntefestes am Wochenende überzeugen können.
Was Platzeck besonders freute: Seit Firmengründung wurden im
Fruchterlebnisgarten 18 feste Arbeitsplätze geschaffen. Zudem funktioniere die
Kette von der Produktion über die Verarbeitung bis zur Vermarktung vorbildlich.
So bleibt die Region Werder wohl auch künftig die Sanddornhochburg Brandenburgs.
Gegenwärtig wird der Vitaminspender im gesamten Land auf etwa 300 Hektar
angebaut, der „Löwenanteil“ davon wächst bei Glindow. Hagen Ludwig

Berliner Morgenpost 01.09.04
Die Welt 04.09.04
selbst gebraut,
frisch gezapft
Brauereien in Gasthäusern werden immer beliebter. Eine
„Potsdamer Stange“ genießen und Roggenbier aus Finsterwalde kosten.
VON DIETER WEIRAUCH
Selbstgebrautes
in kleinen Gasthäuern ist im Kommen. "Die Leute wollen wissen, wie Bier
hergestellt wird", begründet Braumeister Jürgen SoIkowski von der Meierei im
Potsdamer Neuen Garten das große Interesse an seinen Führungen. Auch in den
anderen 16 öffentlich zugänglichen Brauereien im Land Brandenburg gehören
Rundgänge zum Angebot. Zehn sind so genannte Gasthausbrauereien.
Die
jüngste, die Braumanufaktur Forsthaus Templin, zwischen Potsdam und Caputh
gelegen, eröffnete im vergangenen Winter und erfreut sich wachsender
Beliebtheit. Auch dank der "Potsdamer Stange", die die beiden Braumeister Jörg
Kirchhoff und Thomas Köhler nach Jahrzehnten wieder aufleben ließen. Leicht
süßlich schmeckt das Bier, es ist trübe, prickelt und erinnert ein bisschen an
Hefeweizen- Schon zu Zeiten Friedrich WilheIms I. und Friedrich des Großen soll
es durch Soldatenkehlen gelaufen sein, das Potsdamer Stangenbier, als "flüssiger
Sold" sozusagen.
Fünf Wochen dauert der Brauprozess, bei dem die so genannte kalte Gärung zur
Anwendung kommt.
Hergestellt wird das sehr kohlensäurehaltige Bier streng nach dem deutschen
Reinheitsgebot: Die Zutaten bestehen nur aus Wasser, Malz und Naturdoldenhopfen
aus Baden- Württemberg. Ausgeschenkt wird in traditionellen stangenförmigen
Gläsern, die dem Getränk ihren Namen gaben. Im nächsten Jahr soll die "Potsdamer
Stange" auch in der Bügelflasche im Handel erhältlich sein.
Eine andere Bierspezialität gibt es im Süden Brandenburgs.
In Radicks Brauhaus in Finsterwalde steht Roggenbier auf der Getränkekarte.
Dunkel ist es und sämig, mit einem eigenen, malzigen Geschmack. Bereits in
fünfter Generation betreiben die Radicks die Gastwirtschaft, die Brauerei kam
1997 dazu. Jeden Mittwoch gibt es Schaubrauen und nach Anmeldung eine Führung.
Marke Eigenbräu entsteht auch im Krongut Bornstedt, wo, wenn's geschmeckt hat,
der "Bornstedter Büffel" in Siphons mit nach Hause genommen werden kann. Gebraut
nach dem Reinheitsgebot und dem Motto "Hopfen und Malz, Gott erhalt's", erfreut
sich das Bier, welches Torsten Römer im Landgasthaus "Zum Grünen Strand der
Spree" in Schlepzig - (Spreewald) braut. Das Haus ist auch auf
Übernachtungsgäste vorbereitet. Gastlich geht es auch in der Brauerei von
Andreas und Thomas Kircher in Drebkau (Lausitz) zu. Die Brauhaus Küche
präsentiert ihren Gästen ein Angebot an deftigen Speisen.
Führungen bieten auch einige der "Großen" im Lande, die Klosterbrauerei Neuzelle
oder die seit 1867 existierende Brauerei Dessow bei Kyritz (hier kann auch eine
Dampfmaschine aus dem Jahr 1917 besichtigt werden) an. Das Brauhaus Preußen in
Pritzwalk lädt in der brauereieigenen Gaststätte „Alte Mälzerei“ ein. Im
Lagerkeller wurde ein sehenswertes Stadt- und Brauereimuseum eingerichtet.

Brauerei Forum 9/2004
Potsdamer Stangenbier
Zylindrische Spezialgläser
27 cm hoch, Inhalt 0,6 bzw. 0, 7l. Gemäß "Preußischer Maaß- und Gewichtsordnung“
des Norddeutschen Bundes von 1868 betrug der neu eingeführte "Preußen-Liter" 690
cm³, damit weniger als die seinerzeit vertraute bayerische Maß mit 1069 cm³.
Potsdamer Stangenbier
Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Königsbrauerei Potsdam den Betrieb
eingestellt. 1829 bekam das Brauwesen in der Teltower Vorstadt neue Impulse
durch die Errichtung der Brauerei Adelung & Hoffmann. Die Brauer Wilhelm Adelung
und Albrecht Hoffmann hatten ab 1826 in München studiert, wo sie von Gabriel
Sedlmayr ein lobendes Zeugnis bekamen. Die neue Brauerei hatte die Aufgabe
"bairisches Lagerbier“ in Norddeutschland zu brauen. Das Potsdamer Stangenbier
war eine Erstentwicklung der Brauerei: Man füllte eine Mischung aus fertig
gereiftem Lagerbier und unfiltriertem Jungbier in Flaschen. Damit erhielt man
ein alkoholreiches in der Flasche vergorenes stark schäumendes "bairisches
Bitterbier".
Ab ca. 1850 kam das Bier in den Vertrieb und wurde auch in der 1851 errichteten
Terrassengaststätte" Wackermannshöhe" aus. geschenkt. Dazu wurden die o.g.
Stangengläser verwendet. Bis nach 1930 wurde das Potsdamer Stangenbier noch
produziert, ehe es in Vergessenheit geriet.
Es gab danach noch zwei Versuche zur Stangenbierherstellung:
1968 wurde im Rahmen einer Arbeitsgruppe des damaligen Braukombinates Potsdam
ein Wirtschaftspatent „Verfahren zur Herstellung eines Vollbieres Deutsches
Pilsner mit erhöhtem Kohlensäuregehalt" erarbeitet. Es sollte zur Eröffnung des
Interhotels Potsdam an der Langen Brücke in den Handel kommen. Probleme bei der
Bügelflaschenbefüllung sowie geringe Absatzmengen zur baldigen Einstellung der
Produktion.
Die Kindl-Brauerei Neukölln
stellte in den 70er Jahren ein Stangenbier her, welches nach einiger Zeit wieder
vom Markt genommen wurde. Es war ein leichtes, obergäriges Schankbier und wurde
in 18 cm hohen Stangengläsern mit 0,3 l Inhalt ausgeschenkt.
So bleibt zu hoffen, dass
die Potsdamer Gasthausbrauereeien „Meierei im neuen Garten“ und „Braumanufaktur
Forsthaus Templin“ die Tradition des Potsdamer Stangenbieres weiterführen.
Michael Weidner

Deutsches
Handwerksblatt-Magazin 9/04
Potsdamer Stange
Thomas
Köhler (r.) und Jörg Kirchhoff wandelten das historische "Forsthaus Templin" am
Rande der Landeshauptstadt in eine Braumanufaktur um und bieten hier neuerdings
die "Potsdamer Stange" an, ein untergäriges Bier, wie es schon zu alten Zeiten
in Potsdam ausgeschenkt wurde.
Die beiden Braumeister, die aus der Region stammen, lernten ihren Beruf einst im
Potsdamer Getränkekombinat. Auch wenn sie sich zwischenzeitlich fernab der
Heimat den Wind um die Nase wehen ließen, zog es sie nach Potsdam zurück. Jeden
Mittwoch bieten die engagierten Jungunternehmer kostenlose Brauereiführungen
anund auf ihren Internetseiten (www.braumanufaktur.de)
zeigen sie auch, wie intensiv sie sich mit der Geschichte der historischen
Ausflugsgaststätte beschäftigt haben.

Brauwelt Nr. 35 (2004) S.1068
Deutscher Brau- und Malzmeisterbund LG Berlin-Brandenburg
Mit dem
Dampfer zum Forsthaus Templin
Sommerausflug am 10.07.2003
Trotz vorherigen unbeständigem Wetter trafen sich 104 Mitglieder nebst
Partner(innen) der Landesgruppe Berlin-Brandenburg am Samstag, den 10.07.2004
zum traditionellen Sommerausflug am Schiffsanleger in Wannsee. Unentwegte
enterten sofort das Oberdeck und genossen Wind, Sturm, Sonne und natürlich die
schöne Sicht auf die Pfaueninsel, Schloss Glienicke, die Durchfahrt der
Glienicker Brücke und Potsdam mit der Freundschaftsinsel und der alten
Stadtmauer. Vom Schiff aus boten sich völlig neue Perspektiven. Für die flüssige
Bordverpflegung hatte die Kindl-Brauerei gesorgt. Vorbei an Hermannswerder ging
es durch den Templiner See bis nach Caputh. Hier begann nun die geführte
Wanderung mit fachkundigen Erklärungen durch unser Mitglied Friedrich-Wilhelm
Reinhardt. Nach Besichtigung des Schlosses Caputh und der Dorfkirche ging es
vorbei an dem zur Zeit in Renovierung befindlichem Einsteinhaus, weiter zur
Marienquelle schnurstracks durch den Wald zum Forsthaus Templin.
Hier wurden wir
sehr herzlich durch unser Mitglied Jörg Kirchhoff begrüßt, der zusammen mit
seinem Partner Thomas Köhler aus dem heruntergekommenen Ausflugslokal eine
schmucke Gastwirtschaft mit integrierter Hausbrauerei geschaffen hat.
Erwähnenswert ist der Mut, das Engagement und die liebevolle Einbringung
traditioneller Gerätschaften in einen hochmodernen Betrieb. Neben gegrillten
Spezialitäten war der Genuss des spritzigen Weizenbieres und dem süffigen Lager
im Garten überzeugend und bot viel Anlass zu Gesprächsstoff. Nach Erfüllung der Regularien konnte auch der Mitinhaber Thomas Köhler als neues Mitglied in die
Landesgruppe aufgenommen werden. Nach ausgiebigem Essen und Trinken blies "
Fritze Reinhardt" zum Aufbruch und wanderte mit einer großen Schar durch die
Potsdamer Heide mit wunderschönen Blicken auf Potsdam zum Bahnhof.. Manche
genossen noch die Gastfreundschaft und das kühle Bier und fuhren der
Wandergruppe mit dem Linienbus hinterher. Für viele wird die "Braumanufaktur
Forsthaus Templin" sicherlich bald mal wieder ein lohnendes Ausflugziel sein.
Ein herzliches Dankeschön an die rührigen Gastgeber Kirchhoff und Köhler für
diesen wunderschönen Tag.
Jörg-Peter Jeroch

Der Potsdamer
28.7.2004 Nr. 31
Stangenbier ist wieder da
Potsdam.
In der Braumanufaktur im Forsthaus Templin wird historisches Potsdamer Bier seit
dem vergangenen Samstag wieder ausgeschenkt. Die beiden Geschäftsführer Thomas
Köhler (Foto) und Jörg Kirchhoff, Braumeister von Beruf, entdeckten die
Originalrezepte der „Potsdamer Stange“ wieder. Sie übernahmen dieses spezielle
Bier als dritte Biersorte in ihre Produktion. Die Geschäftsmänner und
Braumeister beschäftigten sich intensiv mit der Geschichte des Bieres, welche
bis zur Zeit des Soldatenkönigs zurück reicht. In Potsdam wurde diese Biersorte
zuletzt vor über 30 Jahren kurzzeitig gebraut und ausgeschenkt. Auf Grund der
starken Schaumbildung beim Ausschank benutzte man ein hohes stangenähnliches
Glas, worauf letztlich die Bezeichnung zurück zuführen ist. Diese Biersorte wird
nun zum Preis von 2,90 Euro für ein halbes Liter in der Braumanufaktur verkauft.
Wer ein Stangenglas erwerben möchte, kann es für 3,00 Euro erhalten.
Das Potsdamer Stangenbier soll nicht nur in der Braumanufaktur im Forsthaus
Templin verkauft, sondern auch in der regionalen Gastronomie als Potsdamer
Spezialität angeboten werden. Eine Flaschenabfüllung in Bügelflaschen ist für
die nähere Zukunft geplant.

25.07.2004
Potsdam am Sonntag
Traditionsbier wird im Forsthaus Templin gebraut
Die „Stange“ kehrt zurück
Potsdam
(PamS/Hoh.). Die beiden Braumeister Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler, die
das Forsthaus Templin betreiben, wollen ein Traditionsbier wieder in der Stadt
heimisch machen: Die "Potsdamer Stange". Seit dem gestrigen Samstag wird es
wieder im Ausflugslokal gebraut. Es war schon seit dem 18. Jahrhundert in der
vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. eingerichteten Königsbrauerei am
Brauhausberg hergestellt worden. 1829 ging diese in den Besitz von Adelung und
Hoffmann über, dann wurde sie Teil der Berliner Kindl Brauerei. Hier wurde die
"Stange" noch bis in die 30er Jahre produziert.
Das stark kohlendioxidhaltige, perlende Bier, indem ein hineingeworfenes
Reiskorn "tanzen" muss, wird von den beiden Braumeistern in einer Variation
hergestellt, die spritziger und weniger bitter ist als die Vorgängersorten. Die
üppige Schaumbildung des leicht trüben Kräusen(Jung)bieres verlangt hohe Gläser,
so genannte Stangen, denen das Getränk den Namen verdankt. Der halbe Liter
kostet 2,90 Euro - ebenso viel wie das Pilsner und Lager, das im Forsthaus
gebraut wird. Die Braumeister streben an, die "Stange" an andere Gastronomen zu
liefern. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Auch können die Gäste
das Getränk in Edelstahlfässchen mitnehmen.
Die Weiße Flotte will den Potsdamern den Weg zur "Stange" erleichtern. Ihre
Chefs Jan Lehmann und Jörg Winkler kündigten an, dass sie den Steg nahe dem
Forsthaus Templin in der nächsten Saison wieder in den Linienverkehreinbeziehen
wollen.

PNN 24.7.04
Bier von hier; Die
„Stange“ kehrt zurück
Potsdamer Traditionsbier wird ab heute im Forsthaus Templin
ausgeschenkt
Von Sabine Schicketanz
 Heute
Abend um 19 Uhr sticht am Hafenbecken der Weissen Flotte die „Charlottenhof“ in
See. Sie nimmt kostenlos alle Interessenten mit, die im Forsthaus Templin den
Anstich der „Potsdamer Stange“ miterleben wollen. Michael Weidner, Vorsitzender
des Berliner Vereins für Brauereigeschichte, will den ersten Hahn ins Fass
schlagen. Dazu spielt die Band „Whisky und Soda“.
Die beiden Braumeister Jörg
Kirchhoff und Thomas Köhler, die das Ausflugslokal betreiben, wollen das
Traditionsbier wieder in der Stadt heimisch machen. Es war schon seit dem 18.
Jahrhundert in der vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. eingerichteten
Königsbrauerei am Brauhausberg hergestellt worden. 1829 ging diese Brauerei in
den Besitz von Adelung und Hoffmann über, dann wurde sie Teil der Berliner Kindl
Brauerei. Hier wurde die „Stange“ noch bis in die 30er Jahre produziert, aber
auch in den Potsdamer Brauereien Senst und Franz Lamm, in den Vereinigten
Werderschen Brauereien und in der Löwen-Brauerei Berlin. In der DDR-Zeit schlug
der Versuch fehl, 1969 bei der Eröffnung des Interhotels eine durch ein
Neuererkollektiv des VEB Getränkekombinat Potsdam entwickelte „Stange“ wieder
auf den Markt zu bringen. Dabei mag auch der relativ hohe Preis von 1,28
DDR-Mark eine Rolle gespielt haben.
Das stark kohlendioxidhaltige, perlende Bier, in dem ein hinein geworfenes
Reiskorn „tanzen“ muss, wird von den beiden Braumeistern in einer Variation
hergestellt, die spritziger und weniger bitter ist als die Vorgängersorten. Den
Hopfen setzen sie nicht wie in Großbrauereien üblich als Extrakt zu, sondern
beziehen ihn aus einem Anbaugebiet am Bodensee. Die Stange wird im
traditionellen, mit fünf Wochen etwas länger dauernden „kalten“ Brauverfahren
hergestellt, was dem Geschmack offensichtlich zugute kommt. Die üppige
Schaumbildung des leicht trüben Kräusen(Jung)bieres, das die Verdauung anregt,
verlangt hohe Gläser, so genannte Stangen, denen das Getränk den Namen verdankt.
Kirchhoff und Köhler haben ein besonderes Glas mit der Aufschrift
„Braumanufaktur Potsdamer Stange“ und der Abbildung der Abwurfstange eines
Hirschgeweihes herausgebracht. Es wird zum Preis von drei Euro verkauft, der
halbe Liter Bier kostet 2,90 Euro - ebenso viel wie das Pilsner und Lager, das
im Forsthaus gebraut wird.
Die Braumeister streben an, die „Stange“ an andere Gaststätten und Hotels zu
liefern. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Mit einer Kapazität
von 4000 Litern je Sud, wie er zweimal wöchentlich angesetzt wird, reicht die
Menge zur Außerhausbelieferung aus. Auch können die Gäste das Getränk in
Edelstahlfässchen mit nach Hause nehmen. Kirchhoff und Köhler knobeln derzeit
daran, die „Stange“ in die Flasche zu bringen. Das müsste aber, um dem starken
Druck zu begegnen, eine Art Sektflasche sein. Aus alten Unterlagen wissen die
Braumeister jedoch, dass es die Flaschenabfüllung für die „Potsdamer Stange“
schon einmal gab.
Die Weiße Flotte will den Potsdamern den Weg zur „Stange“ erleichtern. Ihre
Chefs Jan Lehmann und Jörg Winkler kündigten gestern an, dass sie den Steg nahe
dem Forsthaus Templin in der nächsten Saison wieder in den Linienverkehr
einbeziehen wollen. E. Hohenstein

Märkische Allgemeine 24/25
Juli 2004
Neuauflage für den „Flüssigsold“
Braumanufaktur stellt
Stangenbier her
PEER STRAUBE
FORST
POTSDAM .Leicht süßlich schmeckt sie, die trübe Flüssigkeit, prickelt im Mund
und erinnert irgendwie ein bisschen an Hefeweizenbier. Schon zu Zeiten Friedrich
Wilhelms I. und des Alten Fritzen soll es durch Soldatenkehlen gelaufen sein,
das Potsdamer Stangenbier, als "Flüssigsold" sozusagen.
Zuletzt wurde das dunkle Gebräu vor 35 Jahren in Potsdam ausgeschenkt - damals
erquickte es die Gäste der Eröffnungsfeier für das Interhotel am Havelufer. Jörg
Kirchhoff und Thomas Köhler haben diese Tradition jetzt wieder belebt. Die
beiden Geschäftsführer der Braumanufaktur im Forsthaus Templin haben in alten
Archiven gestöbert, mit ehemaligen Mitarbeitern des VEB Getränkekombinat Potsdam
gesprochen und ihr Vorhaben nicht an die große Glocke gehängt.
"Dafür sind wir jetzt die ersten", freut sich Köhler. Ab heute kann man sich von
der Qualität des Gerstensaftes mit der feinporigen Blume selbst Überzeugen. Um
19.30 Uhr wird das erste Fass der neuen alten Marke angestochen, die ersten . 30
Liter gibt's als Freibier. Der Weissen Flotte ist das sogar eine kostenlose
Sonderfahrt wert. Um 19 Uhr können sich Durstige auf der MS "Charlottenburg" in
Richtung Forsthaus einschiffen. Lange fünf Wochen dauert der Brauprozess, bei
dem die so genannte kalte Gärung zur Anwendung kommt: Hergestellt wird das sehr
kohlensäurehaltige Bier streng nach dem deutschen Reinheitsgebot: Die Zutaten
bestehen nur aus Wasser, Malz und Naturdoldenhopfen aus Baden-Württemberg. Da
der Hopfen sehr aromatisch ist, entsteht so ein "mild-gebittertes" Bier, wie die
Fachleute sagen. In der Braumanufaktur soll die "Potsdamer Stange" neben dem
Pils und dem Lager als dritte Hauptsorte etabliert werden, zum Preis von 2,90
Euro für den halben Liter. Ausgeschenkt wird in traditionellen stangenförmigen
Gläsern, die dem Getränk auch ihren Namen gaben. Als Vorbild diente eine
mundgeblasene Variante, die noch aus der Zeit um die Jahrhundertwende stammt.
"Das Original hat über 100 Euro gekostet", sagt Köhler. Wer es als Souvenir
mitnehmen will, muss nicht so tief in die Tasche greifen: Für drei Euro kann man
eins erwerben. Rund 8000 Liter pro Woche wollen die beiden Gastwirte von ihrem
neuen Produkt herstellen. Im nächsten Jahr soll die "Potsdamer Stange" auch in
der Bügelflasche im Handel erhältlich sein.

Werderscher Inselblick 2004
Hoch lebe das
„Werdersch Bier“
In der Brauereiwirtschaft ist man sich einig: Durst wird durch Bier erst schön.
Zum 125. Baumblütenfest feierte das Werdersche Bier, dessen Geschmack vor allem
Berliner Kehlen schätzten, seine Wiedergeburt. Der Einsatz der Stadtväter sowie
das Können und der Idealismus der Braumeister vom „Forsthaus Templin“ machten es
möglich. Gebraut wird in der Braumanufaktur von Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff
in der Templiner Straße in Potsdam, wo Sudpfanne und Läuterbottich natürlich
längst vorbereitet waren. So wird das Wasser in 5 Wochen zu einem Hopfengetränk
von besonderer Güte veredelt. Köhler und Kirchhoff vertrauen auf ihr Können, die
Wirkung der naturreinen Hopfenblüten, alter Aromasorten und dem ausdauernden
Gärungsverfahren um ein qualitativ hochwertiges Bier herzustellen.
Mit dem neuen Bier und seinen Namen „Werdersches" knüpft die Stadt an eine
uralte Tradition an, die auf das Jahr 1617 zurückgeht und ihre Ursprungsstätte
am Markt 1 hatte.
170 Jahre später gab es in Werder bereits „21 Brauer und zwei Brauknechte. Aber
auch 40 Branntweinbrenner", wie vom engagierten Heimatforscher Reimar Golz zu
erfahren ist.
Auch Theodor Fontane räumte in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg"
dem „Bierkapitel" in Werder gebührenden Platz ein und schwärmte von
unverwechselbaren, märkisch nationalen, prickelnden Wesen des „Nahrbiers". Das „Werdersch
Bier" wurde überall auch als „Gesundheitsbier" angepriesen, wie Annoncen um 1900
belegen, und lange Zeit täglich mit einem Dampfer nach Berlin transportiert.
In der Chronik der Stadt findet sich auch eine Anzeige der Brauerei der G. Bauer
die um 1885 für „Echt Werdersches Bier für Blutarme, Recanvalescenten,
Wöchnerinnen etc. von vielen Ärzten" empfohlen warb. Das ist Geschichte. Aber
der Traum kommt wieder, betont Bürgermeister Große voller Stolz und Freude.
Werder lässt den Gerstensaft wieder Hoch leben, ohne seinem Obstwein den Reiz zu
nehmen. Und all das dann noch unter'm Werderaner Blütenmeer.
In der Geschichte des Biers spielen zwar die Klosterbrauereien eine bedeutende
Rolle, aber es gibt ja auch Nonnenklöster. Nicht etwa ein Abt hat sich als
erster wissenschaftlich über die Brauereikunst ausgelassen. Es war eine
Äbtissin: Hildegardes von Bingen.
Die war Benediktinerin und lebte von 1098 bis 1179. Sie lebte also 81 Jahre, und
das war für die damalige Zeit ein schier unglaubliches Alter. Möglicherweise
hatte das Bier, von dem sie viel verstand, etwas damit zu tun. Hildegard war
unter anderem Ärztin und Naturforscherin. Und sie schrieb als erste darüber, was
der Hopfen im Bier bewirkt in ihrem Buch „Vom Inneren der Naturen".
Aber sie war keineswegs die erste Frau, die sich ums Bier kümmerte. Bei den
Germanen war das Brauen Frauensache; es gehörte in die hauswirtschaftliche
Abteilung wie Kochen und Backen. In den Brauhäusern des frühen Mittelalters sah
man nur Frauen. Und die Dichter der Kalevala (finnisches Nationalepos) kamen gar
nicht auf die Idee, jemand anders als eine Frau könne sich ums Bier kümmern.
Im Mittelalter gehörte der Braukessel zur Mitgift. Und es war Sitte, dass eine
Frau, die gebraut hatte, ihre Nachbarinnen zu einem „Bierkränzchen" einlud. Bei
dem war es oft üblich Brot ins Bier zu brocken und so zu essen. (Also nix mit
Kaffeekränzchen - richtig harter Stoff wurde gezwitschert ...)
Anmerkung:
Der Artikel enthält Passagen von
http://www.bier-lexikon.lauftext.de/bier-brauen.htm

Potsdam en détail, 2. Ausgabe 2004
Bier von der Stange
Die Braukunst in Potsdam hat eine lange Tradition. Bereits Friedrich Wilhelm I.
(1688-1740) etablierte den Gerstensaft bei Hofe. Sein bekanntes
„Tabakskollegium", bei dem es munter bis leger zuging, war im Grunde nichts
anderes als der erste Stammtisch in Brandenburg. Rechterhand stadtauswärts in
der Leipziger Strasse befindet sich die Ruine des ehemaligen Kornmagazines.
Dieses wurde 1716 zur königlichen Brauerei umgebaut.

links die Brauerei Adelung&HolImann rechts die königliche Brauerei
Niemand geringerer als der alte Fritz erlernte den „ordentlichen" Beruf des
Bierbrauers.
Als immer mehr Leute begannen, das neue Modegetränk Kaffee zu trinken und die
Biersteuer drastisch zurückging, verbot Friedrich kurzerhand den Kaffee mit der
Begründung, seine Väter kannten nur Bier, er selbst sei schon mit Biersuppe
erzogen worden und Bier passe halt am besten zum hiesigen Klima.
Später wurde die königliche Brauerei auf die gegenüberliegende Straßenseite
verlegt. Hier wurde im Jahre 1829 die Brauerei „Adelung & Hoffmann" gegründet
mit der Aufgabe, als Musterbrauerei ein "bairisches" Lagerbier zu brauen. Aus
dieser Zeit stammt die noch vorhandene Fassadenfigur des Gambrinus, jenes
sagenhaften flandrischen Königs aus der Zeit Karls des Grossen, welcher als
Schutzpatron der Brauer gilt. Zur Lagerung des Bieres ließen
Fassadenfigur des Gambrinus
die Brauereibesitzer noch heute existierende Eiskeller in jenem Berg
ausheben, der seither den Namen Brauhausberg trägt.

Straßenschild an der alten Kindl-Bauerei
Die Kellergewölbe werden heute als Luftschutzbunker genutzt oder sind
teilweise verfallen.
Der Brauerei Adelung & Hoffmann hat Potsdam das legendäre Stangenbier zu
verdanken, das seinen Namen von den hohen schmalen Gläsern erhielt, aus denen es
getrunken wurde. Das Potsdamer Stangenbier ist ein schaum- und alkoholreiches
bayrisches Bitterbier mit Flaschengärung. Es war bei den Potsdamern sehr beliebt
und an heißen Sommertagen eine willkommene Erfrischung.

Ehemalige Eiskeller im Brauhausberg
Nicht weit entfernt vom heutigen Landtagsgebäude ließ Friedrich Wilhelm III.
seiner Luise einen neugotischen Aussichtsturm errichten, der heute leider nicht
mehr existiert. Am Fuße dieses Turmes befand sich das populäre Restaurant
„Wackermannshöhe".
Der einladende Biergarten unter Kastanien mit einem prächtigen Rundblick bildete
das Motiv zahlreicher Postkarten. Hier wurde das Stangenbier von etwa 1830 bis
zum ersten Weltkrieg ausgeschenkt.

Der frühere Biergarten des Restaurants Wackermannshöhe
Die Brauerei Adelung & Hoffmann wurde 1887 in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt, weitere Produktionsanlagen und ein neues Werk in der Luckenwalder
Strasse (der heutigen Albert- Einstein-Str.) kamen hinzu. 1896 übernahm die
Berliner-Kindl Brauerei den gesamten Betrieb. Das Potsdamer Stangenbier wurde
mit Unterbrechungen noch weiter bis in die siebziger Jahre gebraut, zuletzt vom
Braukombinat Potsdam. Dann verlieren sich die Spuren.

Bierdeckel des Braukombinates Potsdam
Das einst so beliebte Bier ist selbst bei manchen Getränkehändlern heute nicht
mehr bekannt.
Anfang der neunziger Jahre stellte die Berliner-Kindl Brauerei die Produktion am
Standort Potsdam völlig ein. Im Jahre 2003 folgte die Potsdamer Rex-Pils
Brauerei in Rehbrücke.
Im Laufe der Brauereigeschichte Potsdams gab es noch verschiedene kleinere
Privatbrauereien, von denen hier nur noch die Brauerei Seibert in der
Babelsberger Pasteurstrasse mit ihrem urigen Doppelkaramell-Bier erwähnt werden
soll. Mit dem Wegfall der Massenproduktion von Kindl & Co. entstanden
Marktnischen, die von kleinen, flexiblen Hausbrauereien besetzt werden konnten.
Allen voran zu nennen sind die Braumanufaktur im Forsthaus Templin und die
Meierei im Neuen Garten.

Sudkessel in der Braumanufaktur
Beide Brauereien eröffneten ihren Betrieb im Jahre 2003 mit Restaurant und
Biergarten. Sie zeichnen sich aus durch eine breite Palette verschiedenster
Biersorten: Pilsener, Lager, heller und dunkler Bock, Braunbier, Weizenbier,
Rot- und Schwarzbier, Frauenbier, Märzen, Maibock, Herbstbock und Weihnachtsbier
- hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Die Braumanufaktur wartet mit einer Premiere auf. Zum ersten Mal seit über
dreißig Jahren wird hier zur Zeit wieder das Potsdamer Stangenbier gebraut. Ab
Mitte Juli wird es hier wieder traditionsgemäß in den charakteristischen Gläsern
serviert und kann im Biergarten genossen werden.
Wissenswertes über Bier
Bier ist eines der ältesten Getränke der Menschheit. Fast alle Völker der Erde
haben seit frühester Zeit alkoholische Getränke durch Gärung aus stärkehaltigen
Stoffen bereitet.
Der Kodex Harnmurabi sicherte jedem Bürger eine tägliche Bierration zu, die
Ägypter hatten eine eigene Hieroglyphe für Brauer und im Gilgarnesch-Epos trank
Urmensch Enkidu sieben Becher Bier und ward kultivierter Mensch.
Bier ist auch eines der reinsten Lebensmittel. Beim Kochen der Zutaten werden
alle Keime abgetötet, der verwendete Hopfen besitzt eine antiseptische Wirkung,
die Kohlensäure verhindert die Entstehung neuer Keime und der Alkohol wirkt
desinfizierend. Bier wurde zum Kochen von Suppe und Backen von Brot verwendet.
Die heilende Wirkung des Bieres war Hippokrates, Paracelsus und Hildegard von
Bingen wohlbekannt. Es wird u.a. als Heilmittel gegen Rheuma, Fieber und
Schlaflosigkeit beschrieben.
Arbeit wurde zeitweise mit Bier vergolten, als eine Art flüssiger Lohn.
In Klöstern etablierte sich die Braukunst, weil die Regel galt "Flüssiges bricht
das Fasten nicht". Es entwickelte sich ein eigener Handwerkszweig mit Zünften,
lukrative Biersteuern wurden erhoben.
Die Hanse transportierte deutsches Bier gar bis nach Indien.
Das deutsche Reinheitsgebot für Bier aus dem Jahre 1516 nur Wasser, Gerste und
Hopfen zum Brauen von Bier zu verwenden, ist auch als ein frühes
Betäubungsmittelgesetz zu verstehen. Bevor man Hopfen zum Brauen verwendete,
wurde dem Bier zum Würzen eine Grut ge- nannte Kräutermischung beigefügt. Diese
enthielt u.a. Stechapfel und Bilsenkraut, welche beim Kochen halluzinogene
Alkaloide freisetzen.
Weitere Informationen unter:
www.bier.de
www.radix.de
www.braumanufaktur.de
www.meierei-potsdam.de

Berliner
Morgenpost Mittwoch, 19. Mai 2004
Himmel-Fahrt ins
Grüne
In und um Potsdam laden neue Ausflugslokale,
Biergärten und Gasthausbrauereien am Feiertag zum Besuch ein
Von Dieter Weirauch
Ob
diese Herren auch in diesem Jahr einen Vatertagsausflug machen, ist unbekannt.
Kurios gekleidete Männer sind dennoch zu Himmelfahrt im Berliner Umland Standard
Foto: ddp
Potsdam - Raus ans Wasser
und ins Grüne. Pünktlich zum Himmelfahrtstag laden sie wieder ein, die
Ausflugsgaststätten rund um Potsdam. Die große Sause kann beginnen.
Seit 1875 gibt es den Bürgershof
gegenüber Schloss und Park Babelsberg schon. Und die Besucher strömen auch heute
noch gern in das Lokal an der Glienicker Lake. Jetzt wurde der legendäre Gasthof
wiedereröffnet. 1,5 Millionen Euro investierte der Berliner Rechtsanwalt Gunnar
Schnabel. 20 Köche und Kellner sorgen für das leibliche Wohl. 150 Innen- und 700
Außenplätze gibt es. Bei Bier und deftigem Leberkäse oder Krustenbraten kann man
die Zeit vergessen und den vorbeifahrenden Schiffen nachsehen.
Nächste Station ist das Kleine
Schloss im Babelsberger Park. Zwar steigt die offizielle Eröffnungsparty erst am
27. Mai, aber an Himmelfahrt erwarten Claudia und Arndt Gilka-Bötzow bereits
viele Gäste. Im Gegensatz zu früher kann man jetzt auch draußen sitzen. Premiere
hat der Himmelfahrts-Gottesdienst, der um 11 Uhr auf der Wiese vor dem Kleinen
Schloss stattfindet. Gastgeber sind die Pastoren Stefan Flade (Kirchengemeinde
Babelsberg) und Matthias Amme (Oberlinhaus).

Auf der anderen Seite der
Glienicker Brücke, am Ufer des Jungfernsees, in der Brauereigaststätte Meierei
in der Nähe von Schloss Cecilienhof, veranstaltet Braumeister Jürgen Solkowski
ein "Großes Maßkrugtrinken". Die Maß Bier kostet Himmelfahrt 4,80 statt sonst
5,20 Euro. Im Angebot sind Maibock und Rotbier, ein herbes, rötliches Bier
englischen Typs. Der neue Küchenchef Kai-Uwe Heermann verwöhnt mit dem
"Potsdamer Rosenkranz", einer gedrehten Bratwurstschnecke mit Stampfkartoffeln,
Rote Bete und Starkbiersauce.
Ebenfalls eine Spezialität
präsentiert die neueste Gasthausbrauerei in Potsdams Gefilden. Im Forsthaus
Templin kurz vor Caputh gibt es Treberbrot. Dieses dunkle, herbe Brauerbrot wird
mit den Bierzutaten Hefe und Malz hergestellt. Auch hier kann man, wie in der
Meierei und im Krongut Bornstedt, beim Brauen zuschauen. Und wer zu viel
Gerstensaft genossen hat, der kann mit dem Bus die Heimfahrt antreten. Der Bus
vom Potsdamer Hauptbahnhof hält direkt vor der Tür. Im Brauhaus des Krongutes
Bornstedt, das mit dem Niederländer Cees Zonnefeld einen neuen Manager hat, wird
der "Bornstedter Büffel", ein malzaromatisches Braunbier, vor Ort gebraut. Ihm
wird nachgesagt, dass es auch den Damen gut munde.
Im benachbarten
Mövenpick-Restaurant Zur Historischen Mühle öffnen Thomas Prange und sein Team
den großen Biergarten nach Münchener Vorbild. In der Bornimer Feldflur will
Ökobauer Gerhard Neumann von Neumanns Erntegarten zu Himmelfahrt den Grill
anzünden: "Natürlich gibt es auch Bier, aber auch andere Getränke und jede Menge
Obst." Nach einem kräftigen Fußmarsch durch den von Peter Joseph Lenné
angelegten Schlosspark kann man den Durst auch im Alten Krug von Marquardt
löschen. Gastwirt Hansi Czada, der auch Chef des Kulturvereins Wublitztal ist,
kennt auch manche Episode aus der Geschichte des Dorfes.

MAZ 26.04. Auf einen Blick
120 000 BESUCHER KAMEN ZUR BLÜTENFESTERÖFFNUNG
Aus allem wird Wein
MANDY MAMEDOW
WERDER Hoch hinaus wagte sich die frischgebackene Blütenkönigin Tanja
Stage gleich zu Beginn des 125. Baumblütenfests, das sie am Samstag als erste
Amtshandlung eröffnet hatte. Mit einem Motorrad der Traber-Show ging es gestern
auf dem Hochseil über die Föhse. Doch das wird nicht der einzige spektakuläre
Höhepunkt bleiben, den die Repräsentantin der Havelstadt in ihrer einjährigen
Amtszeit erlebt. Bei Besuchen von Werders Partnerstädten wird sie ihr Weg bis
nach Korea führen. Doch vorerst stehen noch allerhand Termine beim
Baumblütenfest an.
Vor der herrlichen Kulisse der blühenden Obstbäume tummelten sich bereits am
Eröffnungswochenende des Jubiläums rund 120 000 Besucher auf den Straßen und
Plätzen. Dicht an dicht ging es mancherorts nur im Schneckentempo und per pedes
voran. Doch das schreckte niemanden. Ein kleiner Fußmarsch vom Bahnhof bot schon
erste Gelegenheit, sich hier und da am Straßenrand mit dem allgegenwärtigen
Obstwein zu versorgen. Den gibt es in vielerlei Sorten, was auch Jeannine
Zillmann aus Berlin fasziniert: "Mittlerweile glaube ich, die machen hier aus
allem Wein." Genau das könnte man meinen, wenn man einen Blick auf die insgesamt
sechs Kategorien wirft, in denen am Samstag die "Goldene Kruke" verliehen wurde.
103 Weinproben hatten drei Frauen von der Jury im Vorfeld verkostet, die ersten
drei Plätze aus jeder Kategorie prämiert und die jeweiligen Sieger zur Wahl zum
"Königinnenwein" gestellt. Aus diesen sechs Proben entschied sich Majestät Tanja
Stage schließlich für den Sauerkirschwein von Hobbykelterer Kay Adamczewski aus
Petzow, einem "kleinen Weinmucker, der sie alle ausstach", wie Moderator Attila
Weidemann in Manier des Rasenden Reporters heraus posaunte.
Viele Überraschungen gabs zum diesjährigen Jubiläum, so zum Beispiel den größten
Umzug den Werder je gesehen hat. Denn da sich die im Zuge der
Gemeindestrukturreform hinzu gekommenen Ortsteile mit einbrachten, präsentierten
sich statt der sonst etwa 35 Vereine diesmal rund 55 Gruppen beim Festumzug. Für
einen kleinen Rückblick in die Majestätengeschichte hatte sich sogar eine Riege
von ehemaligen Blütenköniginnen zusammengefunden, die auf der Bühne noch einmal
im einzelnen vorgestellt wurden.
Auch die besondere Spezialität, das Werdersche Bier, war extra zum 125.
Baumblütenfest nach über 80 Jahren erstmals wieder gebraut worden. Von den
insgesamt 4000 Litern gingen allein am Freitagabend schon 400 Liter an Lokale
weg. Zum offiziellen Anstich auf der Bismarckhöhe herrschte dann, trotz
Regenschauer, immer noch Riesengedränge, das Bürgermeister Werner Große wie
folgt kommentierte: "Wir feiern bei jedem Wetter. Wir sind harte Leute." Den
ersten Schluck bekam er dafür trotzdem nicht. Der blieb ihrer Majestät Tanja
Stage vorbehalten. Danach machte sie auch weiterhin eine gute Figur. "Der Pegel
ist zwar etwas gestiegen, doch mir gehts gut", meinte sie nur und auf gings zum
nächsten Termin.

MAZ 26.04.2004 VOM TAGE : LANDESPOLITIK
125. BAUMBLÜTENFEST AM SAMSTAG ERÖFFNET / 120 000 BESUCHER
SCHON AM ERSTEN WOCHENENDE
Feucht-fröhliche
Stimmung in Werders Obstgärten
MANDY MAMEDOW
WERDER Unter rosa-roten und weißen Blüten schlängeln sich unzählige
Menschen durch die von Ständen gesäumten Straßen der Werderaner Innenstadt. Aus
allen Ecken dröhnt Musik, mal rockig und poppig, mal zum Mitschunkeln,
dazwischen immer wieder Ansagen neuer Programmhöhepunkte und reichlich Obstwein
in allen erdenklichen Sorten.
Das Eröffnungswochenende des 125. Baumblütenfestes lockte rund 120 000 Besucher
aus nah und fern in das sonst so beschauliche Havelstädtchen. Für eine Woche
tanzt dort wieder im wahrsten Sinne des Wortes der Bär bei täglich wechselnden
Veranstaltungen, die teilweise schon am Vormittag beginnen. Bis in die
Abendstunden erwartet die Gäste ein bunter Mix aus Ständebetrieb, Disco,
Live-Acts, Bungeejumping, Schaustellern und Wettbewerben. Auch die Obstgärten im
Hohen Weg und in den Ortsteilen haben wieder ihre Pforten geöffnet. Die
lauschigen Plätze unter blühenden Bäumen erfreuten sich bereits am Samstag trotz
durchwachsenen Wetters großer Beliebtheit. Doch Kaffee und Kuchen rangierten
selbst dort nach den prozenthaltigen Wässerchen nur an zweiter Stelle.
An der einen Hand die Freundin, in der anderen eine Flasche Wein - wohin das
Auge blickte, die begehrteste Spezialität, der Obstwein, war immer mit dabei.
Für manch einen, der schon am Nachmittag zu tief ins Glas geschaut hatte und nun
unter besorgten Blicken der Ehefrau von den Sanitätern wieder ins Lot gebracht
werden musste, endete der Besuch frühzeitig mit einer Zwangspause. Wer dem
Trubel in den Straßen etwas entfliehen wollte, der fand auf dem Werderaner
Wachtelberg und der dortigen Wachtelburg eine gute Alternative. Gleich nebenan
in der Weintiene ließ sich bei herrlichem Blick über die Stadt mal was anderes
als Obstwein genießen, so etwa ein Müller Thurgau oder ein Chardonnay.
Zum Auftakt des Jubiläumsfestes gab es jede Menge Spektakuläres zu erleben. Die
am Freitag beim Blütenball gekürte neue Majestät Tanja Stage schwang das
Tanzbein nicht nur mit Werders Bürgermeister Werner Große. Auch mit
Ministerpräsident Matthias Platzeck und Innenminister Jörg Schönbohm fegte sie
übers Parkett. Nach dem traditionellen Festumzug am Samstag eröffnete das "Kind
der Insel", wie Große die Blütenmajestät nannte, dann offiziell das Fest. Unter
den vielen Vehiklen des Umzuges, den "der rasende RBB-Reporter" Attila Weidemann
zwischen Menschenmassen kommentierte, war auch "ein Wagen voller Blüten" mit den
Königinnen der vergangenen Jahre. Die sind in einigen Fällen inzwischen sogar
recht berühmt geworden, wie zu erfahren war. Doreen Jacobi, Kronenträgerin aus
dem Jahr 1990, ist mittlerweile Schauspielerin und war unter anderem im "Tatort"
zu sehen.
Dichter Andrang herrschte auch beim Anstich des Werderschen Biers. Jeder wollte
probieren. Selbst ein kräftiger Schauer konnte der guten Stimmung keinen Abbruch
tun. Ein Korb auf dem Kopf schützte da zwar nicht wirklich vor Nässe, aber das
spielte schon keine Rolle mehr.

PNN 26.4.04
Längster Festumzug zum Jubiläum
Werder ist bestens
gerüstet für das 125. Baumblütenfest vom 24. April bis zum 2. Mai
Werder (PNN/ldg/dpa). Werder zeigt sich bestens gerüstet für das 125. Jubiläum
des Baumblütenfestes vom 24. April bis zum 2. Mai. „Wir werden zum Auftakt den
längsten Umzug in der Geschichte des Festes mit rund 2000 Mitwirkenden in 54
Gruppen haben“, kündigte der Marketingchef der Stadt, Walter Kassin, gestern vor
der Presse an. Eine weitere Besonderheit: Erstmals können die Besucher neben dem
klassischen Obstwein auch wieder echtes Werdersches Bier genießen. Rund eine
halbe Million Besucher werden zum 125. Baumblütenfest in Werder erwartet. Die
Deutsche Bahn hat sich auf den Ansturm vorbereitet, und setzt an den Wochenenden
stündlich drei Doppelstockzüge von Potsdam nach Werder und zurück ein. Die
kreiseigene Busgesellschaft bietet spezielle Blütenrundfahrten in die Plantagen
der Region an.
Das Festprogramm auf insgesamt 8 Bühnen ist gespickt mit interessanten
Veranstaltungen. So werden am Mittwoch, dem 28. April, die legendären Puhdys ihr
35-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Rockkonzert in Werder feiern. Zuvor sind
die Trabers aus Süddeutschland mit einer atemberaubenden Hochseilshow über der
Havel zu sehen. Am Donnerstag gibt es erstmals einen speziellen Werder-Tag, der
vor allem von Vereinen und Gruppen aus der Blütenstadt und ihren Ortsteilen
gestaltet wird.
Besonders zu empfehlen sei in diesem Jahr ein Besuch auf der Bismarckhöhe, sagte
Bürgermeister Werner Große auf der gestrigen Pressekonferenz. Die einstige
legendäre Ausflugsgaststätte wurde von der Stadt übernommen und soll nun zu
altem Ruhm geführt werden. Nach dem Abriss eines Flachbaus aus DDR-Zeiten ist
von der Bismarckhöhe erstmals wieder der ursprüngliche und viel gepriesene Blick
auf die Havellandschaft möglich. Hier soll während des Blütenfestes auch das
Werdersche Bier ausgeschenkt werden – hergestellt nach alten Rezepturen und
Beschreibungen Theodor Fontanes in der Forsthausbrauerei Templin bei Potsdam.
Sportlicher Höhepunkt ist der Baumblütenlauf am 25. April.
Traditionell wird am Vorabend der Eröffnung der Baumblütenball mit der Wahl der
Blütenkönigin gefeiert. „Zum Jubiläum haben wir auch zahlreiche ehemalige
Königinnen eingeladen“, sagte Kassin. Am Samstag startet der bunte Festumzug, zu
dem sich 2000 Mitwirkende aus Vereinen und Schulen angesagt haben. Dabei werden
sich auch alle neuen Werderaner Ortsteile präsentieren. Nach dem Umzug können
sich die Besucher tagelang ins Getümmel stürzen und dabei die blühenden
Obstbäume ebenso wie die verschiedensten Obstweinsorten genießen. Viele
Werderaner öffnen ihre Gärten und Höfe, um die Besucher mit selbst gebackenem
Kuchen und Obstwein zu bewirten. Die Tradition des Baumblütenfestes reicht in
das Jahr 1879 zurück. Damals hatte der Vorstand des Obstbauvereins Werder
beschlossen, alljährlich ein Blütenfest zu feiern.

PNN, 24.04.2004
Süffig und malzbetont
Zur Baumblüte wird
wieder Werdersches Bier gebraut
Das Werdersche Bier, über dass der "Wanderer durch die Mark", Theodor Fontane,
einst so ins Schwärmen geraten war, wird wieder gebraut. Nicht in Werder, aber
nach alter Rezeptur in der Braumanufaktur "Forsthaus Templin" bei Potsdam. Und
mit Wasser aus der Blütenstadt -genauer vom Wasserwerk am Plessower See.
Noch
vor hundert Jahren fand das Heimatbier auch in Berlin hervorragenden Absatz. Es
war, neben Obst und Ziegeln, einer der „ExportschIager" der Stadt. Zum
Blütenfest wird der nach altem Brauverfahren hergestellte Hopfensaft wieder
verkauft. Um den Original-Geschmack zu treffen, wurden Fontanes dreiseitige
Beschreibungen bemüht. Die Brauer Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler sind zudem
auf alte Analysen zur Zusammensetzung gestoßen. "Ein sehr süffiges, malzbetontes
und mild gehopftes Bier", beschreibt Kirchhoff den Geschmack. Bernsteinfarben,
12 Prozent Stammwürze, 4,8 Prozent Alkohol -genau so soll es mit alten Aromen
und Naturdoldenhopfen wieder werden.
Wenn es „läuft", könnte das Werdersche bald zum festen
Inventar der regionalen Gastronomie gehören, meinen die Brauer. Das Potenzial
ist im Forsthaus vorhanden: In den Kellern am Templiner See können 40000 Liter
Bier gelagert werden. Für den Eigenbedarf wird nur ein Viertel der Kapazität
benötigt.

MAZ, 23.04.2004
Molle fließt in der "Nolle"
Potsdamer
Meister brauen neuen Werderschen Gerstensaft
Mutti freut sich auf den Werderaner Kirschwein, der auf dem Blütenfest nun mal
besonders gut schmeckt. Sohnemann ist gespannt auf Bungee und das Pokalturnier
im Volleyball in der Hagemeisterschule. Und der Vater will endlich wissen, wie
das neue Werdersche Bier schmeckt, gelesen hat er darüber genug.
Morgen
um 16 Uhr nach dem Bieranstich von Bürgermeister Werner Große auf der
Bismarckhöhe kann er sein Urteil abgeben, ob die malzbetonte Molle mild gehopft
auch seinem Geschmack entspricht. Nach 80 Jahren Unterbrechung eigener
Herstellung hat die Stadt zum Jubiläumsfest 4000 Liter Bier von den Meistern
ihres Faches im Forsthaus Templin brauen lassen. "Das Werdersche" wird in den
nächsten Tagen auf der Bismarckhöhe, dem Markt der Inselstadt und in der "Nolle"
am Dümichenplatz ausgeschenkt.
Man darf gespannt sein, wie lange der Vorrat reicht.
Sollten die Fässer schneller leer sein, als man glaubt, könnte neben dem
aromatischen Obst, dem trockenen Müller- Thurgau vom Wachtelberg auch das
Werderaner Bier über die Stadtgrenze hinaus von sich reden machen. Werders
Bürgermeister Werner Große und mit ihm viele andere hätten nichts gegen einen
solchen Erfolg, der seinen Ursprung bereits um 1617 am Markt 1 in Werder hatte.
170 Jahre später soll es unter den Blütenstädtern schon 21 Brauer gegeben haben.
Heute erinnert nur noch der Name „Altes Brauhaus" des
sanierten Gebäudes vor der Inselbrücke an die Tradition vor der
Fruchtweinherstellung. Doch muss am Werderschen aus dem Fass schon etwas
Besonderes gewesen sein, sonst hätte nicht der Dichter Theodor Fontane in seinen
„Wanderungen durch die Mark Brandenburg" so vom unverwechselbaren, prickelnden
Wesen des Durstlöschers und "Nahrbiers" geschwärmt. R. Cr.

BZ 23.04.2004
In Werder startet die große Sause: mit Obstwein, Puhdys und Rummelbuden
Willkommen zum Baumblütenfest!
Ein kräftiger
Schluck aus dem Glas. Das Werdersche Bier ist obergärig und mild, Foto:
Spikermann
Werder - Prost - und herzlich Willkommen zum 125. Baumblütenfest. In
Werder an der Havel wird am Samstag (14:30 Uhr) wieder die längste
Obstwein-Theke der Welt eröffnet - von der neu gekrönten Blütenkönigin.
Romantische Stimmung in Werder - nicht nur wegen dem Obstwein, Foto: Thomas
Spikermann
Bis zum 2. Mai bietet Werder seinen Gästen dann eine riesige Gaudi: Mit
Konzerten (Puhdys, Bell Book & Candle, Extraleicht), Karussells und Rummelbuden
- und natürlich ganz viel "Werderaner Bretterknaller", den Obstwein aus der
Region. "Wie jedes Jahr schenken wir die traditionellen Sorten, wie Erdbeere,
Kirsche oder schwarze Johannisbeere aus", so der Bürgermeister Werner Große.
"Aber die neuen
Sorten, zum Beispiel Birne - sind ebenfalls sehr lecker!"
Und obwohl das Blütenfest eigentlich ein Weinfest ist, gibt es in diesmal ein
ganz besonderes Highlight: Werdersches Bier! "Zum ersten Mal seit fast 90 Jahren
haben wir wieder nach traditionellem Rezept gebraut", erzählt Werner Große.
Der 0,4 Liter-Becher kostet 2,50 Euro. "Die Preise für das Glas Wein sind
geblieben - durchschnittlich 1,50 Euro", sagt der Marketingleiter des
Baumblütenfestes, Walter Kassin.
Einen Tipp hat Bürgermeister Werner Große für die erwarteten 500 000 Besucher:
"Lassen Sie Ihr Auto stehen! Schließlich gibt es genug andere Möglichkeiten
zu uns zu kommen."
Der BZ-Service: So kommen Sie hin: Von Berlin
Zoo fährt die Regionalbahn 1jede halbe Stunde (von 6 bis 23 Uhr) direkt nach
Werder. Von Werder Hbf. fährt dann ständig ein Shuttle-Bus (50 Cent).
Die Deutsche Bahn setzt auch in diesem Jahr wieder Sonderzüge ab 10 Uhr
bis 24 Uhr alle 20 Minuten von Potsdam nach Werder ein.
Die S-Bahn fährt planmäßig von Berlin nach Potsdam Hbf. Dann geht's
weiter mit dem 631 Bus bis Werder (im 30 Minuten Takt).
Und auch per Schiff geht's nach Werder: Mit der "Weißen Flotte" von
Potsdam Lange Brücke (Lange Brücke 6), fast alle halbe Stunde ab 9.45 Uhr bis
18.45 Uhr zur Insel Werder (einfache Fahrt 6 Euro, Hin- und Rückfahrt 9 Euro).
Oder mit der "Stern- und Kreisschifffahrt" um 11 Uhr ab S-Bahnhof-Wannsee zur
Insel (Hin- und Rückfahrt 14 Euro). hö

MAZ, 16.04.2004
125. BAUMBLÜTENFEST MIT GROßEM
UMZUG
Partyzeit in Werder
WERDER
Die Obstbäume leuchten weiß und rosé - und Werder ist startklar für sein 125.
Blütenfest. Zehn hübsche Damen wollen als Baumblütenkönigin auf dem Ball am 23.
April gekürt werden, doch nur eine wird bis zum nächsten Fest die Krone tragen.
Zum Jubiläumsfest vom 24. April bis 2. Mai erleben die Werderaner und die mehr
als 500 000 Gäste am Eröffnungstag den bisher größten Umzug, denn auch die neuen
Ortsteile wollen sich dabei präsentieren.
300 Transparente sollen für das 125. Baumblütenfest werben. Foto: MAZ/
Gartenschläger
Neben dem Obstwein fließt diesmal nach vielen Jahren Abstinenz auch wieder
Werdersches Bier, gebraut in der Potsdamer Manufaktur am Templiner See. Auf acht
Bühnen und in unzähligen Obstgärten sowie auf der Bismarckhöhe ist Partyzeit und
für die richtige Stimmung sorgen unter anderem die Puhdys. Der Obstbauverein
wird außerdem aus fast 100 Proben den köstlichsten Werderaner Obstwein
prämieren.
Erstmals findet ein Werder-Tag statt, der für den 29. April vorgesehen ist und
von den Bürgern der Stadt und ihrer Ortsteile gestaltet wird. Wer die
Farbenpracht sucht, ist bei einer der vielen angebotenen Blütenfahrten in die
Plantagen genau richtig. R. Gr

leben und genießen in
Potsdam
Das Magazin Ihrer Gastgeber Frühjahr 2004
Oasen des Wolbehagens
Unterm Forsthaus reift das Bier
Selbst gebrauter Gerstensaft ist ein Schlager des
wiedergewonnenen Ausflugslokales
Das gab es im Forsthaus
Templin noch nie: In zehn Edelstahltanks reifen in den Kellerräumen je Sud etwa
3.000 Hektoliter Bier heran. Die neuen Eigentümer, Thomas Köhler und Jörg
Kirchhoff, sind mit dem Konzept einer »Braumanufaktur« angetreten, um das
traditionsreiche Ausflugslokal wieder zu beleben. Beide haben in Potsdam das
Brauerhandwerk erlernt, an der TU Berlin ein Studium angehängt und sich in
Schleswig und im Erosland erste berufliche Sporen als Braumeister verdient.
Als das Tandem die drei Jahre lang geschlossene Gaststätte nach umfassender und
denkmalgerechter Sanierung Ende 2003 neu eröffnete, verband es mit der Brauerei
die Hoffnung, über die eigenen Gäste hinaus auch andere Abnehmer mit dem
hauseigenen Gerstensaft zu versorgen. Diese Hoffnung erfüllte sich schnell: Beim
Baumblütenfest vom 24. April bis 2. Mai 2004 in Werder wird nicht nur Obstwein
angeboten, sondern erstmals seit mehr als 80 Jahren auch Werdersches Bier.
Theodor Fontane war von dem Getränk seinerzeit so beeindruckt, dass er ihm eine
Ode widmete:
»_und ehe dich,
o Bayrische, wir hatten,
Erschien ankündigend
In braunem Schaum
Die Werdersche.
Ihr Leben war ein Traum.«
Genau so soll es nun aus den Kellern des Forsthauses kommen, bernsteinfarben,
süffig malzbetont und mit 4,8 Prozent Alkohol. Daneben werden wie bisher im
Wechsel Pilsner, Lager, heller und dunkler Bock, Braun- und Weizenbier gebraut.
Sie können im 90 Plätze bietenden Gastraum getrunken werden, dem zwei alte
kupfergetriebene Sudkessel aus den 20er Jahren und von der einstigen
Malzbierbrauerei Seibert in Babelsberg übernommene Eichenfässer, Gärbottiche und
Bierflaschen einen nostalgischen Touch verleihen. Im Sommer gesellt sich ein 100
Personen fassender Biergarten mit Kinderspielplatz hinzu. Das Bier wird in
Siphons und Zehn-Liter-Fässchen auch außer Haus verkauft. Die Küche bietet
solide deutsche Gerichte.
Der Potsdamer Kirchhoff und der Kleinmachnower Köhler hatten das 6.490 qm
Grundstück, von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) erworben, dessen
denkmalgeschütztes Gebäude auf eine lange Geschichte zurückblickt. Es ist als
»Kavalier- und Gesellschaftshaus« für die Unterbringung von Gästen auf dem 1819
durch den pensionierten General Friedrich von Bismarck erworbenen Gutsgelände
entstanden. Hier verbrachte dessen Neffe, der spätere Reichskanzler Otto von
Bismarck, mehrfach die Schulferien. 1834 richtete dann der Kaufmann Eduard
Reinhardt in dem Haus eine »Tabagie« ein und nannte sie »Forsthaus Templin«,
obwohl dort nie ein Förster wohnte. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die
Gaststätte zu einem auch von Prominenten viel besuchten Ausflugslokal. In die
Gästebücher trugen sich u.a. der Schauspieler Gustav Fröhlich, der Astronom
Bruno H. BürgeI und der Komponist Gustav Büchsenschütz ein. In neuem Gewand nach
aufwändiger Sanierung lädt das Forsthaus Templin nun wieder Gäste ein.
E. Hoh
Adresse: Braumanufaktur Forsthaus
Templin, Templiner Straße 102 , 14473 Potsdam, Tel.: 033209/217979 Fax:
033209/217980
E-Mail: thomas@braumanufaktur.de, joerg@braumanufaktur.de

MAZ, 12.03.2004
Potsdamer Landkurier
Hoch lebe das „Werdersch Bier“
Wiedergeburt zum 125.
Blütenfest / Morgen wird im Forsthaus Templin zünftig angebraut
REGINE GREINER
WERDER In der Brauereiwirtschaft ist man sich einig: Durst wird durch
Bier erst schön. Zum 125. Blütenfest in Werder soll es nicht anders sein, denn
zum Jubiläum ab dem 24. April 2004 erlebt das einst bis Berlin so beliebte
Werdersche Bier seine Wiedergeburt. Der Einsatz der Stadtväter sowie das Können
und der Idealismus der Braumeister vom Forsthaus Templin machen es möglich.
Gestern hat die Feuerwehr Werder auf der Inselstadt unmittelbar vor dem Rathaus
unter den Augen vieler Werderaner und Gäste ein Löschtankfahrzeug mit 4000 Liter
Wasser für den künftigen Gerstensaft "aufgetankt". Den Grundstoff sponserte der
Wasser- und Abwasserzweckverband Werder. Nach dem Abfüllen brachten die
Kameraden ihr Fahrzeug samt Ladung zur Braumanufaktur von Thomas Köhler und Jörg
Kirchhoff in die Templiner Straße von Potsdam vor den Toren Capuths. Im
Forsthaus sind Sudpfanne und Läuterbottich natürlich längst vorbereitet. Denn in
der im Dezember vergangenen Jahres eröffneten Braumanufaktur wird das Wasser in
den nächsten Wochen zu einem Hopfengetränk von besonderer Güte veredelt.
Schon morgen laden die beiden Meister von 11 bis 19 Uhr in ihr rustikales Haus
zum Schaubrauen ein. Genießen kann man das Werderaner Bier aber erst nach fünf
Wochen zum Baumblütenfest, wenn es vom Fass frisch gezapft wird. Dabei
entscheidet auch die Zusammensetzung des Werderaner Wasser über den Geschmack
des künftigen Biers mit. Köhler und Kirchhoff vertrauen auf ihr Können, die
Wirkung der naturreinen Hopfenblüten, alter Aromasorten und dem ausdauernden
Gärungsverfahren und wollen Werder zum 125. erste Qualität präsentieren. Mit der
selben Hingabe sorgen sie in den nächsten Wochen auch dafür, dass die Potsdamer
und ihre Gäste ab Juni wieder das Potsdamer Stangenbier genießen können,
serviert in zünftigen Gläsern im Hause Köhler und Kirchhoff. Dort wurde seit der
Eröffnung im Dezember bereits insgesamt 24 000 Liter in sieben Sorten von Pils
bis Maibock gebraut.
Dass zum diesjährigen Werderaner Blütentraum wieder heimisches Bier fließen
kann, dafür haben Werders 1. Beigeordneter Hartmut Schröder und die Braumeister
auf der diesjährigen Grünen Woche in Berlin den Grundstein gelegt. Dort waren
die jetzigen Partner sozusagen Standnachbarn und die Verbindungen schnell
geknüpft. Werders Bürgermeister Werner Große hatte schon mehr als einmal auf
eine gute Zusammenarbeit mit kleinen, aber feinen Brauereien gehofft - zum
diesjährigen Jubiläumsfest hat es geklappt. Die Freude darüber war ihm und den
anderen Werderanern gestern beim Füllen der Tanks deutlich anzusehen. Große
verkündete dann gestern auch, wo das Bier von der Farbe wie dunkler Bernstein
zur Baumblüte vom Fass ausgeschenkt wird. Es soll sowohl an Ständen auf der
Bismarckhöhe wie auf dem Marktplatz und in der Gaststätte "Nolle" zu haben sein.
"Wenn es den Gästen schmeckt, dann wird bestimmt auch künftig in unserer Stadt
heimisches Bier ausgeschenkt", sagt Große. So mancher Gastronom hätte nach
seinen Worten schon Interesse bekundet. Der Bürgermeister weiß auch, dass sich
die Hopfenpflanzen im relativ milden Klima Werders wohl fühlen. "Warum sollen
wir da nicht wie einst wieder selbst Hopfen in unserer Stadt anbauen."
Mit dem neuen Bier und seinem Namen "Werdersches" knüpft die Stadt an eine
uralte Tradition an, die auf das Jahr 1617 zurück geht und ihre Ursprungsstätte
am Markt 1 hatte. 170 Jahre später gab es in Werder bereits "21 Brauer und zwei
Brauknechte. Aber auch 40 Brandweinbrenner", wie vom bis heute überaus
engagierten Heimatforscher Reimar Golz zu erfahren ist.
Auch Theodor Fontane räumte in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg"
dem "Bierkapitel" in Werder gebührenden Platz ein und schwärmte vom
unverwechselbaren, märkisch nationalen, prickelnden Wesen des "Nahrbiers". Das "Werdersch
Bier" wurde überall auch als "Gesundheitsbier" angepriesen, wie Annoncen um 1900
belegen, und lange Zeit täglich mit einem Dampfer nach Berlin transportiert. In
der Chronik der Stadt findet sich auch eine Anzeige der Brauerei G. Bauer die um
1895 für "Echt Werdersches Bier für Blutarme, Reconvalescenten, Wöchnerinnen
etc. von vielen Ärzten" empfohlen warb.
Aber dem Erfolg folgte ab 1910 durch die nationale Konkurenz der Niedergang.
Daran konnten auch die Worte Fontanes in seinen "Wanderungen" nichts ändern:
"All Großes, wie bekannt, wirft seinen Schatten; Und ehe dich, o Bayrische, wir
hatten / Erschien, ankündigend, in braunem Schaum / Die Werdersche. Ihr Leben
war ein Traum." Die letzte Anzeige der Brauereigenossenschaft Potsdam-Werder
erschien 1913.
Doch das ist Geschichte. Aber der Traum kommt wieder, betonte Bürgermeister
Große gestern voller Hoffnung und Freude. Werder lässt den Gerstensaft wieder
Hoch leben, ohne seinem Obstwein den Reiz zu nehmen. Denn der Durst wird durch
Bier erst schön, behaupten Brauer. Und all das dann noch unterm Werderaner
Blütenmeer.

MAZ, 12.03.2004
Potsdamer Landkurier
Mit Hopfen und Malz
REGINE GREINER
Bier auf Wein, das lass' sein! Wein auf Bier, das rat' ich Dir! Die Gäste des
125. Blütenfestes ab 24. April in Werder sind gut beraten, den Volksmund ernst
zu nehmen. Ansonsten könnte die gemütliche Party im Mega-Obstgarten für so
manchen mit einem Brummschädel enden, wenn reichlich und durcheinander geprostet
wird.
Aber wer will jetzt schon
an den Kater nach dem Fest denken ? Werders Stadtväter beschäftigt viel mehr,
wie das Jubiläumsfest ein ganz Besonderes wird und sich trotz reichlich Bier-
und Weingenuss die Gäste sicher fühlen können. Man scheut keine Mühen, um sich
einzigartig zu zeigen, lockt mit unverwechselbarem Obstwein und nun auch noch
mit dem Werderschen aus Hopfen mit besonderem Geschmack.
Der Stadt ist es zu
wünschen, dass die Premiere klappt, das Bier seine Anhänger findet und Werder um
ein regionales Produkt reicher ist. Ob Werder-Ketschup, Wein vom heimischen
Wachtelberg oder selbst gemacht aus den Früchten des Obstgartens, die
Erzeugnisse haben in den vergangenen Jahren die Region auf ihre Art beliebt und
bekannt gemacht. Klappern gehört zum Geschäft, damit Hopfen und Malz nicht
verloren sind.

PNN,
12.03.2004
Potsdam-Mittelmark
Theodor Fontane
und "die Werdersche"
Auszüge aus „Wanderungen durch die Mark“:
…märkisch national, ein Ding für sich, so erschien die Werdersche. Sie war dem
Landesgeschmack geschickt adaptiert, sie stellt sich einerseits in Gegensatz
gegen die Weiße und hatte doch wiederum so viel von ihr an sich, dass sie wie
zwei Schwestern waren, dasselbe Temperament, dasselbe prickelnde Wesen, im
übrigen reine Geschmackssache: blond oder braun. In Kruken auftretend und über
dreimal gebrauchten Korken eine blasse, längst ausgelaugte Strippe zu leichtem
Knoten schürzend, war sie, die Werdersche … der … glückliche Konkurrent der
älteren Schwester, und die bekannten Kellerschilder … bequemten sich mehr und
mehr, neben der blonden Weißen, die braune Werdersche ebenbürtig einzurangieren.
… sie wurde Nahrbier in des Wortes verwegenster Bedeutung, und das gegenwärtige
Geschlecht, wenn auch aus zweiter Hand erst, hat Kraft und Leben gesogen aus der
Werderschen.
 PNN,
12.03.2004
Potsdam-Mittelmark
Malzbetont und mild gehopft
Fontane hat einst davon
geschwärmt und es war ein Exportschlager der Blütenstadt: Zur Baumblüte wird
wieder Werdersches Bier gebraut
Von Henry Klix
„All Großes, wie bekannt,
wirft seinen Schatten;
und ehe dich,
o Bayrische, wir hatten,
Erschien ankündigend,
in braunem Schaum
Die Werdersche.
Ihr Leben war ein Traum.“

„Und wird es jetzt auch wieder“, setzte Bürgermeister Werner Große den Versen
Theodor Fontanes gestern hinzu. Großes Botschaft war spektakulär: Das Werdersche
Bier, über dass der „Wanderer durch die Mark“ einst so ins Schwärmen geraten
war, wird wieder gebraut. Nicht in Werder, aber nach alter Rezeptur. Und mit
Wasser aus der Blütenstadt – genauer vom Wasserwerk am Plessower See. So
sprudelte es zur Wiederbelebung einer Jahrhunderte langen Brautradition nicht
aus einem Bierfass, sondern aus einem Feuerwehrhydranten vor dem Alten Rathaus
auf der Inselstadt. Die Freiwillige Feuerwehr hatte mit einem TLF 46 den
Transport von 4600 Liter Wasser in die Braumanufaktur „Forsthaus Templin“
übernommen.
Noch vor hundert Jahren fand das Heimatbier auch in Potsdam und Berlin
hervorragenden Absatz. Es war, neben Obst und Ziegeln, einer der
„Exportschlager“ der Stadt an der Havel. Zum diesjährigen Baumblütenfest (24.
April bis bis 2. Mai) soll der nach altem Brauverfahren hergestellte Hopfensaft
nun wieder verkauft werden. Um den Original-Geschmack zu treffen, wurden
Fontanes dreiseitige Beschreibungen bemüht. Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler,
Inhaber der Braumanufaktur, sind zudem auf alte Analysen zur Zusammensetzung
gestoßen. „Ein sehr süffiges, malzbetontes und mild gehopftes Bier“, beschreibt
Kirchhoff den Geschmack. Bernsteinfarben, 12 Prozent Stammwürze, 4,8 Prozent
Alkohol – genau so soll es mit alten Aromen und Naturdoldenhopfen wieder werden.
Wenn es „läuft“, könnte das Werdersche bald zum festen Inventar des
Baumblütenfestes und sogar der regionalen Gastronomie gehören, meinen die
Brauer. Das Potenzial ist im Forsthaus vorhanden: In den Kellern am Templiner
See können 40000 Liter Bier gelagert werden. Für den Eigenbedarf wird nur ein
Viertel der Kapazität beansprucht. Mitte Mai soll eine Flaschenabfüllanlage
hinzu kommen. So ist es auch denkbar, dass die alten, rot-weiß-blauen
Bieretiketten der „Vereinigten Werderschen Brauereien“ wieder zum Einsatz
kommen.
Wieso die Geschichte des Werderschen vor 90 Jahren endete, war eine Frage, die
sich nach dem Genuss einer kleinen Probeabfüllung mit ähnlichen
Geschmacksqualitäten zwingend stellte. Die Werder-Historiker Balthasar D. Otto
und Reimar Golz haben sich um das Thema bereits verdient gemacht. Gerade in der
zweiten Hälfte des Jahrhunderts muss das Bier aus den vier Werderaner Brauereien
in Strömen geflossen sein. Sechs bis sieben Millionen Liter Bier wurden
seinerzeit ausgeführt. Vier große Brauereibesitzer stellten es her, mit dem 1887
erbauten Brauhaus in der Lindenstraße 1 ist die Tradition auch heute im
Stadtbild präsent.
Doch seit der Jahrhundertwende, als die bayrische Brauart nach Preußen
überschwappte, ging’s bergab. Sie brachte eine neue Geschmacksnote und machte
das Bier haltbarer. Gegen Schultheiß und Kindl, die die Zeichen der Zeit erkannt
hatten, versuchten sich die Werderschen Brauer 1896 noch mit einer Fusion zur
„Werderschen Brauerei AG“ zu wappnen. Zwanzig Jahre hielt man so die Stellung,
dann folgte der Konkurs.
„Unser Bier wurde durch die Bayern kaputt gemacht, aber jetzt schlagen wir
zurück“, brachte Bürgermeister Große die Auferstehung auf den Punkt. Auf der
Grünen Woche wurde die Idee geboren, die Nachbarschaft des Werder-Stands mit dem
des Forsthauses war schicksalhaft. Nun gibt es neben Obstwein zur Baumblüte also
auch Frischgezapftes von hier. Auf der Bismarckhöhe, dem Markt und vor der
Inselbrücke wird der Gerstensaft verkauft. Und wer weiß, vielleicht ja bald auch
wieder in Berlin und Potsdam?
Am Samstag, 13. März, wird das „Werdersche“ im Forsthaus Templin eingebraut.
Von 11 bis 19 Uhr kann beim Brauprozess zugeschaut werden.

Generalanzeiger Werder, 11.03.2004
"Werdersches" wird gebraut
Nach über 80 Jahren Unterbrechung wird wieder "Werdersches Bier" gebraut.
Das ehemals berühmte Werdersche Bier, dem Fontane in seinen "Wanderungen durch
die Mark" ein ganzes Kapitel widmete, wird in der Braumanufaktur Forsthaus
Templin, Templiner Str. 102 in Potsdam eingebraut.
Am Donnerstag, den 11. März 2004 wird um 11.00 Uhr vor dem Alten Rathaus
Inselstadt ein Tanklöschfahrzeug der Werderaner Feuerwehr mit 4.000 Liter Wasser
gefüllt, das anschließend in die Braumanufaktur Templin gebracht wird. Die
ersten 4.000 Liter sollen dann anlässlich des 125. Baumblütenfestes ausgeschenkt
werden.

PNN, 10.03.2004
Potsdam-Mittelmark
Nach über 80 Jahren gibt es wieder Werdersches Bier Werder.
Nach mehr als 80 Jahren Unterbrechung soll anlässlich des 125. Baumblütenfestes
nun wieder echtes „Werdersches Bier“ gebraut werden. Das kündigte Bürgermeister
Werner Große gestern öffentlich an. Das ehemals berühmte Schwarzbier, dem
Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark ein ganzes Kapitel widmete, wird in
der Potsdamer Braumanufaktur „Forsthaus Templin“ eingebraut. Das Brauwasser soll
direkt aus dem Herzen der Werderschen Inselstadt sprudeln. Zu diesem Zweck wird
am kommenden Donnerstag um 11 Uhr vor dem Alten Rathaus auf der Insel ein
Tanklöschfahrzeug der Werderaner Feuerwehr mit 4000 Litern Wasser gefüllt und
dann Richtung Forsthaus Templin gesteuert. Die ersten 4000 Liter Bier sollen
dann zum Blütenfest ab 24. April ausgeschenkt werden.

MAZ 28/29.02.2004
Wochenmagazin
der Märkischen Allgemeinen, "Feierabend"
Köstliches
aus dem Zapfhahn
Im „Forsthaus Templin“
bei Potsdam wird die alte Tradition der Gasthausbrauerei neu belebt
ILDIKO RÖD
So richtig einsam muss man sich im „Forsthaus Templin" nie fühlen,
selbst wenn keine anderen Gäste unterm Gebälk der Gaststätte speisen. Wird
man doch unablässig von Blicken aus dunklen Plastikaugen von der Wand herunter
begleitet. Ein paar Mufflonköpfe hängen da, sogar ein Uhu lugt von luftiger
Balkenhöh' herab, und auch ein Hirschkopf an imposant langem Hals findet sich
dort.
Die forschenden Hirschaugen zur breiten Fensterfront hin geben gleich die
lohnendste Aussichtsrichtung vor: zur Havel hinunter, die hinter der
Verbindungsstraße zwischen Potsdam und Caputh durchs Ufergehölz glitzert und
im kommenden Sommer wahrscheinlich viele Radler und Ausflügler in den
Gastgarten des „Forsthauses" ziehen wird, das im vergangenen Dezember
seine Pforten öffnete und vorzugsweise auf gutbürgerliche Küche setzt.
Schon den
Altvorderen hatte es das lauschige Waldambiente am Wasser angetan. Zunächst als
Bleichplatz genutzt, lockte das Areal bereits ab dem 18. Jahrhundert die besser
gestellten Erholungssuchenden. 1797 ließ der Potsdamer Kanonikus Tamm einen
Herrensitz bauen, der 1819 in den Besitz des Generalleutnants Friedrich von
Bismarck überging. Der junge Otto, nachmaliger Reichskanzler und Neffe des
Templiner Gutsbesitzers, soll dort mit ausgedehnten Ritten und Weinverkostungen
denkwürdige Urlaube verlebt haben. Doch schon in den 1830er Jahren setzte mit
der Einrichtung einer Ausflugsgaststätte für die Potsdamer Bürgerschaft die
Demokratisierung des Naturparadieses ein. Eine Prise Glamour kam in den 1930er
Jahren hinzu, als sogar die Ufa-Prominenz gern im Lokal einkehrte. In der
Nachkriegszeit gab es ein paar halbherzige Versuche zur Wiederbelebung des
Gastbetriebes, denen jedoch nie viel Glück beschieden war .Bis jüngst die Idee
einer zweifachen Renaissance aufkam: Nicht nur die Gastronomie und der Ausschank
sollten neu eröffnet werden. Auch die uralte, mittlerweile aus der Mode
gekommene Tradition der Gasthausbrauerei wollen Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler
auferstehen lassen. Nach Wanderjahren im Emsland und in Schleswig-Holstein hat
es die beiden Braumeister aus dem Brandenburgischen wieder in die Heimat gezogen
- mitsamt zukunftsträchtigem Gastronomiekonzept: Köstliches von Lager bis Pils
wird nun im Hause hergestellt. "Hier braut der Cherf“ - so könnte ein möglicher
Werbespruch fürs "Forsthaus" lauten, wo eine kupferne Braupfanne und
ein Läuterbottich ein ganzes Eck der Wirtsstube einnehmen. Hübsch fangen sich
die herein fallenden Sonnenstrahlen im hochglanzpolierten Metall der Pfanne, die
noch aus den 1920er Jahren stammt.
Doch nicht nur für die Optik macht sich das alte Kupfer bestens - auch dem
Biergeschmack kommt' s zugute: Ganz anders würde das munden als ein in modernen
Edelstahlbehältern entstandenes Bier, erklärt Jörg Kirchhoff, der ebenso bei
den Zutaten auf Bewährtes setzt: nicht auf Hopfenextrakt, wie ihn die Großbrauer
heutzutage verwenden, sondern auf die guten alten Hopfenblüten. Und im
"Forsthaus" darf sich das Bier obendrein Zeit mit dem Reifen lassen:
nicht zwei Wochen, wie in den Industriebetrieben, sondern fünf. Wo derart auf
Überkommenes gesetzt wird, will man auch aufs lokale Erbe nicht verzichten.
Deshalb soll ab Juni das "Potsdamer Stangenbier" wiederbelebt werden.
Eine Sorte, bei dem Lager- mit jungem Bier versetzt und ein zweites Mal vergoren
wird. Ergebnis ist ein Gebräu mit höherem Kohlensäure-Gehalt, das in eigenen
"Stangengläsern" kredenzt wird und sicher nicht nur Potsdamern
schmecken wird, die den Namen spendeten.
Info
"Forsthaus Templin", Templiner Straße 102, 14473 Potsdam, 033209/21
7979,
Öffnungszeiten: So - Do 11 bis 23 Uhr, Fr - Sa 11 bis 1 Uhr

MAZ
19.01.2004
VOR ORT : POTSDAM : AUF EINEN BLICK
Namen
& Nachrichten
Im
Frühjahr wollen Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler, Inhaber der jüngst
eröffneten Braumanufaktur Forsthaus Templin, mit ihren Bierkreationen auf den
Markt gehen. Deswegen präsentieren sie ihr "Lager" als Newcomer
derzeit auf der Grünen Woche in Berlin. Es werde gut angenommen, aber große
Geschäfte könnten sie damit nicht machen - die Standmiete sei zu hoch.
"Aber wir haben auch noch Bierlikör mitgenommen; ein Rezept, welches ich
im Emsland entwickelt habe", so Köhler. "Unser Lagerbier wird mit
Zucker aufgekocht und später noch mit Weinbrand versetzt." Zu Showzwecken
wird mit der "melkenden Kuh" abgefüllt, einer der ersten Abfüllmaschinen
für Bügelflaschen - über 100 Jahre alt. "Die haben wir von der Brauerei
Seibert aus Babelsberg gekriegt, der letzten Privatbrauerei in Potsdam", so
Köhler. Auch die Bügelflaschen sind nicht gerade leicht zu beschaffen:
"Es gibt nur noch ein Glaswerk in Deutschland, das diese herstellt - in
Lohr am Main im Spessart", so Köhler. Neben Lager und Pils und den
verschiedenen saisonalen Sorten wie Maibock und Erntedankfest-Bier wollen Köhler
und Kirchhoff auch bald wieder die "Potsdamer Stange" herauszubringen

Berliner Morgenpost 18.01.2004
In Halle 21a auf der Grünen Woche zeigt sich die
Mark von ungewohnter Seite
von Peter Schelling

Wohl bekomm's: Hansi Killer und
Martl Strobl aus Bad Tölz versuchen sich am "Spreewälder Zwickel".
Ein Bier, das scheinbar auch Bayern
überzeugt
Foto: Jäzosch
Berlin - Auf der Grünen Woche kann es für die Brandenburger
Lebensmittelproduzenten nur ein Ziel geben: auffallen. Radigks Brauhaus aus
Finsterwalde versucht es mit Roggenbier. Dunkel ist es und sämig, mit einem
ganz eigenen, malzigen Geschmack. Dem etwa 60-jährigen Berliner mit Kapitänsmütze
schmeckt es sichtlich. Das erste Glas ist geleert, er will eigentlich weggehen,
wendet aber auf dem Absatz und aus dem schon leicht geröteten lächelnden
Gesicht dringen die Worte: "Doch noch eins."
Dieses "Doch noch eins" könnte 2004 durchaus zum Motto der
Brandenburghalle auf der Grünen Woche werden. Unter den Spezialitäten, die die
märkischen Lebensmittelproduzenten in der Hauptstadt bekannt machen wollen,
steht das Bier ganz weit oben. Oft ist es in kleinen, meist Gasthausbrauereien
hergestellter Gerstensaft. Ganz neu ist die Produktion des Forsthauses Templin.
Dort füllt Brauermeister Jörg Kirchhoff Bier mit einer etwa 100 Jahre alten
Anlage ab. Die Flasche Lager mit Schnappverschluss kostet 2,50 Euro und will
wegen geringer Haltbarkeit schnell getrunken werden. Aus dem Hahn rinnt es
frisch gezapft. Und auch nach dem dritten Glas will es nicht schlechter
schmecken.
Nebenher ist Kirchhoff hauptsächlich mit dem Vermeiden von Irrtümern beschäftigt.
Auf die Frage, wo denn im uckermärkischen Templin ein Forsthaus stehe, muss er
immer erklären, dass es Templin noch einmal gibt: zwischen Caputh und Potsdam.
3000 Euro kostet der kleine Stand das am 14. Dezember neu eröffnete Gasthaus an
Miete. "Dieses Jahr machen wir das, um bekannt zu werden." Dass er
wiederkommen wird, glaubt Kirchhoff zwar nicht, aber der Plan scheint
aufzugehen: Für den Fotografen einer Nachrichtenagentur beißt der Mann mit dem
urigen Bart in eine Gurke. Das Radio war schon da, der Termin fürs Fernsehen
ist gebucht.
Und die Brauerliste ließe sich verlängern: Um Preußen-Pils aus Pritzwalk,
Spreewälder Zwickel aus Schlepzig, oder das Frankfurter Pils zum Beispiel, das
als Nachhut von Schultheiss dem Untergang gerade noch einmal entkommen ist. Wohl
bekomms!
Wer zwischendurch Hunger bekommt, kann es ja mit einem "Brandenburger"
versuchen. Der besteht aus einer Scheibe gehacktem Bio-Rindfleisch, eingeklemmt
zwischen zwei Brötchenhälften, die unerwartet hart und überraschend gewürzt
sind, begleitet von sauren Gurken und einem Salatblatt. Der Hackfleischklops hat
Verwandte in den Vereinigten Staaten und stammt aus der Fleischerei Feindura in
Reinickendorf. Das Fleisch immerhin kommt aus Zempow und so hat zumindest hier
die Länderfusion bereits stattgefunden.
Fleisch, Wurst und zur Begleitung dienende Produkte wie Brot und Senf bilden
einen zweiten Schwerpunkt der Brandenburghalle. Auch hier das Bemühen,
besonders originell zu sein: "Straußenleberwurst, nur bei uns und in Südafrika.
Sparnse Reisekosten", ruft der Verkäufer vom Stand des
Kooperationsverbundes Elster-Röderland in der Niederlausitz. Gleich zwei
Hersteller preisen Senf mit bemerkenswerten Geschmacksrichtungen wie Curry oder
Pflaume an.
Bei etlichen ist das paradoxe Bemühen zu erkennen, ein traditionsreiches
Brandenburger Produkt herzustellen, das es noch nicht gibt. Andere mühen sich,
regionale Produkte, die auszusterben drohen, vor dem Untergang zu bewahren. So
etwa das Teltower Rübchen, das im Kochstudio an der Bühne des RBB beworben
wird, als wäre es der Erbonkel, der die ganze märkische Familie reich macht.
Ein Stand widmet sich der uckermärkischen Tabakproduktion. Die überlebt auch
nur durch Subventionen von der EU.
Gut, dass da noch ein paar Klassiker sind, auf die man sich verlassen kann: die
Spreewälder Gurke etwa und Fruchtsäfte und Weine aus Werder, die Wildspezialitäten
aus der Schorfheide und der Spargel aus Beelitz. Wobei nicht sofort einzusehen
ist, was der eigentlich auf einer Pizza zu suchen hat. Aber auffallen tut es.

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